US-Wahl: Computerexperten sehen Hinweise auf Manipulation

US-Wahl: Computerexperten sehen Hinweise auf Manipulation

, aktualisiert 24. November 2016, 05:53 Uhr
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Aktivisten wollen, dass Hillary Clinton eine Neuauszählung der Stimmen beantragt.

In drei US-Bundesstaaten hat Donald Trump nur sehr knapp gewonnen. Aktivisten haben in den Ergebnissen auffällige Abweichungen gefunden. Sie wollen nun Hillary Clinton dazu bewegen, eine Neuauszählung zu beantragen.

Eine Gruppe von Anwälten und Computerexperten befürchtet eine mögliche Manipulation von US-Wahlergebnissen und fordert daher eine Neuauszählung der Stimmen in drei Staaten. Die unterlegene Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton könnte in einigen Bezirken mit elektronischer Stimmabgabe weniger Stimmen bekommen haben als erwartet, berichtete das „New York Magazine.“ Es berief sich auf eine Gruppe um den Wahlrechtsanwalt John Bonifaz und dem IT-Fachmann J. Alex Haldermann.

Die drängten das Umfeld von Clinton, eine Neuauszählung der Stimmen in den umkämpften Staaten Wisconsin, Michigan und Pennsylvania einzufordern. Bis Mittwochabend (Ortszeit) gab es von ihrem Team jedoch keine Reaktion. Auch das Lager des designierten Präsidenten Donald Trump äußerte sich zunächst nicht.

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Gleichwohl stellte Halderman klar, dass es keine Beweise für einen Hackerangriff oder eine Manipulation elektronischer Wahlmaschinen gebe. Doch sei eine Überprüfung von Stimmzetteln und Technik nötig, um diese Möglichkeit auszuschließen, schrieb er am Mittwoch in einem Blogeintrag.

Wahlsieger Trump gewann Wisconsin und Pennsylvania mit hauchdünnem Vorsprung. Der Republikaner führt auch knapp in Michigan, wo die Stimmenauszählung noch läuft. Alle drei Staaten waren bei vorangegangenen Präsidentschaftswahlen zuverlässig an Demokraten gefallen.

Darum hat Trump gewonnen

  • Frauen

    Clinton schnitt trotz Trumps frauenfeindlicher Äußerungen in der Wählergruppe deutlich schwächer ab als im Vorfeld erwartet. Zwar erhielt sie von Frauen zwischen 18 und 34 Jahren deutlich mehr Unterstützung als Trump, insgesamt aber betrug ihr Vorsprung bei Frauen mit 49 Prozent nur zwei Prozentpunkte. Zum Vergleich: Der scheidende Präsident Barack Obama schnitt 2012 bei Frauen sieben Prozentpunkte besser ab als sein damaliger Herausforderer.

  • Minderheiten

    Clinton kam Umfragen zufolge deutlich besser bei Amerikanern mit spanischen Wurzeln, Afroamerikanern, und Amerikanern mit asiatischen Wurzeln an. Allerdings erhielt sie nicht so viel Rückhalt wie Obama vor vier Jahren, der seine Wiederwahl besonders den Stimmen der Minderheiten verdankte.

  • Bildung

    Trump punktete besonders bei Wählern ohne College-Ausbildung. Insgesamt betrug sein Vorsprung auf Clinton in dieser Gruppe zwölf Prozentpunkte. Bei weißen Männern ohne höheren Bildungsabschluss schnitt er sogar um 31 Prozentpunkte besser ab, bei weißen Frauen ohne Abschluss waren es 27 Prozentpunkte.

  • Weiße Evangelikale

    Streng gläubige weiße Amerikaner haben Trump die Treue gehalten - trotz der sexuellen Missbrauchsvorwürfe, die gegen den Milliardär im Wahlkampf erhoben wurden. Etwa 76 Prozent der Evangelikalen gaben an, für Trump gestimmt zu haben.

  • Stadt-/Landbevölkerung

    Clinton tat sich in Ballungsräumen schwer, obwohl dort in der Regel viele Anhänger der Demokraten leben. Ihr Vorsprung auf Trump betrug dort gerade einmal sechs Prozentpunkte. In ländlichen Regionen schnitt Trump dagegen um 27 Prozentpunkte besser ab.

Ziel einer möglichen Cyberattacke wären vermutlich elektronische Wahlmaschinen, die - ob mit dem Internet verbunden oder nicht - mit Schadsoftware infiziert werden und folglich ein verzerrtes Gesamtbild der Stimmen wiedergeben. Allerdings drucken vieler dieser Maschinen das Ergebnis auch in Papierform aus, was eine Vergleichung möglich macht.

Pennsylvania gilt als ein Staat, der für mögliche Hackerangriffe am anfälligsten wäre, weil 96 Prozent der Wahlmaschinen dort keine Papierspur haben. Wisconsin gilt als weniger gefährdet, da der Staat in den meisten Wahlbezirken elektronische Maschinen mit Papierspur einsetzt. Michigan gilt als der sicherste der drei Staaten, da dort Stimmzettel genutzt werden.

Neuauszählungen von Stimmen sind oft kostspielige und langwierige Unterfangen. Dazu dürfte es wohl nur kommen, wenn das Clinton-Lager darauf dringt. Nach dem erbitterten Wahlkampf dürfte ein solcher Schritt die politischen Gräben aber noch vertiefen.

In wenigen Tagen läuft in den genannten Staaten die Frist für einen Antrag auf Neuauszählung ab, in Wisconsin schon am Freitag. Der Staat kündigte indes eine Überprüfung der Stimmabgaben an. Die Kandidatin der Grünen, Jill Stein, kündigte zudem an, Geld für Neuauszählungen sammeln zu wollen.

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