
Eines muss man John McCain lassen: Für Wirbel hat sein Coup gesorgt. Vier Tage vor dem Nominierungsparteitag der Republikaner gab der 72-jährige Vietnamveteran am vergangenen Freitag bekannt, wer ihm künftig als Vizepräsident zur Seite stehen sollte. Groß war die Überraschung , als an seiner Seite eine attraktive, weithin unbekannte Frau auftauchte: Sarah Palin, die Gouverneurin des US-Bundesstaats Alaska, soll nach dem Willen McCains Amerikas Nummer zwei werden.
Doch knapp fünf Tage später ist der Zauber um Palin verflogen. Denn Palins 17-jährige Tochter Bristol sorgt in den US-Medien für Aufsehen: Sie ist schwanger – und unverheiratet, was in den Kreisen amerikanischer Konservativer für mehr als ein Naserümpfen sorgt.
Palin versichert zwar, dass ihre Tochter bald den Vater des Kindes heiraten wird. Wahlkampfmanager erinnern zwar daran, dass die Familie von Palin und speziell ihre minderjährige Tochter Recht auf Privatsphäre haben. Doch Palins Privatleben sorgt in diesem Fall trotzdem für Aufsehen. Denn die 44-jährige Palin ist erklärte Gegerin des vorehelichen Geschlechtsverkehrs und erst recht eines liberalen Abtreibungsrechts.
Palins Privatleben sorgt für Aufsehen
Zudem dürfte das nicht der einzige "dunkle" Punkt in Palins Biographie sein.
Laut Medienberichten hat Palin vor einiger Zeit Alaskas Beauftragten für öffentliche Sicherheit, Walt Monegan, gefeuert. Angeblich hatte sich Monegan geweigert, einen gewissen Mike Wooten ohne vorsätzlichen Grund zu entlassen.
Und hier bekommt Palins hübsch gestrickte Geschichte von der entschlossenen Kämpferin gegen Korruption (siehe Lebenslauf links) einige hässliche Flecken. Denn Wooten ist der Ex-Mann von Palins Schwester und befindet sich in einem bitteren Sorgerechts-Kampf mit dieser.
Palin verneint zwar, sich zugunsten ihrer jüngeren Schwester eingemischt zu haben. Eine Untersuchung ergab jedoch, dass ihre Mitarbeiterstab zwei Dutzend Anfragen über Wooten an das Amt für öffentliche Sicherheit gestellt haben.
Dabei hat die heiße Phase im US-Wahlkampf, in der Enthüllungen über die Kandidaten an der Tagesordnung stehen, gerade erst begonnen.
Dementsprechend einig sind sich US-Medien: Aus dem Coup des John McCain ist in Windeseile eine Last geworden. Denn offenbar hat John McCain seine Kandidatin nicht gründlich genug durchleuchtet. „Der eigentliche Streitpunkt dabei ist, was diese Hau-Ruck-Entscheidung über sein Urteilsvermögen sagt“, urteilt etwa der Journalist Tobin Harshaw im Meinungs-Blog „The Opinionator“ in der New York Times.
"Ungestüme und oberflächliche Entscheidung"
Die Art und Weise, wie John McCain seine Entscheidung für Palin fällte, lässt ihn nicht gerade präsidential erscheinen. Laut der Kolumnistin Margaret Carlson hat McCain Palin erstmals am 27. August zu sich gebeten – um sich Stunden später für sie zu entscheiden.
Die Entscheidung für seinen Vizepräsidenten sei die einzig wirklich präsidentiale Entscheidung, die ein Kandidat tätige, schreibt Carlson. John McCain präsentiere sich sonst als über politischem Kleinkram stehender Ehrenmann. Doch für jemanden, "der glaubt, dass seine Nummer zwei auch als Oberbefehlshaber am Tag zwei bereit sein muss, war das eine ungestüme, oberflächliche und reaktive Entscheidung“, urteilt Carlson.
Sogar das stramm konservative „National Journal“ äußerte sich in seiner Online-Ausgabe kritisch: Seit 1996, als die Republikaner den Parteitag der Demokraten mit Neuigkeiten über Bill Clintons sexuelle Eskapaden durcheinanderwirbelten, habe kein Parteitag “solche Schadensbegrenzung am Eröffnungstag benötigt“.













