US-Wahlkampf: Trump ist eigentlich kaum noch zu halten

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US-Wahlkampf: Trump ist eigentlich kaum noch zu halten

von Christian Schlesiger

Kurz vor der TV-Debatte am Sonntag erschüttert ein neues Video von 2005 Amerika. Es zeigt, wie Trump Frauen als sexuelle Beute herabwürdigt. Parteifreunde fordern seinen Rücktritt.

Normalerweise spricht Donald Trump frei, ohne Teleprompter. Doch in diesem Fall hält sich der republikanische Präsidentschaftskandidat exakt an die fein abgestimmte Wortwahl seines Redemanuskripts. "Ich habe ein paar dumme Sachen gesagt", sagte Trump per Videobotschaft am Freitagabend, "aber es gibt einen großen Unterschied zwischen Worten und Taten anderer". Bill Clinton habe andere Frauen im Grunde missbraucht und Hillary habe seine Opfer erniedrigt und schikaniert.

Mal wieder sucht Trump im Angriff seine Verteidigung. Doch dieses Mal dürfte es ihm schwer fallen. Man spürt seine Nervosität. Trump spricht schneller als sonst. Als wolle er die unangenehme Aufgabe möglichst zügig über die Bühne bringen und die Botschaft schnell in die Öffentlichkeit tragen.

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Ein Video von 2005, das die „Washington Post“ am Freitagabend veröffentlicht hatte, zeigt einen Bus, in dem sich Trump mit dem Moderator Billy Bush unterhält. Die beiden sind im Rahmen der Unterhaltungsshow „Access Hollywood“ unterwegs. Die Mikrofone sind an. Trump erzählt, wie er versucht habe, eine verheiratete Frau „zu vögeln“. Und davon, wie er sich von schönen Frauen wie ein Magnet angezogen fühle und er sie „automatisch küssen“ müsse. Und wie man sie alle haben könne, wenn man „ein Star“ sei.

Die Wirtschaftsberater von Donald Trump

  • John Paulson

    Der Hedgefondsmanager wettete 2007 gegen den überhitzten Immobilienmarkt und machte dadurch Milliarden Dollar Gewinn für sich und seine Investoren. Jüngst waren seine Einschätzungen zu Aktienentwicklungen und Konjunktur jedoch weniger akkurat. In den vergangenen fünf Jahren büßten seine Investments massiv an Wert ein.

    Quelle: Reuters

  • Stephen Feinberg

    Der Investmentmanager ist Chef der von ihm 1992 mitbegründeten Beteiligungsgesellschaft Cerberus Capital Management. Unter seiner Führung war das Unternehmen auch größter Anteilseigner von Chrysler, bis der Autobauer 2009 mit staatlicher Hilfe saniert wurde.

  • David Malpass

    David Malpass war Vize-Staatssekretär im Finanzministerium unter Präsident Ronald Reagan und Vize-Staatssekretär im Außenministerium unter Präsident George Bush senior sowie Chefvolkswirt der Investmentbank Bear Stearns. Derzeit leitet er die Investmentberatungsfirma Encima Global. Er ist ein scharfer Kritiker der Geldpolitik der US-Notenbank, fordert mehr Investitionen in die Infrastruktur und Steuersenkungen.

  • Peter Navarro

    Peter Navarro ist der einzige Vertreter auf Trumps Beraterliste, der in Wirtschaftswissenschaften promovierte. Derzeit lehrt er als Wirtschaftsprofessor an der University of California in Irvine. Drei seiner neun Bücher befassen sich kritisch mit Chinas Rolle in der Welt. Er fordert einen Importzoll in Höhe von 45 Prozent auf chinesische Waren. Die USA sollten seiner Meinung nach eine strengere Haltung zu Diebstahl geistigen Eigentums und in Handelsfragen einnehmen.

  • Howard Lorber

    Howard Lorber ist Chef der Vector Group, die Zigaretten herstellt und im Immobiliengeschäft aktiv ist. Laut Trumps Wahlkampfstab ist Lorber einer der besten Freunde Trumps.

  • Steven Munchin

    Der Investmentmanager konzentriert sich auf Finanzierungsvorhaben in der Unterhaltungsbranche. Der Ex-Goldman-Sachs-Partner ist Chef der Beteiligungsgesellschaft Dune Capital Management. Er hat in der Vergangenheit häufig Geld an die Demokraten gespendet, einschließlich deren Kandidatin Hillary Clinton. Mit Trump ist er nach eigenen Angaben seit mehr als 15 Jahren privat und beruflich verbunden.

  • Dan Dimicco

    Dan Dimicco ist Ex-Chef der Nucor Corp, einem der größten US-Stahlproduzenten. Er ist ein scharfer China-Kritiker und tritt ein für neue Handelsregeln zugunsten der US-Industrie.

  • Stephen Moore

    Stephen Moore ist einer der führenden konservativen US-Wirtschaftsexperten, der für das "Wall Street Journal" arbeitete und derzeit der Denkfabrik Heritage Foundation angehört. Er gründete die Anti-Steuern-Lobbygruppe Club of Growth.

  • Tom Barrack

    Der Immobilienfinancier und Hotelentwickler ist ein langjähriger Freund Trumps. Er ist Gründer und Chef der Beteiligungsgesellschaft Colony Capital.

Der Wahlkampf um das Präsidentenamt hat einen erneuten Tiefpunkt erreicht. Trumps Sexismus könnte ihm sogar den Sieg kosten. Denn immer mehr Republikaner gehen auf Distanz zu ihm. Der Sprecher des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten, Paul Ryan, lud Trump von einer Wahlkampfveranstaltung in Wisconsin aus. Neben der Präsidentschaftswahl finden in einigen Staaten auch Senats- und Kongresswahlen statt. Solche Aussagen machten ihn „krank“, so Ryan. Frauen dürften nicht zu Objekten abgewertet werden.

Noch weiter geht der ehemalige Senator von Utah, Mike Lee. Der Republikaner forderte Trump in einer selbst aufgezeichneten Videobotschaft auf, von der Bewerbung zurück zu treten. So eine Person dürfe nicht „Führer der freien Welt“ sein. „Sie, Herr Trump, sind der Wahnsinn.“ Und Lee appelliert an seine republikanischen Parteifreunde. „Lasst uns einen neuen Kandidaten suchen.“

John Huntsman, Ex-Gouverneur von Utah und früherer Botschafter der USA in China, zog seine Unterstützung für Trump, die er erst vor einer Woche verkündet hatte, wieder zurück. „In diesem Wahlkampf geht es ohnehin immer weiter abwärts“, sagte Huntsman. Huntsman forderte die Partei auf, den Vize-Kandidaten Mike Pence zum Kandidaten zu machen.

Die Marke Donald Trump

  • Geschäftsmann

    Als Baulöwe, Casinobetreiber, Golfclubbesitzer und Ausrichter von Schönheitswettbewerben hat der New Yorker ein Vermögen von zehn Milliarden Dollar angehäuft – nach eigenen Angaben.

  • TV-Star

    Trumps Satz „You’re fired“, mit dem er in der Show „The Apprentice“ ehrgeizige Jungunternehmer feuerte, wurde zum geflügelten Wort.

  • Politiker

    Trump spendete auch an Demokraten wie die Clintons, tritt nun aber für die Republikaner an.

Die republikanische Partei, die aus den Vorwahlen bis Mitte des Jahres ohnehin schon als zerrissene Organisation heraus gegangen ist, steht derzeit völlig orientierungslos da. Vor allem aber erhöht sich nun der Druck auf Trump. Am Sonntag findet in Washington die zweite TV-Debatte statt.

Für Trump steht viel auf dem Spiel. Bei der ersten Debatte sahen ihn die meisten Beobachter auf der Verliererseite. Dass sein Vize Pence bei der TV-Debatte der running mates am vergangenen Dienstag eine gute Figur machte, sorgte in den USA für heftige Reaktionen. Tenor: Pence wäre im Prinzip der bessere Kandidat.

Doch die Wähler bewerten die vulgären Aussagen von Trump möglicherweise ganz anders als die politische Elite. Zum einen konnte Trump in den Vorwahlen vor allem deshalb überzeugen, weil er sich gegen das verhasste Establishment gestellt hat. Die Sexismus-Vorwürfe könnten deshalb folgenlos verhallen. Wenn sich namhafte Republikaner wie Ryan und andere Senatoren und Gouverneure gegen Trump stellen, dann fühlen sie sich möglicherweise in ihrer Ablehnung des Establishments bestätigt.

Mehr noch dürfte eine Rolle spielen, dass die meisten Trump-Unterstützer den Republikaner wählen, um Hillary Clinton zu verhindern. 33 Prozent geben dies als primäres Ziel an, heißt es in einer Studie des renommierten Forschungsinstituts Pew Research Center. Einen so hohen Anteil der Protestwähler hat es in der Geschichte der USA noch nie gegeben.

Trump kommt sogar zugute, dass auch Clinton ihre neue Affäre hat. Die Whistleblower-Plattform Wikileaks veröffentlichte über die „Washington Post“ Inhalte von Clinton-Mails, die darauf hinweisen, dass sich Inhalte von bezahlten Reden Clintons etwa vor der Bankenlobby in ihrer Arbeit als damalige Außenministerin wiederfinden. Trump will dies, so kündigte er bereits an, am Sonntag in der TV-Debatte ausschlachten.

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