Martin Richenhagen: "Amerika würde Donald Trump überleben"

ThemaUS-Wahlkampf

InterviewMartin Richenhagen zur US-Wahl: "Amerika würde Donald Trump überleben"

, aktualisiert 07. Oktober 2016, 07:37 Uhr
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Der CEO von AGCO: Martin Richenhagen

von Christian Schlesiger

Martin Richenhagen ist einer der deutschen Top-Manager in den USA. Der Chef des Landwirtschaftskonzerns AGCO hält sowohl Trump als auch Clinton für vollkommen ungeeignet. Bange ist ihm trotzdem nicht.

WirtschaftsWoche Online: Herr Richenhagen, Sie leben seit zwölf Jahren in den USA und sind neben Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld der einzige deutsche Vorstandschef eines Fortune-500-Unternehmens. Was unterscheidet den aktuellen Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump von früheren Wahlkämpfen? 
Herr Martin Richenhagen: Der derzeitige Wahlkampf findet auf unterstem rhetorischem Niveau statt. Mit Inhalten hat das nichts zu tun. Viele Wähler sind tief enttäuscht und sehr unzufrieden mit dem politischen Establishment und deshalb offen für einfache Botschaften.  

Viele Deutsche wundern sich, wie Donald Trump so weit kommen konnte. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Die Mehrzahl der Deutschen versteht Amerika nicht wirklich. Im Vergleich zu Deutschland kann sich in den USA jeder geborene Amerikaner zur Wahl stellen, die Finanzierung des Wahlkampfes muss er aber ohne jede staatliche Unterstützung selbst bewerkstelligen. Eine vorgelagerte langjährige Parteikarriere wie in Deutschland ist hier nicht unbedingt nötig. Dieses System fördert Leute wie Trump.

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Zur Person

  • Martin Richenhagen

    Martin Richenhagen (geboren 1952 in Köln) ist ein deutsch-amerikanischer Manager und seit 2004 Chef der AGCO Corporation, dem weltweit drittgrößten Landmaschinenhersteller. Seine internationale Karriere begann er 1985 bei der Hille & Müller Gruppe in Düsseldorf, bevor er 1995 zum Aufzug- und Rolltreppenhersteller Schindler wechselte. Von 1998 bis 2002 arbeitete er als Geschäftsführer der Claas KGaA mbH, und 2003 bis 2004 als Vorstand der Forbo International SA in der Schweiz.

Wer wäre denn die bessere Alternative: Clinton oder Trump?
Ich halte beide Kandidaten für vollkommen ungeeignet. Schon allein das Alter spricht gegen sie. Clinton wäre 69, Trump sogar 70 Jahre alt, wenn sie das Präsidentenamt übernehmen würden. Für einen Top-Job in der Wirtschaft würde man keinen 70-Jährigen mehr rekrutieren. Außerdem wollen beide Kandidaten die nationale Wirtschaft gegenüber Billigimporten abschotten. Beide sind gegen Freihandel. Das ist eine Katastrophe.

Trump polarisiert. Selbst Republikaner wenden sich von dem konservativen Präsidentschaftskandidaten ab. Inwieweit würde Trump Amerika verändern?
In der Geschichte hat es immer wieder schwache Präsidenten gegeben. Amerika würde auch Donald Trump überleben und verkraften. Ein US-Präsident ist nicht allmächtig. Er kann seine Wahlversprechen nur dann umsetzen, wenn er die Mehrheiten im Kongress und im Senat hinter sich hat. Das ist nicht absehbar. Eine solche politische Patt-Situation würde den Unternehmen sogar nutzen. Der Wirtschaft geht es am besten, wenn die Politik lieber nichts statt das Falsche macht.

Welche Wahlversprechen der beiden Kandidaten sind Ihnen denn nicht geheuer?
Beide Kandidaten machen Milliardenversprechungen, die nicht finanziert werden können. Trump will die Steuern senken, Clinton die Reichen höher besteuern. In beiden Fällen würden die Einnahmen nicht ausreichen, um die angekündigten Staatsausgaben zu finanzieren. Das ist sehr populistisch.

Das heißt, Sie halten auch nichts von Hillary Clinton?
Frau Clinton ist eine erfahrene Politikerin. Es ist an der Zeit, dass Amerika eine Frau in das Spitzenamt wählt. Frau Clinton ist aber besonders bei Frauen nicht sehr beliebt. Sie hat das Problem, einem ‚Clan‘ anzugehören und gilt bei vielen Bürgern als unglaubwürdige Politikerin, die es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Das Programm halte ich inhaltlich für wenig präzise, kaum nachhaltig und Steuererhöhungen bei den bereits extrem hohen Belastungen hier in den USA für völlig unangebracht.

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Trump will die Unternehmenssteuern von 35 auf 15 Prozent senken. Wäre das in Ihrem Sinne?
In den Achtzigerjahren waren die USA mal Niedrigsteuerparadies. Inzwischen sind die Unternehmenssteuern mit über 50 Prozent höher als in Deutschland. Die USA haben eine sehr altmodische Steuerpolitik. Gewinne im Ausland müssen hier zusätzlich versteuert werden. Das trifft uns als Landwirtschaftskonzern, der 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland macht, besonders. Wir müssen Steuern zahlen statt zu investieren oder Dividenden zu zahlen. Steuererleichterungen sind also dringend erforderlich.  Bevor ein Präsident aber darüber nachdenken kann, muss er die strukturellen Probleme des Landes lösen. Die Administration ist völlig aufgebläht. Unter Obama sind Tausende Jobs im Öffentlichen Dienst entstanden. Der Wasserkopf verschlingt zu viel Geld.

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