US-Wahlkampfstrategien: Eifrige Vorwahlen-Werber vs. bekennende Ignoranten

US-Wahlkampfstrategien: Eifrige Vorwahlen-Werber vs. bekennende Ignoranten

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Clintons Wahlkampf-Strategie: Bis zu den Stickern alles exakt für Vorwähler durchgeplant.

Einige setzten auf Wahlkampfreden, Schneeschaufeln und freie Sandwiches. Andere vertrauen auf ihre bereits etablierte Basis oder ignorieren die Vorwähler in Iowa und New Hampshire fast vollkommen. Die Strategien der Kandidaten für den Weg ins Weiße Haus sind grundverschieden.

Mangelnden Eifer kann man Hillary Clinton nicht vorwerfen: Die ehemalige First Lady und jetzige Senatorin des Bundesstaats New York hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um bei den Vorwählern in New Hampshire und Iowa zu punkten. Erklärtes Ziel von Clinton war es, neue Wähler zu den Vorwahlen zu treiben. Als Hauptzielgruppe identifizierten ihre Wahlkämpfer ältere Frauen ab 65 Jahren, die den Demokraten angehören, aber bisher noch nie an einer Vorwahl teilgenommen hatten.

Für diese Damen lief ein Rundum-Sorglos-Programm an: Hunderte grüne Schneeschaufeln ließ Senatorin Clinton in Iowa strategisch an ihre Wahlhelfer verteilen. Sie sollten am Vorwahlabend für ordentlich geräumte Wege vor den Häusern der umworbenen Damen sorgen. Clinton sponserte Sandwiches Mehrfache persönliche Besuche von Clintons Wahlhelfern gehörten ebenso zum Vorwahl-Zirkus wie eigens produzierte DVDs mit Erklärungen zum Vorwahl-Prozedere. Sogar Sandwiches für Treffen vor den eigentlichen Vorwahlen finanzierte Clinton. Ihr Kalkül dabei: Gelockt von Gratis-Brötchen sollten sich die neuen Wähler auch tatsächlich pünktlich in den Vorwahl-Lokalen einfinden. 

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Clintons schärfster Rivale, Senator Barack Obama aus Illinois, verließ sich wie Clinton auf intensive Recherche zur Identifizierung neuer Wähler. Seine Zielgruppe waren unabhängige Wähler unter fünfzig Jahren – und denen versprach er im Vorwahlkampf sogar, persönlich als Babysitter vorbeizuschauen. Entsprechend eindringlich klangen auch seine Appelle Anfang Januar: „Die Umfragen sehen gut aus“, meinte Obama. „Das einzige, was zählt, ist aber, ob die Leute wirklich zur Wählerversammlung auftauchen oder nicht“. Zumindest in Iowa fruchteten Obamas Bemühungen: Sein Wahlsieg im Agrarstaat wurde vor allem durch neue Vorwähler möglich.

Der dritte im Bunde der Demokraten, John Edwards, machte sich seine Erfahrungen aus dem letzten Präsidentschafts-Wahlkampf zunutze und setzte ganz auf seine bereits 2003 etablierte Organisation.

Rudolph Giuliani lässt Iowa links liegen Auf Seiten der Republikaner kämpften vor allem die beiden Ex-Gouverneure Mitt Romney aus Massachusetts und Mike Huckabee aus Arkansas um Platz eins bei den ersten Vorwahlen. Huckabee, der zunächst als wenig aussichtsreich galt, überraschte dabei mit Platz eins in Iowa. Doch ein paar Tage später machte Romney mit einem Vorwahl-Sieg in Wyoming wieder Boden wett. 

Einer der aussichtsreichsten republikanischen Kandidaten, New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani, fährt hingegen eine riskantere Wahlkampfstrategie. Er lässt die Vorwahlen in Iowa und New Hampshire links liegen und konzentriert sich stattdessen auf das bevölkerungsreiche Florida. Gewinnt er dort, hat er mehr Delegierte auf seiner Seite als der Gewinner in Iowa oder New Hampshire.

Doch Giuliani könnte sich damit auch gehörig verrechnen. Denn US-Medien widmen den Kandidaten der ersten beiden Vorwahlen besonders viel Aufmerksamkeit. Und ein mögliches schlechtes Abschneiden in Iowa und New Hampshire könnte Giuliani für längere Zeit aus dem Scheinwerferlicht verdrängen.

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