
„Change has come to America“ (Der Wechsel ist in Amerika angekommen), rief Obama vor mehr als 100.000 Menschen in Chicago aus. Sein Triumph wurde vervollständigt vom Sieg der Demokraten bei der gleichzeitigen Kongresswahl. Die Zeit seiner Präsidentschaft beginne mit immensen Herausforderungen, sagte Obama und nannte „zwei Kriege, ein Planet in höchster Gefahr, die schwerste Finanzkrise in einem Jahrhundert“. Jetzt sei die Zeit, mit der Arbeit zu beginnen. Er wolle auch Präsident derjenigen Amerikaner sein, die ihn nicht gewählt hätten.
Der republikanische Kandidat John McCain gratulierte Obama zu seinem Wahlsieg. „Das amerikanische Volk hat gesprochen“, sagte der 72-Jährige vor enttäuschten Anhängern in Arizona. Er hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht, sagte McCain. Zusammen mit dem designierten Vizepräsidenten Joe Biden wird Obama am 20. Januar 2009 in Washington den Amtseid ablegen. Dann endet auch die achtjährige Regierungszeit des Republikaners George W. Bush.
Entscheidend waren Florida, Ohio und Pennsylvania
Obama gewann in mindestens 27 US-Staaten und sammelte so 338 Wahlmännerstimmen - für den Sieg war eine Mehrheit von 270 der 538 Stimmen erforderlich. McCain konnte Obama in mindestens 18 Staaten bezwingen, was mit 140 Wahlmännerstimmen aber für den von ihm erhofften Umschwung in letzter Minute nicht ausreichte. Knapper fiel das landesweite Stimmenverhältnis aus - hier erreichte Obama einen Anteil von 51 Prozent, McCain folgte mit 48 Prozent dicht dahinter.
Entscheidend für den Wahlerfolg waren Siege Obamas in Florida, Ohio, Pennsylvania und Virginia. Der Kandidat der Demokraten sicherte sich zunächst die erwarteten Siege im Nordosten, einer traditionell liberalen Region, und im Mittleren Westen der USA. Der Senator von Illinois gewann in seinem Heimatstaat und war auch im heftig umkämpften Pennsylvania erfolgreich. Dort hatte McCain einen besonders intensiven Wahlkampf geführt, um die erwarteten Verluste in anderen Staaten auszugleichen. Obama siegte auch in Ohio und Iowa, wo vor vier Jahren noch der Republikaner George W. Bush die Wahlmännersteimmen holte. Bislang konnte noch nie ein Republikaner ohne einen Sieg in Ohio die Präsidentschaftswahl gewinnen.
McCain war vor allem im konservativen Süden der USA erfolgreich. Er gewann wie erwartet in Staaten wie Utah, Arkansas, Kansas, Kentucky und Tennessee.
Republikaner büßen Mandate ein
Die Demokratische Partei gewann die absolute Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus. Bei der Wahl von 35 der 100 Sitze im Senat gelang es demokratischen Kandidaten, entscheidende Mandate zu erobern, die bisher von den Republikanern gehalten wurden. Zu den Verlierern bei den Republikanern gehören die bisherigen Senatoren Elizabeth Dole in North Carolina und John Sununu in New Hampshire.
Außerdem gewannen demokratische Kandidaten in Virginia und New Mexico, wo die bisherigen republikanischen Amtsträger nicht mehr antraten. Zu den Siegern der Senatswahl gehört auch der designierte Vizepräsident Biden, der in Delaware für eine siebte Amtszeit wiedergewählt wurde. Im bisherigen Senat hatten Demokraten und Republikaner jeweils 49 Sitze. Zwei Mandate wurden von parteilosen Politikern gehalten, die bei Abstimmungen meist auf Seiten der Demokraten waren.
Im Repräsentantenhaus konnten die Demokraten ihre bisherige Mehrheit weiter ausbauen. Mehrere republikanische Abgeordnete verloren ihre Mandate, etwa in Florida. In Connecticut büßten die Republikaner ihren letzten Sitz in einem Neuenglandstaat ein. Auch bei den Gouverneurswahl gewannen die Demokraten einen weiteren Posten hinzu. Sie verdrängten in Missouri die Republikaner von der Regierung.
Damit werden jetzt 29 Staaten von demokratischen Politikern geführt und 21 von Republikaner.
Vermutlich Rekord bei Wahlbeteiligung
Vermutlich haben noch nie so viele Amerikaner an einer Präsidentschaftswahl teilgenommen wie diesmal. Allein in Virginia schätzten die Behörden die Wahlbeteiligung am Dienstag auf 75 Prozent. Von den 213 Millionen Wahlberechtigten haben sich 187 Millionen für die Wahl registrieren lassen. Von ihnen machten rund 40 Millionen von der Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe Gebrauch.
Bei der letzten Präsidentschaftswahl 2004 betrug die Beteiligung 60,7 Prozent - das war der höchste Wert seit 1968. Sechs von zehn Wählern im ganzen Land nannten die Sorge um die Volkswirtschaft als wichtigsten Faktor ihrer Wahlentscheidung, wie eine Wählernachfrage der Nachrichtenagentur AP ergab. Kein anderes Thema, darunter die Energiepolitik, der Irak-Krieg, der Terrorismus und die Gesundheitsversorgung, hatte bei den Wählern einen höheren Anteil als zehn Prozent. Die Wählernachfrage beruht auf einer Stichprobe von nahezu 10.000 Wählern nach ihrer Stimmabgabe. Sie ergab auch, dass fast 60 Prozent der Frauen Obama für den besseren Kandidaten hielten. Auch bei den Erstwählern lag Obama deutlich vorn.













