Legalisierung von Hanf: Kiffen für den Staat

Legalisierung von Hanf: Kiffen für den Staat

von Christian Schlesiger

Vier US-Bundesstaaten haben bei der Präsidentschaftswahl für die Freigabe von Haschisch gestimmt. Die Regierungen profitieren von Steuereinnahmen. Doch was sagt Trump dazu?

Amerika ist ein geteiltes Land – das gilt auch bei der Frage um die Freigabe von Hanf. Fünf Bundesstaaten haben am 8. November nicht nur über den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika abgestimmt, sondern auch darüber, ob der Anbau und Konsum von Marihuana in ihrem Bundesstaat künftig für jedermann erlaubt sein soll. Überall dort, wo Hillary Clinton den Sieg für sich als Präsidentschaftskandidatin einfuhr, wählten die Bürger mit Ja. In Arizona, wo Trump die meisten Stimmen einsammelte, lehnten die Wähler die Legalisierung ab.

Nun darf also in insgesamt neun Bundesstaaten der USA gekifft werden, ohne dass der Konsument der weichen Droge Angst haben muss, ins Gefängnis zu wandern oder eine saftige Strafe zu zahlen. Zuvor war der Joint bereits in den Westküstenstaaten Colorado, Alaska, Oregon, Washington und der Hauptstadt DC erlaubt worden. Doch wie freizügig die Regelungen in den weiteren vier Staaten sind, ist höchst unterschiedlich:

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- Kalifornien erlaubt Erwachsenen, die älter sind als 21 Jahre, künftig den Besitz und Transport von 28,5 Gramm Marihuana. Außerdem darf jeder Bürger zu Hause bis zu sechs Hanfpflanzen züchten. Der Verkauf von Hanf wird ebenfalls erlaubt. Anders als viele andere Bundesstaaten wird auch der Konsum in Kiffershops spätestens ab Januar 2018 möglich sein. Kalifornien erhebt zusätzliche 15 Prozent auf die normale Umsatzsteuer von neun Prozent.

Wie sich der Marktpreis von Marihuana zusammensetzt

  • Schwarzmarkt heute

    Verkaufspreis: 10,00 Euro

    Dealerzuschlag. 4,50 Euro
    Herstellerzuschlag: 4,50 Euro
    Produktion: 1,00 Euro

    Quelle: eigene Recherchen (grobe Schätzung), die Grünen

  • Vorschlag der Grünen

    Verkaufspreis: 8,87 Euro

    Cannabissteuer: 4,00 Euro
    Einzelhandelszuschlag: 1,95 Euro
    Großhandelszuschlag. 0,50 Euro
    Produktion: 1,00 Euro

    Quelle: die Grünen

Hinzu kommen eine Anbausteuer von 9,25 Dollar pro 28,5 Gramm Pflanze. Der Bundesstaat rechnet damit pro Jahr mit Einnahmen von umgerechnet rund eine Milliarde Euro. Nach Abzug der Kosten etwa für den Aufbau einer Cannabis-Kontroll-Behörde soll das Geld zum Großteil in Jugend- und Umweltprogramme fließen.
- Nevada hat in etwa das gleiche Modell gewählt. Eine Besonderheit ist, dass die Produktion von Marihuana in den ersten 18 Monaten zunächst nur für Hersteller von Medizin-Hanf erlaubt ist, der in Nevada bereits seit 2000 legal angebaut und von Ärzten verschrieben werden darf.

Der Verkauf des Hanfs ist in den ersten anderthalb Jahren nur Getränkeläden vorbehalten, die Alkohol verkaufen dürfen. Interessant ist auch, dass der Staat die Zahl der Verkaufsläden pro Bezirk limitiert, um keine Kiffer-Community entstehen zu lassen.
- In Maine hat sich nur eine knappe Mehrheit von 50,17 Prozent für die Freigabe ausgesprochen. Möglicherweise lag das an der großzügigen Menge Marihuana, die ein Erwachsener ab 21 zu Hause horten darf: 71 Gramm. Jeder Bürger darf zudem bis zu zwölf Pflanzen zu Hause anbauen.

Wie Cannabis konsumiert wird

  • Der Wirkstoff

    Tetrahydrocannabinol (THC). Je höher der THC-Gehalt, desto heftiger die Wirkung.

  • Marihuana (Gras)

    Getrocknete Blütenstände und Blätter. Wird als Joint oder in der Pfeife geraucht, meist zusammen mit Tabak.
    THC-Gehalt: 14/20
    Verbreitung: hoch

  • Haschisch (Hasch, Shit, Chocolate)

    Harz der Blütenstände, meist zu Platten („Pieces“) gepresst. Wird als Joint und in der Pfeife geraucht oder vermischt mit Lebensmitteln: etwa verbacken als Keks.
    THC-Gehalt: 10/30
    Verbreitung: mittel

  • Haschischöl

    Dickflüssiges Extrakt aus Cannabisharz. Wird geraucht als Joint und in der Pfeife oder vermischt mit Lebensmitteln.
    THC-Gehalt: 20/50
    Verbreitung: niedrig

    Quelle: eigene Recherche, LKA Düsseldorf

Neben dem Verkauf von Marihuana ist auch der Konsum in „Social clubs“ erlaubt. Maine erhebt eine zusätzliche Umsatzsteuer von zehn Prozent. Die Zahl der Verkaufsshops kann pro Bezirk beschränkt werden.

Plädoyer für die Cannabis-Freigabe Haschisch für alle

Die Debatte um die Freigabe weicher Drogen spaltet Deutschland. Ökonomen, Psychologen und Juristen fordern einen entspannteren Umgang mit Cannabis. Sieben Gründe für das Ende der Prohibition.

Marihuana für alle! Quelle: AP

- Massachusetts erlaubt zwar keine Coffeeshops, in denen geraucht werden darf. Aber dafür wird der Verkauf von Cannabis nur gering besteuert. Die Steuer liegt bei zusätzlichen 3,75 Prozent zur Umsatzsteuer. Jeder Bezirk kann weitere zwei Prozent erheben. Der Bundesstaat erlaubt den Besitz und Transport von 28,5 Gramm Marihuana. Zu Hause dürfen sogar 285 Gramm gelagert werden. Außerdem sind sechs Pflanzen für den Eigenanbau erlaubt.
Wie unterschiedlich die einzelnen Modelle auch sind: Den Siegeszug der Kiffer halten Experten für kaum noch zu stoppen. Denn vor allem Kalifornien gilt als Schlüsselstaat für die Hanf-Industrie. Die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt erlaubt einen sehr liberalen Umgang mit Marihuana. Das dürfte weitreichende Folgen für ganz Amerika haben wird.

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