Silicon Valley: Amazon: schnell viel Kreide fressen

Silicon Valley: IT-Riesen fürchten Donald Trumps Rache

Amazon: schnell viel Kreide fressen

Noch vor Kurzem scherzte Amazon-Chef Jeff Bezos, Trump mit seinem Weltraum-Start-up Blue Origin ins All befördern zu wollen. Der revanchierte sich mit der Drohung, Amazon aufzuspalten. Bezos ist auch Eigner und Verleger der „Washington Post“, die wie keine andere US-Zeitung im Wahlkampf an Trump kein gutes Haar ließ. Doch, wie viele andere IT-Chefs, beeilte sich Bezos, nach der Wahl die Wogen zu glätten. Er gratulierte Trump artig zur Wahl – wohl wissend, dass er unter besonderer Beobachtung steht. Trump macht Bezos dafür verantwortlich, dass in den USA immer mehr Shoppingmalls und kleinere Geschäfte schließen müssen, weil sie nicht mit Amazons Effizienzmaschine mithalten können.

Die Marke Donald Trump

  • Geschäftsmann

    Als Baulöwe, Casinobetreiber, Golfclubbesitzer und Ausrichter von Schönheitswettbewerben hat der New Yorker ein Vermögen von zehn Milliarden Dollar angehäuft – nach eigenen Angaben.

  • TV-Star

    Trumps Satz „You’re fired“, mit dem er in der Show „The Apprentice“ ehrgeizige Jungunternehmer feuerte, wurde zum geflügelten Wort.

  • Politiker

    Trump spendete auch an Demokraten wie die Clintons, tritt nun aber für die Republikaner an.

Dabei könnte sogar Amazon von Trumps protektionistischer Politik in Teilen profitieren. Der hat klargemacht, dass er nicht tolerieren wird, wenn US-Unternehmen der Zugang zu Auslandsmärkten verwehrt wird. Dass Amazon 22 Jahre nach seiner Gründung immer noch zwei Drittel seines Umsatzes in den USA erzielt, liegt auch an Barrieren bei der internationalen Expansion. In China förderte die Regierung den Lokalmatador Alibaba, Amazon hat dort trotz enormer Anstrengungen nur einen Marktanteil von drei Prozent im Onlinehandel. In Indien sperrte sich die Regierung lange gegen ausländische Internethändler, um heimische Unternehmen zu schützen. Erst nachdem die US-Regierung subtil Druck ausübte, durfte Amazon 2013 auf dem indischen Subkontinent tätig werden.

Die eigentliche Ikone des Valley ist derzeit Elon Musk. Dessen Firmenimperium um E-Autobauer Tesla und Solardachlieferant SolarCity scheint besonders verletzlich durch Trumps Attacken: Schließlich präsentierte der sich zum Entsetzen der Tesla-Manager und Aktionäre als beinharter Klimawandel-Leugner. Subventionen in Solarkraft und E-Autos drohte er ebenso abzuschaffen wie die schon 1970 von Richard Nixon eingeführte und unter Obama verstärkte Umweltbehörde EPA. Folgerichtig stürzte die Tesla-Aktie nach der Wahl ab. „Aber Tesla ist auch der einzige Silicon-Valley-Gigant, der sein Produkt fast ausschließlich in den USA herstellt“, sagt Fondsmanager Dreide.

Und: Tesla gilt in den USA als Reinkarnation der totgesagten US-Autoindustrie. Selbst im fernen Detroit und in Wisconsin, wo das Herz der alten US-Autoindustrie noch immer schlägt und wo Trump seine Siege einfuhr, schauen Ingenieure und Arbeiter mit Stolz auf Tesla. Tesla nimmt den restlichen USA außerdem weder Jobs noch Steuereinnahmen weg – ein riesiger Unterschied zu Apple, Google, Amazon und Facebook.

Anzeige

Die Börse, vielleicht der einzige politisch neutrale Indikator im derzeit ideologisch aufgebauschten Rätselraten darum, was Trump wirklich will, wettet auch im Falle Teslas nicht auf Untergang: Die Aktie steht nur wenig unter dem Niveau vom 8. November, als Hillary Clinton in den Umfragen führte und alle Welt von einem schnellen Ende der Episode Donald Trump ausging.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%