Patt-Situation bei US-Wahl: Wie Evan McMullin Clinton und Trump ausbooten könnte

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Evan McMullin

von Christian Schlesiger

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Das gilt auch für die Präsidentschaftswahl in den USA. Evan McMullin aus Utah könnte tatsächlich statt Clinton und Trump Präsident der Vereinigten Staaten werden.

Evan McMullin hat eine Mission. Der 40-Jährige ist unabhängiger Kandidat im Präsidentschaftswahlkampf der USA. Und er will 45. Präsident der Vereinigten Staaten werden.

Theoretisch ist das sogar machbar: bei einer Patt-Situation zwischen Hillary Clinton und Donald Trump und einem historischen Sieg von McMullin im US-Bundesstaat Utah. Beide Szenarien bewegen sich im Rahmen des Möglichen.

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In seiner Heimat Utah liegt der Mormone und Ex-Republikaner in Umfragen nämlich nur knapp hinter Donald Trump. Gewänne McMullin die Wahl in dem mormonischen Agrar-Staat, würde er sechs Wahlmänner-Stimmen auf sich vereinen. Dies könnte zu einer Patt-Situation zwischen Trump und Hillary Clinton führen. Keiner von beiden würde die erforderlichen 270 Wahlmänner-Stimmen auf sich vereinen, die nötig sind, um zum Präsidenten der USA gewählt zu werden. Dann könnte McMullins Stunde schlagen.

Denn in einer Patt-Situation bestimmen die Wahlstatuen, „dass das Repräsentantenhaus aus den drei Kandidaten mit den meisten Wahlmännerstimmen den Präsidenten wählt.“ Jeder Vertreter der zweiten Kammer des Kongresses bekommt eine Stimme. Da aller Voraussicht nach die Republikaner die Mehrheit der Sitze im House of Representatives stellen werden, könnte die Wahl auf Trump hinaus laufen.

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Oder eben McMullin. Denn Trump ist innerhalb seiner Partei äußerst unbeliebt. Und Ex-CIA-Mitarbeiter McMullin bezeichnet sich als Konservativer und hat selbst mal für die Republikanische Partei gearbeitet. Er dürfte bei zahlreichen Republikanern Sympathien haben. Nicht zuletzt könnten auch Demokraten auf den unabhängigen Kandidaten umschwenken, allein um Trump als Präsidenten zu verhindern.

Die Wahrscheinlichkeit für dieses Außenseiter-Szenario liegt laut der Politikseite Fivethirtyeight zwar nur bei 1,2 Prozent. Allerdings hat die Seite vor einem Jahr die Wahrscheinlichkeit, dass Trump Präsidentschaftskandidat wird, auch nur bei zwei Prozent gesehen.

Sollte sich das Repräsentantenhaus bei einer Patt-Situation nicht bis zum 20. Januar 2017 mehrheitlich auf einen Präsidenten einigen, wäre der Senat indirekt am Zug. Denn die erste Kammer des Kongresses müsste zunächst zwischen den „running mates“ der zwei Präsidentschaftskandidaten mit den meisten Wahlmännerstimmen, den Vize-Präsidenten wählen.

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Derzeit ist unklar, ob die Republikaner oder die Demokraten die Mehrheit der Sitze im Senat erobern werden. Eine Republikaner-Mehrheit, die laut aktuellen Umfragen wahrscheinlicher ist, würde sich für Trumps-Vize Mike Pence entscheiden, die Demokraten für Clintons Vize Tim Kaine. Der gewählte Vize-Präsident wäre so lange Präsident der USA, bis sich das Repräsentantenhaus mehrheitlich auf einen Präsidenten einigt.

Die Patt-Situation ist ein in den USA derzeit ein häufig diskutiertes Szenario. Bis vor einer Woche sah es nach einem klaren Sieg für Hillary Clinton aus. Doch dann kündigte das FBI die Wiederaufnahme der Untersuchung wegen neu entdeckter E-Mails auf, die Clinton als damalige Außenministerin über ihren privaten Server verschickte. Es ging um den Verdacht, Clinton könne geheime Informationen über einen unsicheren Server verschickt haben, was bei grober Fahrlässigkeit strafbar wäre. Kurz vor der Wahl hat das FBI Clinton nun zwar entlastet. Doch der Imageschaden ist da.

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Trump hat aufgeholte. Jüngste Umfragen sehen Clinton zwar weiterhin vorne, aber mit nur wenigen Prozentpunkten. Außerdem spricht die Dynamik der letzten Umfragen, in denen Trump Boden gut machen konnte, eindeutig für den Republikaner.

Entscheidend wird sein, ob Trump die Swing States in letzter Sekunde erobern kann. Deshalb konzentrieren sich die letzten Wahlkampfauftritte des Republikaners auf die Staaten Florida, Pennsylvania, Ohio und New Hampshire. Ohne einen Sieg in Florida kann Trump kaum gewinnen. Außerdem braucht er Siege in den nord-östlichen Staaten, in denen vor allem weiße Arbeiter leben. In Ohio liegt Trump leicht vor, in Pennsylvania liegt er knapp hinter Clinton.

Bereits jetzt haben mehr als 30 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgegeben. In den „early voting“-Umfragen zeichnet sich eine überraschend hohe Beteiligung der Latino-Wähler ab. Dies könnte für einen Vorteil der Demokratin sprechen. Denn Trump hatte sich im Wahlkampf wiederholt abfällig über Latein-Amerikaner ausgesprochen. Der Vorwurf, Mexikaner seien Vergewaltiger und Kriminelle, nehmen ihm auch US-Amerikaner mit Wurzeln in Kuba, Puerto Rico und anderen lateinamerikanischen Staaten übel.

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