ThemaUSA

alles zum Thema
_

USA: Barack Obama bleibt Präsident - der Auto-Industrie sei Dank

von Tim Rahmann

Barack Obama hat die US-Präsidentschaftswahlen gewonnen. Sein Sieg fiel überraschend deutlich aus – und wurde hauptsächlich von den Beschäftigten der Auto-Industrie getragen.

Four more years: Präsident Barack Obama bedankt sich bei seinen Wähler. Es ist die erste Ansprache nach der Wiederwahl.

Bild: REUTERS

Anzeige

„Yes, we can“ – mit diesem Slogan siegte Barack Obama bei den US-Präsidentschaftswahlen 2008. Es war ein Schlachtruf, der Wandel signalisierte, der den Glauben an die Selbstheilungskräfte der Vereinigten Staaten widerspiegelte. Vier Jahre später ist der Traum von Wandel verpufft. Im Wahlkampf 2012 sprach der Demokrat nicht mehr vom Aufbruch, er bat vielmehr die Wähler, weitermachen zu dürfen. „Forward“ hieß das offizielle Wahlkampfmotto, frei übersetzt: Weiter so.

Das sagen die Analysten

  • Roger Peeter, MARKTANALYST DES BANKHAUSES CLOSE BROTHERS SEYDLER

    "Anleger werden ihre Aufmerksamkeit sofort auf die anstehenden Themen wie die sogenannte 'Fiskalklippe' richten. Die Wahl-Entscheidung selbst sollte keinen allzu großen Einfluss haben. Die Differenzen zwischen den beiden Kandidaten waren gering und beide standen vor denselben Problemen wie der hohen Verschuldung."

  • Fred Irwin, Präsident der AMERICAN CHAMBER OF COMMERCE IN DEUTSCHLAND

    "Ich hoffe sehr, dass Obama ab Anfang kommenden Jahres mit der EU über ein Freihandelsabkommen verhandelt. In seiner ersten Amtszeit hat er nur mit Panama, Kolumbien und Südkorea ein Freihandelsabkommen vereinbart. Das sind nicht gerade die führenden Wirtschaftsmächte der Welt. Kommt es zu einem Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU, würde dies das Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks binnen 18 Monaten um drei Prozent ankurbeln. Ich hoffe sehr, dass sich beide Seiten auf einheitliche wirtschaftliche Standards einigen werden. Sonst machen das die Chinesen."

  • Investement-Team der Societe Generale

    "Die Auswirkungen auf die Märkte sollten gering sein. Wenigstens kann nun die Jahresendrally beginnen, vor allem angesichts der stabilen Wirtschaftsdaten. An der Politik wird sich nicht viel ändern. Obama wird in seiner zweiten Amtszeit nur wenig Bewegungsspielraum haben."

  • Tobias Reichert, IG MARKETS

    "Die Entscheidung über das amerikanische Oberhaupt für die nächsten vier Jahre ist gefallen und die Kapitalmärkte scheinen mit dem neuen 'alten' US-Präsidenten Barack Obama zufrieden zu sein."

  • Folker Hellmeyer, Chefsvolkswirt BREMER LANDESBANK

    "Die erste 'Kuh' ist vom Eis. Der martialische Unterton und auch der Klientelansatz Romneys wären für die Weltwirtschaft und notwendige evolutionäre Anpassungen in den globalen Machtstrukturen riskant gewesen. Es ist zwingend erforderlich, dass die USA ihre offene Flanke in den öffentlichen Haushalten angehen, um die mittel- und langfristige Bedeutung und Potenz der USA zu erhalten. Die konsumtive Verschwendung mangels Reformpolitik hat in den letzten Jahren seit 2007 die Basis der USA merklich unterhöhlt."

  • Christian Schmidt, Anaylste der HELABA
  • Iaon Smith, Anlage-Stratege be KNIGHT CAPITAL

    "Die Aussichten für Investoren werden von denselben Themen bestimmt wie vor der Wahl: Die eigentliche Sorge ist, wie die Politik mit der Frage der 'Fiskalklippe' umgehen wird."

  • Lutz Karpowitz, Analyste der COMMERZBANK

    "Größeren Rückenwind für den Euro/Dollar dürfte das Wahlergebnis nicht mit sich bringen, da Obama bereits nach den Umfragen als Favorit galt. Obama wird weiterhin mit Gegenwind aus dem Kongress rechnen müssen, da die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigten und in den nächsten Jahren ein politische Blockade nicht auszuschließen ist. Eine längere Hängepartie, in der ein sehr knappes Ergebnis von der unterlegenen Partei angefochten wird, ist aber zumindest vermieden worden."

Doch für die Bürger von Michigan, Pennsylvania, Wisconsin und vor allem Ohio hatte der Präsident eine ganz eigene Botschaft. „Osama Bin Laden ist tot – General Motors lebt“, rief der Präsident bei seinen 30 Wahlkampfauftritten im hart umkämpften „Swing State“ Ohio nahezu jedes Mal ins Publikum. Ein Slogan, der verfing – und Obama die Wiederwahl sicherte.

US-Präsidentschaftswahl 2012

Seit 1964 hat stets derjenige Kandidat die Präsidentenwahl gewonnen, der sich in Ohio durchsetzte. Dass die umkämpften „Swing States“ Virginia und North Carolina an Romney gingen – unwichtig. Obama holte die 18 Wahlmänner-Stimmen aus Ohio, siegte in Wisconsin (10 Stimmen), Michigan (16 Stimmen) und Pennsylvania (20 Stimmen) – alles Bundesstaaten im Dunstkreis der US-Autohauptstadt Detroit – und holte mindestens 274 der 270 benötigten Wahlmänner-Stimmen.

Barack Obama siegte damit in den großen Arbeiterhochburgen, bei weißen Fabrikarbeitern, die grundsätzlich auch für republikanische Kandidaten ein offenes Ohr haben. Doch nicht dieses Mal. Weite Teile des Mittleren Westens stimmten für den Amtsinhaber, insbesondere der Erfolg im 11,5 Millionen-Einwohner-Staat Ohio fiel deutlich weniger knapp aus als erwartet.

Obamas Notenspiegel

  • Der Notengeber

    Obama-Bilanz von Peter Hooper, USA-Chefökonom der Deutschen Bank in New York.

  • Auslandspolitik

    Sehr gut: Irak- und Afghanistankrieg beendet; Tötung von Terroristenführer Osama Bin Laden

  • Finanzmarktreform

    Gut: hätte schlimmer kommen können

  • Krisenmanagement

    Gut: Stimuluspaket, Auto-Bail-out; Notenbankpolitik der Fed zeigte 2009 positive Wirkung

  • Arbeitsmarkt

    Befriedigend: nicht genug aktive Arbeitsmarktpolitik

  • Immobilienmarkt

    Ausreichend: zu zögerlich, mehr Umschuldungsprogramme wären nötig gewesen

  • Fiskal- und Haushaltspolitik

    Durchgefallen: nicht genug für einen Kompromiss gekämpft; Aufgabe delegiert

Der Präsident darf weitere vier Jahre regieren, obwohl die Arbeitslosenrate bei knapp acht Prozent stagniert. Nie zuvor wurde ein Präsident seit den 1930er-Jahren wiedergewählt, wenn die Arbeitslosenquote über 7,2 Prozent lag.

Aber: In Ohio, einem der alles entscheidenden „Swing States“, liegt die Arbeitslosenquote mit rund 7,0 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. In den Augen der Mehrheit der Bürger Ohios ist das ein Verdienst Barack Obamas, der 2009 mit Milliardenhilfen die Automobil-Industrie rettete – gegen den Widerstand aus eigenen Reihen und führender Republikaner, darunter auch Mitt Romney. Jeder achte Arbeitsplatz in Ohio hängt an der Auto-Industrie.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 07.11.2012, 12:11 UhrNichtDumm

    Sind wohl zu viele amerikanische Autos auf der Fahrt zum Wahllokal liegengeblieben und die Anhänger von Mitt Romney konnten deshalb ihre Stimme nicht rechtzeitig abgeben?

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Flattern auf der Stelle
Flattern auf der Stelle

Die SPD feiert pompös 150 Jahre Vergangenheit – und hat keine Zukunft, weil sie sich erst vergessen und dann selbst...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.