USA-China-Gipfel: Kampf der Giganten

KommentarUSA-China-Gipfel: Kampf der Giganten

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Kommentator für die Wirtschaftswoche Matthias Kamp

von Matthias Kamp

Die Spannungen beim USA-Besuch des chinesischen Staats- und Parteichefs Hu Jintao dürften erst der Anfang sein. Je mehr das Riesenreich in den kommenden Jahren seinen wirtschaftlichen und politischen Einfluss ausbaut, desto größer wird das Potenzial für Konflikte mit dem Westen sein. Ein Kommentar von Matthias Kamp.

Von tektonischern Verschiebungen zu sprechen, ist wohl nicht zu kurz gegriffen. Schnell, viel schneller als von vielen Experten und vor allem von der chinesischen Regierung selbst erwartet, ist das Riesenreich zu einer Supermacht herangereift. Ob bei der Bekämpfung des Klimawandels, der Reform der internationalen Finanzarchitektur oder dem Abbau von Handelsschranken: Ohne China geht nichts mehr. Mit rund 2,85 Billionen US-Dollar verfügt das Land über die größten Devisenreserven der Welt. Exportweltmeister ist China schon. Irgendwann im dritten Jahrzehnt dieses Jahrtausends dürfte das Land die USA als größte Volkswirtschaft der Welt ablösen.

Für immer mehr Unternehmen im Westen ist China eine nicht mehr wegzudenkende Größe in der Bilanz. Amerikanische Konzerne haben im letzten Jahrzehnt Schritt für Schritt an Boden gewonnen und freuen sich inzwsichen mehrheitlich über ordentliche Gewinne im Chinageschäft. Für deutsche Unternehmen wie Volkswagen ist das Reich der Mitte inzwischen der wichtigste Markt weltweit. 37 Prozent mehr Pkw als 2009 haben die Wolfsburger im vergangenen Jahr in China verkauft. Wo sonst gibt es so etwas auf der Welt?

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Chinesisches System wenig westlich

Doch mit der rasch wachsenden Bedeutung des Landes für den Westen wächst das Potenzial für Konflikte. Denn der Umgang mit China konfrontiert westliche Wirtschaftsvertreter und Politiker mit einem Gesellschafts- und Wirtschaftssystem, das mit der Ordnung des Westens wenig gemein hat. China zwingt ausländische Unternehmen zum Technologietransfer im Gegenzug für Aufträge. China zwingt westliche Firmen in vielen Branchen in Joint-ventures mit chinesischen Unternehmen. China unterstützt heimische Unternehmen mit billigen Krediten und direkten Hilfen. China manipuliert seine Währung, um seinen Firmen Vorteile auf den Weltmärkten zu verschaffen. Eine freie Presse kennt China ebenso wenig wie unabhängige Gerichte. Alles Punkte, die US-Präsident Barack Obama bei seinem Treffen mit Hu ansprechen dürfte.

US-Präsident Barack Obama Quelle: dpa

US-Präsident Barack Obama (li) und Chinas Staatschef Hu Jintao

Bild: dpa

Beeindrucken lassen wird dieser sich davon nicht. In den Augen vieler Entscheidunsgträger in Peking hat sich das chinesische System einer staatlich gelenkten Wirtschaft mit politischer Unterdrückung in den letzten Jahren als überlegen erwiesen. Die Finanzkrise, so die Auffassung in der Pekinger Regierungszentrale, hat dies einmal mehr bewiesen. Je wichtiger China in den nächsten Jahren für die Unternehmen im Westen wird, desto größer darum das Konfliktpotenzial. China fordert den Westen heraus, und dieser nimmt die Herausforderung an.

Die Hoffnung des Westens, China werde sich von allein Schritt für Schritt dem Westen anpassen, hat sich als Trugschluss erwiesen. Auch Obama hat dies inzwischen verstanden. Bei seinem ersten Chinabesuch kurz nach Amtsantritt setzte er noch auf leise Töne in der Hoffnung, so am schnellsten einen Wandel in China bewirken zu können. Inzwischen äußert der US-Präsident seine Kritik offen.

Doch damit ist es nicht getan. Auch Obama und die Amerikaner müssen ihre Hausaufgaben machen: etwa ihren maroden Haushalt in Ordnung bringen, statt Asien mit billigem Geld zu fluten. Und China ist zu wünschen, dass in den kommenden Jahren die Reformer wieder an Einfluss gewinnen und die Hardliner etwas zurückstecken – auch wenn das Land weiter seinen eigenen Weg gehen wird.

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