US-Wirtschaft: Amerikas Wirtschaft bricht weiter ein

US-Wirtschaft: Amerikas Wirtschaft bricht weiter ein

Die US-Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Krise. Daran werden auch die Zinssenkungen und das Rettungspaket für die Banken nichts ändern. Sogar unter US-Notenbankern mehren sich Stimmen, die öffentlich von einer Rezession sprechen. Das Staatsdefizit der USA schnellt wegen der Finanzkrise und dem Abschwung auf einen Rekordstand.

USA stehen vor längerem und deutlichen Abschwung

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US-Finanzminister Henry Paulson: Rettungspaket kommt für die Konjunktur zu spät

Stürzt die US-Wirtschaft im Zuge der Finanzkrise in die Rezession, oder kommt sie mit einem blauen Auge davon? Noch haben die Ökonomen des National Bureau of Economic Research (NBER), die in den USA für die offizielle Feststellung von Rezessionen zuständig sind, ihr Urteil nicht gesprochen. Doch die vier vom NBER für die Definition von Rezessionen herangezogenen Indikatoren – Industrieproduktion, Beschäftigung, reale Einkommen und Einzelhandelsumsätze – befinden sich seit mehreren Monaten auf Talfahrt. Daher dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Ökonomen offiziell die Rezession ausrufen.

Mit der jüngsten Verschärfung der Finanzkrise hat sich zudem die Hoffnung verflüchtigt, der Abschwung könne kurz und mild ausfallen. Der Internationale Währungsfonds geht in seinem neuen Ausblick für die Weltwirtschaft für 2009 nur noch von einem Mini-Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,1 Prozent (nach 1,6 Prozent in diesem Jahr) aus. Die Ökonomen der Bank Goldman Sachs sind noch pessimistischer. Sie prognostizieren für nächstes Jahr einen Rückgang des BIPs um 0,2 Prozent. Wichtige Frühindikatoren für die Konjunktur bestätigen ihre Skepsis. Im September ist der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie um mehr als sechs auf 43,5 Punkte eingebrochen.

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Liquiditätsspritzen kommen zu spät

Beschäftigung Amerika

Damit liegt er so niedrig wie im Krisenjahr 2001 und befindet sich klar im Rezessionsbereich. Besonders kräftig gingen die Teilkomponenten für die Produktion (von 52,1 auf 40,8 Zähler) und die Auftragseingänge (von 48,3 auf 38,8 Zähler) zurück. Der Subindex für die Beschäftigung rutschte von 49,7 auf 41,8 Punkte. Entsprechend düster fiel der Arbeitsmarktbericht für den Monat September aus. Die Zahl der Beschäftigten brach gegenüber August um 159 000 ein, so kräftig wie seit Mai 2003 nicht mehr. In allen wichtigen Wirtschaftsbereichen bauten die Unternehmen Arbeitsplätze ab.

Lediglich der Staat sowie der Gesundheits- und Bildungssektor stellten noch Mitarbeiter ein. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 6,1 Prozent, nachdem sie bereits von Juli auf August um 0,4 Punkte in die Höhe geschnellt war. Die Ökonomen von Goldman Sachs sagen für die nächsten Monate weitere kräftige Zuwächse der Arbeitslosigkeit voraus, Ende 2009 werde die Arbeitslosenquote bei 8,0 Prozent liegen.

Die milliardenschweren Liquiditätsspritzen der Notenbank für das Bankensystem, die Zinssenkung der Notenbank Fed sowie das Rettungspaket von US-Finanzminister Henry Paulson kommen zu spät, um das Abgleiten der US-Wirtschaft in die Rezession noch zu verhindern. Der anhaltende Rückgang der Häuserpreise, die steigende Arbeitslosigkeit und die Kreditklemme werden dem jahrelangen Konsumboom der Bürger ein jähes Ende bereiten. Die Goldman-Sachs-Experten rechnen damit, dass die Verbraucherausgaben bis Mitte nächsten Jahres kontinuierlich sinken werden.

Rohstoffpreise unter Druck

Weltmarkt Rohstoffe

Die amerikanischen Notenbanker versuchen verzweifelt, die gefährliche Kreditklemme im Land zu lockern, indem sie nun den Unternehmen direkt kurzfristige Schuldverschreibungen, sogenannte Commercial Paper, abkaufen und dafür Kredite zur Verfügung stellen. Dadurch umgehen sie das Bankensystem und steigen selbst in die Unternehmensfinanzierung ein. Allerdings übernimmt die Notenbank damit auch das Risiko, dass die Unternehmen ihre Kredite später nicht zurückzahlen können.

Die Rohstoffpreise geraten im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise immer stärker unter Druck. Das gilt für die Industriemetalle Aluminium, Zink und Kupfer ebenso wie für Energie. Vor allem der Ölpreis befindet sich auf Talfahrt. Seit seinem Höchststand von 146 Dollar je Fass Anfang Juli hat sich der Preis für Öl der Sorte Brent um 63 Dollar auf zuletzt rund 83 Dollar verringert. Ausschlaggebend dafür ist die schwächere globale Nachfrage nach dem schwarzen Gold. Außerdem sind viele spekulativ orientierte Investoren im Zuge der Finanzkrise gezwungen gewesen, ihre Positionen am Ölmarkt aufzulösen. Wegen des scharfen Preisrückgangs erwägt die Opec für Mitte November eine Sondersitzung, um über Kürzungen der Fördermenge zu beraten. Die Aussicht darauf dürfte den Ölpreis in den nächsten Wochen stützen.

Anders als die Preise für Energie und Industriemetalle befindet sich der Preis für Gold derzeit auf Kletterpartie. In der vergangenen Woche kostete eine Feinunze rund 900 Dollar. Analysten rechnen für die nächsten Monate mit einem Anstieg des Preises über die 1000-Dollar-Marke. Der Grund ist klar: Die Finanzkrise treibt immer mehr Anleger in den sicheren Hafen Gold. Rund um den Globus melden Münzanstalten einen Nachfrageboom und berichten von Lieferengpässen. Einige Münzen seien bereits ausverkauft.

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