Krieg der Worte: So unterschiedlich sind die Twitter-Strategien der beiden Kandidaten

ThemaUS-Wahl 2016

Krieg der Worte: So unterschiedlich sind die Twitter-Strategien der beiden Kandidaten

von Katharina Matheis

Nirgendwo kommunizieren die Kandidaten so direkt mit den Wählern wie auf Twitter. Doch ihre Strategien sind dabei völlig unterschiedlich.

Donald Trump behauptet, nicht mehr als vier Stunden Schlaf zu brauchen. In der Nacht vom 30. September auf 1. Oktober bewies er das öffentlich. Um 3:20 Uhr griff er zu seinem Samsung-Smartphone und schicke einen Tweet nach dem anderen ab: Mal beleidigte er einen Fernsehmoderator, mal appellierte er, den Medien nicht zu glauben.

Am nächsten Tag war die nächtliche Twitter-Pöbelei Teil der Fernsehnachrichten, Thema in Zeitungen, Gesprächsstoff in Radioshows. Die Kommentare waren mal entsetzt, mal amüsiert, mal begeistert, doch das Wichtigste: Sie waren da. 2016 werden Tweets zu Nachrichten - nicht mehr umgekehrt.

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Deshalb ist Twitter für Trump die ideale Plattform. Je lauter er poltert, desto stärker seine Präsenz in den Medien. Und je mehr die Medien über ihn berichteten, desto höher wurden seine Umfragewerte. Nicht zuletzt das digitale Provozieren hat ihn zu dem gemacht, was er nun ist: Anwärter auf eines wichtigsten Ämter der Welt.

In Amerika hat Twitterüber 55 Millionen Nutzer. Anders als in Deutschland vereint die Plattform nicht nur Medienleute und Promis, sondern auch breite Teile der Bevölkerung. Ein ideales Publikum also für die vielen kleinen Botschaften, die mit einem Klick auf Millionen Bildschirmen erscheinen.

Trump hat bereits 2009 entdeckt, welche Macht er mit seinem Twitteraccount in der Hand hält. Trump liebt das Ungefilterte, das Direkte, das Unzensierte dieser Kommunikation. Hier ist er auf keine Medien mehr angewiesen, er ist sein eigenes Medium.

Zunächst nutzt er die Plattform, um Werbung für seine TV-Shows zu machen. Doch bald darauf beginnt er, auch seine politische Meinung über seinen Twitteraccount kundzutun.

Er twittert mal nachts, mal tags, scheinbar intuitiv und häufig provokant. Sich selbst gibt er den Twitter-Namen: “The Real Donald Trump” - seine Fans lieben ihn für das Authentische, das er hier verbreitet.

Ganz anders sieht das bei Hillary Clinton aus. Die ungefilterte, scheinbar unkontrollierte Kommunikation des Netzwerkes scheint nicht ihre Art. Während Trump online schon ein Millionenpublikum erreicht, bleibt sie Twitter fern. Das finden die Nutzer so kurios, dass sie unter dem Hashtag #tweetsfromHillary scherzhafte Tweets unter ihrem Namen ins Netz schicken. Spätestens da merkt Clinton: Es geht nicht ohne.

Ihre eigene Geschichte auf Twitter beginnt deshalb 4 Jahre nach Trumps ersten Tweet -  mit einem Konter auf all den Spott.

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