USA und Deutschland: Die Zukunft der transatlantischen Beziehungen

GastbeitragUSA und Deutschland: Die Zukunft der transatlantischen Beziehungen

Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika sind einander eng verbunden. Unsere gemeinsame Geschichte hat uns durch helle und dunkle Kapitel zu einer tiefen Freundschaft geführt.

Diese Freundschaft beruht auf unserem gemeinsamen Bekenntnis zu Freiheit und Würde jedes einzelnen Bürgers, wie sie nur eine lebendige Demokratie in einem Rechtsstaat garantieren kann.

Unsere Länder tragen gemeinsam Verantwortung, diese freiheitliche Lebensart zu schützen und zu stärken. Deshalb setzen wir uns gemeinsam dafür ein, dass internationales Recht und Normen weltweit respektiert werden – als Voraussetzung für Stabilität und Wohlstand. Unsere Länder haben sich in der Nordatlantischen Allianz zur kollektiven Verteidigung verpflichtet – weil wir die Sicherheit des transatlantischen Raums als Ganzem bewahren wollen. Wir stehen Seite an Seite im gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus – unter anderem in der internationalen Anti-IS-Koalition – weil wir unsere Bürger schützen müssen und weil wir unsere Art zu leben nicht den Feinden der Freiheit opfern werden.

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Die Achtung der Menschenwürde verpflichtet uns zur humanitären Hilfe und Versorgung vieler Millionen Flüchtlinge weltweit, denn wir wissen, dass sich die wahre Stärke unserer Werte am Umgang mit den Schwächsten und Verwundbarsten misst. Die Partnerschaft zwischen den USA und Deutschland hat außerdem eine zentrale Rolle dabei gespielt, das Pariser Klimaschutzabkommen zu erreichen. Es gibt der Welt den Rahmen für den gemeinsamen Schutz unseres Planeten.  

Demokratie, Recht und Freiheit sind die Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolgs. Deutsche wie Amerikaner sind überzeugt, dass diese Prinzipien die Basis für Kreativität und Innovation sind, die unsere wirtschaftliche Entwicklung antreiben. Und unsere beiden Länder bekennen sich dazu, dass die Soziale Marktwirtschaft auch die Verantwortung für soziale Sicherheit, Aufstiegschancen und qualitative Bildung für alle umfasst, ebenso wie für eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur. Die Wege, die wir dabei wählen - wie wir beispielsweise unsere Sozialversicherung oder unsere Universitäten organisieren - mögen voneinander abweichen. Wir stehen dabei jedoch auf einem stabilen Fundament gemeinsamer Werte.

Merkel-Obama-Papier Globalisierung. Gemeinsam. Gestalten.

Ein transatlantisches Bekenntnis zur offenen Marktwirtschaft: Exklusiv für die WirtschaftsWoche beschreiben Kanzlerin Merkel und US-Präsident Obama, dass die Welt sich nicht abschotten darf – auch nicht unter Trump.

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Auf dieser festen Grundlage gemeinsamer Werte entwickeln sich die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen derzeit blühend. Europa und die USA bilden gemeinsam mit etwa einem Drittel des Welthandelsvolumens und fast der Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts die größte Wirtschaftszone weltweit. Als fester Kern davon erweisen sich die tiefen deutsch-amerikanischen wirtschaftlichen Beziehungen. Seit 2015 sind die USA mit einem Handelsvolumen von 173 Milliarden Euro Deutschlands wichtigster Handelspartner und umgekehrt ist Deutschland ein Grundpfeiler der Wirtschaftsbeziehungen der USA mit der EU. Erweitert man den Blick auf die ganze Europäische Union, so zeigt sich die Bedeutung des transatlantischen Handels noch eindrucksvoller: Das Handelsvolumen belief sich 2015 insgesamt auf 620 Milliarden EUR und ist damit das weltweit größte zwischen zwei Partnern überhaupt. Hinter diesen eindrucksvollen Zahlen stehen Millionen von Unternehmen und Arbeitnehmern, die die gehandelten Produkte und Dienstleistungen herstellen und deren Arbeitsplätze davon abhängen.

Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen gehen natürlich weit über den Handel hinaus. Unsere Unternehmen investieren in großem Ausmaß im jeweils anderen Land, sie kooperieren miteinander in Projekten, Joint Ventures und bei Investitionen. Deutsche zieht es ins Silicon Valley, wo mehr als irgendwo sonst die Zukunft der digitalen Wirtschaft gedacht und praktiziert wird. Amerikaner begeistern sich für Deutschlands viele kleine und große Industrie- und Maschinenbauunternehmen von Weltklasse. Amerikaner und Deutsche können auch vom Arbeitsmarkt des anderen voneinander lernen. Amerikaner schauen sich sehr genau Deutschlands erfolgreiches System der beruflichen Bildung an; Deutsche erfahren, wie die immense Vielfalt der amerikanischen Nation eine Stärke der US-Unternehmen ausmacht.  

Grundlage solch enger wirtschaftlicher Beziehungen sind oftmals die persönlichen Kontakte unserer Bürgerinnen und Bürger. Sie reisen über den Atlantik als Schüler, Studenten, Wissenschaftler, Künstler, Arbeitnehmer und Touristen. Gegenseitiger Handel und Investitionen öffnen neue Möglichkeiten für Synergien, neue Produkte und technologische Innovationen. Die bilateralen Investitionen zwischen Deutschland und den USA betrugen Ende 2014 insgesamt 339 Milliarden US-Dollar, mit denen gut bezahlte Arbeitsplätze in beiden Ländern geschaffen wurden.

Um es ganz einfach zu sagen: Wir sind stärker, wenn wir zusammenarbeiten. Jetzt, da die Weltwirtschaft sich schneller denn je entwickelt und die globalen Herausforderungen so groß wie nie sind, ist diese Zusammenarbeit wichtiger als jemals zuvor. Deutschland und die USA setzen sich an führender Stelle für weltweite Zusammenarbeit ein, unter anderem im Rahmen unserer Arbeit im Kreis der G20, deren Präsidentschaft Deutschland im Dezember übernehmen wird. In diesem Format setzen wir uns gemeinsam dafür ein, das Weltwachstum zu stärken und inklusiver zu gestalten. Genauso aber widmen wir uns im Kreis der G20 drängenden globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Migration und der globalen Gesundheitspolitik sowie spezifischen Problemen wie dem Umgang mit Überkapazitäten in der Stahlindustrie und anderen Industriezweigen. Auch auf Zukunftsfeldern wie der weiteren Digitalisierung der Arbeitswelt sehen wir großes Potenzial, erfolgreich zusammenzuarbeiten.  

Aus der gemeinsamen Überzeugung, dass Handel und Investitionen Lebensstandards anheben, setzen wir uns für das wichtige Projekt der Gründung einer Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) ein. Es steht außer Frage, dass sowohl deutsche als auch amerikanische Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Verbraucher und Landwirte von TTIP profitieren würden. Vor drei Jahren haben die Verhandlungen begonnen und sind für ein derartig komplexes Projekt weit vorangeschritten. Ein Abkommen, das unsere Wirtschaften stärker miteinander verknüpft und das auf Regeln aufbaut, die gemeinsamen Werte entsprechen, würde uns über die nächsten Jahrzehnte helfen, zu wachsen und weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben.

Viele US-amerikanische und europäische Unternehmen und Arbeitnehmer profitieren schon heute von transatlantischem Handel und Investitionen. Globale Märkte und Produktionsketten sind immer mehr miteinander verflochten. Wir erleben, dass Entscheidungen in einem Land sehr greifbare Auswirkungen in anderen Ländern haben. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, brauchen wir Regeln, wie sie derzeit in TTIP verhandelt werden.

Wir stehen heute an einem Scheideweg: Die Zukunft ist schon eingetreten und eine Rückkehr in eine Welt vor der Globalisierung wird es nicht geben. Deutsche und Amerikaner müssen die Möglichkeit ergreifen, die Globalisierung nach unseren Werten und Vorstellungen zu gestalten. Wir sind unseren Unternehmen und unseren Bürgern – ja der gesamten Weltgemeinschaft – verpflichtet, unsere Zusammenarbeit zu verbreitern und zu vertiefen.

Hier können Sie den Text im englischen Original lesen:

USA and Germany The Future of Transatlantic Relations

Angela Merkel und Barack Obama betonen in ihrem Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen. Hier lesen Sie den Beitrag im englischen Original.

US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel betonen die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen.

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