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US-Wirtschaft: Hat es Barack Obama vermasselt?

von Angela Hennersdorf

Amerika streitet über die wirtschaftspolitische Bilanz von Präsident Barack Obama – eine Frage, die auch seine Wiederwahl mit entscheidet. Doch weder der amtierende Präsident noch sein Herausforderer Mitt Romney präsentieren im Wahlkampf ein Konzept, wie sich die drängendsten Probleme der amerikanischen Wirtschaft lösen lassen.

Die Schließung von Guantánamo 

Die USA zogen nach den Anschlägen vom 11. September in den „Krieg gegen den Terror“ – und verloren ihren moralischen Kompass. So wurde unter anderem der US-Navy-Stützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba um ein Internierungslager erweitert, indem in Spitzenzeiten mehr als 1000 Insassen festgehalten wurden. Ohne Gerichtsverfahren, ohne ihre Rechte als Kriegsgefangene. 

Laut FBI-Bericht wurden Häftlinge und deren Angehörige bedroht, mit Schlafentzug mürbe gemacht und mit Koran-Schändungen provoziert. Und: Waterboarding, eine Verhörmethode, bei der der Eindruck des Ertränkens erzeugt wird, sei regelmäßig angewendet worden, so das FBI. 

„Wir werden Guantánamo schließen“, versprach Barack Obama im Wahlkampf 2007/2008.

Bild: dapd

Jackie Munoz ist schlecht auf Barack Obama zu sprechen. "Wie viel Regierung wollen wir denn noch in diesem Land?", fragt die 30-jährige Managerin. "Was dieser Staat anpackt, funktioniert nicht – Post, Eisenbahn, öffentliche Schulen, Gesundheit – alles defizitär, pleite, schlecht gemanagt."

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Es ist der 3. Oktober. Die erste TV-Debatte zwischen US-Präsident Obama und seinem Herausforderer, dem Republikaner Mitt Romney, flimmert über die Fernsehbildschirme. Das Galapagos Art Space, ein Kulturzentrum im New Yorker Stadtteil Brooklyn, hat eine große Leinwand im Saal aufgehängt und die Nachbarschaft eingeladen. Der Laden ist voll, das hippe Viertel am East River ist eine Hochburg der Demokraten. Entsprechend ist die Reaktion auf Munoz’ Kritik an Obama. "Du willst doch nicht etwa, dass dieses Grinsegesicht Romney unser Land regiert und die Finanzlobby hier komplett das Sagen hat?", tönt ein junger Mann vom Nachbartisch herüber.

Von "Change" ist nichts zu spüren

Munoz lässt sich nicht beirren. Schon bei der Wahl 2008 habe sie, Managerin bei einem großen Konsumgüterkonzern, Obamas heilsbringenden Versprechungen von Neuanfang und Aufbruch, von einer Stärkung der Mittelschicht und davon, den Kapitalismus in Amerika neu erfinden zu wollen, nicht eine Sekunde geglaubt. "Und, hat der Mann irgendetwas in diesem Land verändert in den vier Jahren?"

Vorsicht Stufe! Der Wiederwahl von Barack Obama stehen Hürden im Weg Quelle: REUTERS
Vorsicht Stufe! Der Wiederwahl von Barack Obama stehen Hürden im Weg Quelle: REUTERS

Die Szene in Brooklyn spiegelt den Riss wider, der ganz Amerika in zwei Lager teilt. Von "Change", also Wachstum und Wohlstand für alle, der Versöhnung von Rechts und Links, von armen und reichen, weißen und schwarzen Amerikanern, die der Präsident 2008 versprach, ist nach vier Jahren Obama-Herrschaft in Amerika nichts zu spüren. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 geht es deshalb genau darum, worüber sich die junge Amerikanerin in Brooklyn aufregt: Wo und wie viel soll der Staat mitmischen, wie sollen die Unternehmen besteuert, die Bildung finanziert, Arbeitsplätze geschaffen werden, um das Land nachhaltig zu sanieren?

Amerika vor dem fiskalischen Schiffbruch

Obamas Notenspiegel

  • Der Notengeber

    Obama-Bilanz von Peter Hooper, USA-Chefökonom der Deutschen Bank in New York.

  • Auslandspolitik

    Sehr gut: Irak- und Afghanistankrieg beendet; Tötung von Terroristenführer Osama Bin Laden

  • Finanzmarktreform

    Gut: hätte schlimmer kommen können

  • Krisenmanagement

    Gut: Stimuluspaket, Auto-Bail-out; Notenbankpolitik der Fed zeigte 2009 positive Wirkung

  • Arbeitsmarkt

    Befriedigend: nicht genug aktive Arbeitsmarktpolitik

  • Immobilienmarkt

    Ausreichend: zu zögerlich, mehr Umschuldungsprogramme wären nötig gewesen

  • Fiskal- und Haushaltspolitik

    Durchgefallen: nicht genug für einen Kompromiss gekämpft; Aufgabe delegiert

Dabei wird sich der künftige Präsident nach der Wahl vor allem einer Aufgabe zuwenden müssen: der Sanierung des Haushalts. Das Loch im Staatsetat beträgt mehr als eine Billion Dollar, die USA haben einen Schuldenberg von 16 Billionen Dollar aufgetürmt. Kurz nach der Wahl spitzt sich die Lage zu. Die Amerikaner, in Sachen Dramatik in Hollywood geschult, haben das drohende Ereignis "Fiscal Cliff" getauft – und könnten daran Schiffbruch erleiden.

Am 2. Januar 2013 werden automatische Haushaltskürzungen von jährlich rund 100 Milliarden Dollar fällig. Der sogenannte "Sequester" geht auf die Verhandlungen zur Haushaltssanierung aus dem vergangenen Jahr zurück. Für den Fall, dass sich die Parteien nicht auf weitere Einsparungen einigen würden, vereinbarte der Kongress im August 2011 automatische Kürzungen – und die stehen jetzt an.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.11.2012, 10:40 Uhrwulff

    Ein hegemonialer Kriegstreiber wie die USA macht nur seine überkandidelte Rüstungsindustrie glücklich und das Volk arm.

    Kampfflugzeuge für 2 Milliarden $ pro Stück und keine Krankenversicherung für das A..l..-Volk.

    Und dann wählen die US-Deppen auch noch die Instrumentarien für ihren Untergang selbst aus - genauso wie die deutschen Einfaltspinsel die Politiker wählen werden, die für ihre Enteignung sorgen.

  • 16.10.2012, 16:48 UhrMariposa

    Kompliment, eine sehr gute Analyse der aktuellen Situation. Um Ihre Frage gleich zu beantworten, Ja, er hat es vermasselt. Ich war durchaus Obama-Anhaenger, finde Ihn nach wie vor sympathisch und offen. Man muss ihm auch zu Gute halten, dass er es sehr schwer hatte in den ersten Jahren die richtigen Entscheidungen zu treffen. Man merkte ihm dann aber immer mehr an, dass er eigentlich mehr ein Mann der grossen gesellschaftlichen Entwuerfe ist. Was die USA aber derzeit braucht sind Jobs. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Subventionierungen der Umweltindustrie im weitesten Sinne verpulvert sind. Die Health Care-Reform (und ich bin durchaus der Meinung, dass das derzeitige System verbesserungswuerdig ist) wurde zu einem Ego-Trip mit buerokratischem Monstrum dessen negative Auswirkungen erst nach und nach absehbar sind und mit Sicherheit Jobs kosten werden. Romney hat zwar keine gesellschaftlichen Visionen (was ihm genau von seinen konservativ, religioesen Parteifreunden angekreidet wird) aber er ist vielleicht der Richtige die aktuellen Probleme quasi wie ein Mechaniker zu reparieren. Obamas Tragoedie ist, dass er der richtige Mann zur falschen Zeit ist. Aber noch fuehrt er ja in den Umfragen.

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