
In anderen Ländern würde ein Amtsinhaber, dessen Zustimmungsrate ein Jahr vor dem nächsten Wahltermin auf weniger als 40 Prozent gefallen ist, wohl in Panik verfallen. Amerika aber ist anders. Ein einzigartiges Wahlsystem und die finanzielle Schlagkraft von Barack Obama bringen es mit sich, dass der Präsident von der Zunft der Politbeobachter noch nicht abgeschrieben wird – auch wenn Obama sich angesichts konstant schlechter Meinungsumfragen jüngst zum „Außenseiter“ ausgerufen hat.
Die USA kennen ein zweistufiges Auswahlverfahren, das zwar für einen spannenden und unterhaltsamen Präsidentschaftswahlkampf sorgt, aber auch viel Geld und Geduld erfordert. In einem ersten Schritt müssen die Parteien ihre Kandidaten bestimmen. Da Obama trotz einer murrenden Basis nicht mit einem ernsthaften demokratischen Herausforderer rechnen muss, richtet sich die Aufmerksamkeit der Medien derzeit fast exklusiv auf die Republikaner, die bereits mitten im Vorwahlkampf stecken.

Die Konkurrenten
Wer wird den Kampf um das Weiße Haus gegen den amtierenden US-Präsidenten Barack Obama aufnehmen? Die Republikaner suchen noch nach dem Kandidaten, der die Oppositionspartei in den Wahlkampf führen wird. Nach ihrem enttäuschenden sechsten Platz bei der ersten Vorwahl in Iowa hat Michele Bachman (oben rechts) bereits das Handtuch geworfen. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaates Utah, Jon Huntsman, (neben Bachman) zog sich nach einem enttäuschenden dritten Platz bei der Vorwahl in New Hampshire ebenso aus dem Rennen zurück wie der Gouverneur von Texas, Rick Perry (unten links). Vier Kandidaten hoffen noch auf den Sieg.
Bild: dapdHerman Cain
Der zeitweise zu den Favoriten gezählte Geschäftsmann Herman Cain stolperte über Skandale und Patzer und warf schließlich noch vor den ersten Vorwahlen in Iowa bereits im Dezember das Handtuch. Statt Obama herauszufordern, wolle er jetzt zum "Plan B" greifen, sagte Cain. Cain reagierte damit auf Berichte, wonach er etwa 13 Jahre lang eine außereheliche Affäre gehabt haben soll. Zudem hatten ihm vier Frauen sexuelle Belästigung vorgeworfen. Cain wurde Ende 2011 besonders mit seinem Plan bekannt, das Steuersystem drastisch zu vereinfachen.
Bild: REUTERSMichele Bachman
Als einzige Frau unter den Anwärtern auf die republikanische US-Präsidentschaftskandidatur zog sich Michelle Bachmann nach der Vorwahl in Iowa aus dem Rennen zurück. Die Favoritin der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung hatte bei der ersten Vorwahl Anfang Januar den sechsten - und damit letzten - Platz belegt. Eine Probeabstimmung in Iowa im August 2011 hatte die Kongressabgeordnete aus dem US-Staat Minnesota noch gewonnen. Für sie Grund genug die Segel zu streichen.
Bild: dapdJon Huntsman
Dem ehemaligen Gouverneurs von Utah werden derzeit eher geringe Chancen eingeräumt. In Iowa trat er bewusst nicht an. In den Augen seiner Parteikollegen ist der 51-Jährige mit einigen Makeln behaftet: Ihm wird Nähe zu demokratischen Positionen vorgeworfen und hat unter der Obama-Regierung als Botschafter in China gedient. Dazu ist der vermögende Republikaner Mormone und eckt damit bei den Evangelikalen in der Partei an. Als Präsident will Huntsman einen Rat von Spitzenmanagern um sich scharen, um mit deren Hilfe die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.
Bild: REUTERSNewt Gingrich
Noch im Rennen ist Newt Gingrich. Er war in den 90er-Jahren Sprecher des US-Repräsentantenhauses. Zu der Zeit lieferte sich der 68-Jährige aus Georgia eine zähe Schlacht mit Präsident Bill Clinton um die Sanierung des Staatshaushaltes und die Anhebung der Schuldengrenze. Seitdem ist Gingrich in Washington geachtet und gefürchtet als Strippenzieher, politischer Kommentator, Autor und Vordenker der Republikaner. Räumten Beobachter ihm vor der Vorwahlen in Iowa durchaus Chancen ein, sehen sie Gingrich nun wieder im hinteren Feld. Auch bei den Wahlen in New Hampshire konnte der Republikaner nicht wirklich überzeugen: Mit zehn Prozent reichte es nur für Platz vier.
Sein großes Manko: Affären und zwei Scheidungen. Seine Kampagne kam zuletzt ins Stocken als mehrere Berater im Streit um die Richtung von Bord gingen. Neben schlechten Umfragewerten und einem vorletzten Platz in Iowa leidet seine Kampagne auch unter finanziellen Problemen.
Bild: dapdRick Perry
Der texanische Gouverneur Rick Perry galt lange Zeit als der Kandidat mit dem meisten Potenzial. Bei der Iowa-Wahl kam er jedoch mit 10 Prozent der Wählerstimmen nur auf einen enttäuschenden vierten Platz. Dennoch wollte der ultrakonservative 61-Jährige weiter im Rennen bleiben - bis Donnerstag. Da entschied Perry, doch das Handtuch zu werfen. Er wolle damit Newt Gingrich stärken, erklärte er. Gingrich galt zuletzt als Haupt-Konkurrent von Favorit Mitt Romney.
Bild: dpaRick Santorum
Zunächst wurden dem 53-jährigen Santorum aus Pennsylvania kaum Chancen eingeräumt. Der sozial-konservativen Ex-Senator hatte seinen Heimatstaat 16 Jahre im Repräsentantenhaus und Senat vertreten, wurde 2006 abgewählt und war außerhalb von Pennsylvania weitestgehend unbekannt. Zum Jahreswechsel machte Santorum dann von sich reden, als er ankündigte als Präsident werde er die iranischen Atomanlagen bombardieren lassen, sofern sie nicht für internationale Inspektoren geöffnet oder abgebaut würden. Bei der Vorwahl in Iowa kämpfte er sich nun ins Rampenlicht: Mit 30.015 Stimmen landete er auf Platz zwei.
Bild: REUTERSRon Paul
Der 76-Jährige Frauenarzt vertritt seit mehr als 20 Jahren seinen Wahlbezirk in Texas im US-Repräsentantenhaus. Paul, der in den Jahren 1988 und 2008 bereits als Präsidentschaftskandidat gescheitert war, gehört zu den sogenannten Libertarians, die den Schwerpunkt auf die Rechte des Einzelnen legen. Sein Credo: Der Staat bedroht die Freiheiten der Bürger, daher solle die Macht des Staates konsequent beschränkt werden. Paul will alle US-Truppen rasch nach Hause holen, damit sollen allein im ersten Jahr eine Billion Dollar eingespart werden. Zunächst war sein Erfolg eher bescheiden, mittlerweile zählt er zu den Favoriten. In Iowa erkämpfte er sich den dritten Platz.
Bild: dapdMitt Romney
Der 64-jährige Romney gilt Umfragen zufolge landesweit als Favorit und zeigte in Iowa, dass er die Nase vorn hat: Mit 30.015 Stimmen machten ihn die Wähler in Iowa vorläufig zur Nummer eins. Allerdings lag er mit acht Stimmen Vorsprung nur knapp vor Konkurrent Rick Santorum. Romney hatte sich schon im Jahr 2008 um eine Nominierung als Kandidat bemüht - scheiterte jedoch, weil sich viele Republikaner an seinem mormonischen Glauben störten. Auch jetzt polarisiert er. Der ehemalige Geschäftsmann und Gouverneur von Massachusetts vertrat in der Vergangenheit sehr liberale Ansichten – beispielsweise zum Thema Abtreibung oder Homosexualität. Dass er im als konservativ geltenden Iowa die Wahl für sich entschieden hat, überrascht daher. Jetzt hofft Romney durch seinen Sieg Unentschlossene für sich zu gewinnen. Experten halten den langjährigen Manager einer Finanzfirma auch wegen seiner Wirtschaftskompetenz für den aussichtsreichsten der möglichen Gegner Obamas.
Die Konkurrenten
Wer wird den Kampf um das Weiße Haus gegen den amtierenden US-Präsidenten Barack Obama aufnehmen? Die Republikaner suchen noch nach dem Kandidaten, der die Oppositionspartei in den Wahlkampf führen wird. Nach ihrem enttäuschenden sechsten Platz bei der ersten Vorwahl in Iowa hat Michele Bachman (oben rechts) bereits das Handtuch geworfen. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaates Utah, Jon Huntsman, (neben Bachman) zog sich nach einem enttäuschenden dritten Platz bei der Vorwahl in New Hampshire ebenso aus dem Rennen zurück wie der Gouverneur von Texas, Rick Perry (unten links). Vier Kandidaten hoffen noch auf den Sieg.
Kandidaten brauchen Durchhaltevermögen
Politbeobachter prognostizieren ein hartes Ringen der zehn Kandidaten, in dem die beiden Parteiflügel heftig aufeinander prallen werden. Mit einer schnellen Entscheidung in den Vorwahlen, in denen die Parteitagsdelegierten bestimmt werden, sei deshalb nicht zu rechnen. Der letzte Urnengang ist auf den 26. Juni angesetzt. Dann geht es Schlag auf Schlag weiter, mit den Nominierungsparteitagen im Spätsommer und der heißen Phase des Wahlkampfes bis zum eigentlichen Urnengang am 6. November 2012. Obama hat es da einfacher, er kann sich bereits jetzt auf das Geldsammeln konzentrieren, und auf die Verfeinerung seines Wahlkampfskripts.
Erschwerend für die Republikaner kommt hinzu: Noch vor kurzem herrschte Unklarheit über den Wahlkalender. Schuld daran hatten vorwitzige Staaten wie Nevada im Westen und Florida im Süden, die eine Direktive des nationalen Parteivorstands ignoriert und ihre Vorwahlen auf den Januar angesetzt hatten. Dadurch fühlen sich die beiden Staaten angegriffen, die seit den Siebzigerjahren die Vorwahlsaison eröffnen: Iowa im Herzland der USA und New Hampshire im Nordosten.
Beide Staaten beanspruchen für sich das Vorrecht, im Feld der Präsidentschaftskandidaten die Spreu vom Weizen zu trennen – nicht wenige Politiker verlegen deshalb ihren Wohnsitz ins unwirtliche Des Moines (Iowa) oder ins frostige Manchester (New Hampshire), um den direkten Kontakt mit den Wählerinnen und Wählern zu pflegen. Darunter leidet die Bevölkerung in anderen Bundesstaaten, die einen Mitt Romney oder einen Herman Cain nur am Bildschirm zu Gesicht bekommt.
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