US-Vorwahlen New Hampshire: Donald Trump gewinnt und schockt seine eigene Partei

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US-Vorwahlen New Hampshire: Donald Trump gewinnt und schockt seine eigene Partei

, aktualisiert 10. Februar 2016, 07:22 Uhr
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Auch bekannt unter dem Spitznamen "The Donald". Der Gewinner der US-Vorwahlen der Republikaner in New Hampshire ist in seiner eigenen Partei sehr umstritten.

von Tim Rahmann

Überraschend deutlich hat Donald Trump die Vorwahlen der Republikaner in New Hampshire gewonnen. Seine eigene Partei sieht das kritisch – zumal sich kein Trump-Gegenspieler herauskristallisiert.

Donald Trump ist zurück. Der Immobilientycoon aus New York City hat die Vorwahlen der Republikaner in New Hampshire überraschend deutlich gewonnen. 35 Prozent der konservativen Wähler in dem kleinen Staat im Nordosten der USA votierten für Trump; John Kasich erreichte mit 16 Prozent der Stimmen Platz zwei. Nach dem Rückschlag von Iowa ist Trump mehr denn je zurück im Rennen – und ein ernstzunehmender Kandidat für die Präsidentschaftswahlen. 

„Die Leute haben es satt, dass wir nicht mehr gewinnen. Diese Zeit ist vorbei“, rief ein ekstatischer Trump seinen Wählern am Abend zu. „Wir werden wieder gewinnen“, triumphierte Trump. Und man fragte sich, ob der Milliardär von den Vereinigten Staaten oder sich selbst spricht. „Wir werden so oft gewinnen, ihr werdet begeistert sein“, legte er nach. „Wir gehen jetzt nach South Carolina (dort finden am 20. Februar die nächsten Vorwahlen statt, Anm. d. Red.) und werden auch dort gewinnen.“ 

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Bei den Vorwahlen der Republikaner in New Hampshire hat Trump am Dienstag Abend mit deutlicher Mehrheit gewonnen. Quelle: REUTERS

So groß die Freude bei Trump, so groß dürfte die Ernüchterung innerhalb der republikanischen Partei sein. In der US-Hauptstadt Washington, D.C., gibt es kaum Trump-Freunde. Offen wollen sich führende Politiker, Senatoren und Kongressabgeordnete, (noch) nicht gegen den Milliardär aussprechen. In Hintergrundgesprächen in der vergangenen Wochen machten sie aber deutlich, was sie von Trump halten: Nichts. Weder trauen führende Republikaner Trump zu, die verunsicherte republikanische Partei zu vereinen – noch glaubt man ernsthaft, dass die Konservativen bei der Hauptwahl am 8. November gegen die Demokraten mit Trump als Kandidaten eine realistische Siegchance haben. 

Noch in der vergangenen Woche ruhten die Hoffnungen des Establishments in Washington, D.C., auf Marco Rubio, dem jungen Senator aus Florida. „Rubio ist konservativ genug, um die Stimmen am rechten Rand einzusammeln – aber moderat genug, um die Mitte nicht zu verschrecken“, erklärte ein US-Senator im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Seine Hoffnung, die von anderen führenden Republikanern geteilt wurde: Rubio, der bei der ersten Vorwahl in Iowa einen überzeugenden dritten Platz erreicht hatte, könne mit einem guten Ergebnis in New Hampshire die Vernünftigen hinter sich scharen. Einzig: Das gute Ergebnis blieb aus. 

Rubio erreichte mit elf Prozent nur Rang fünf, landete neben Trump und Kasich auch noch hinter Ted Cruz und Jeb Bush. Für die republikanische Partei ist das Ergebnis eine mittelschwere Katastrophe. Denn: Mit Kasich, Bush und Rubio marschieren gleich drei gemäßigte Kandidaten im Gleichschritt. In absehbarer Zeit dürfte keiner der drei Männer zurückstecken; die Moderaten werden sich gegenseitig die Stimmen wegnehmen – und damit Trump stärken. 

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Der ist – nicht nur beim Establishments – umstritten, sondern auch bei den republikanischen Wählern. Nachfragen in New Hampshire zeigten: 48 Prozent der konservativen Anhänger würden sich freuen, wenn Trump tatsächlich Kandidat der Republikaner wird und im November um den Einzug ins Weiße Haus kämpft. Aber: 49 Prozent der Anhänger seiner eigenen Partei würden es schlecht finden, sollte sich Trump durchsetzen.

Wer der Gegner der Republikaner im Spätherbst wird? Das ist nach New Hampshire unsicherer denn je. Bei den zeitgleich abgehaltenen Vorwahlen der Demokraten setzte sich Bernie Sanders deutlich gegen Hillary Clinton durch. Der Senator aus Vermont lag am Ende über 20 Prozentpunkte (60 zu 39 Prozent) vor der ehemaligen US-Außenministerin und sieht seinen Sieg als „Beginn einer Revolution“.

Eine Revolution droht nun auch der republikanischen Partei. Anders als bei den Demokraten ist der Begriff bei den Konservativen aber negativ belegt.

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