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USA: Das geheimnisvolle Imperium der Mormonen

von Tim Rahmann

Sie verwalten Milliarden, feiern Totentaufen und haben die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2002 gesichert. Nun wollen sie Mitt Romney zum US-Präsidenten machen. Wie ticken die Mormonen?

Mitt Romney

Als Präsidentschaftskandidat der Republikaner ist er aktuell in aller Munde. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts mischte bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2008 als aussichtsreicher Kandidat mit. Er gilt als gemäßigter Republikaner, hat allerdings seine Meinung zu bestimmten Themen in der Vergangenheit geändert. So spricht er sich heute beispielweise gegen Abtreibung aus. Im Vorwahlkampf in Iowa erklärte Romney, die USA müssten wieder zu einem Jerusalem der Welt werden, gleich einem leuchtenden Zionsberg.

Bild: Reuters

Er konsumiert keinen Tabak und keinen Alkohol, trinkt keinen Kaffee und keinen Tee. Er ist in erster Ehe verheiratet, hat fünf Söhne und sechzehn Enkelkinder. Mitt Romney könnte der ideale Präsidentschaftskandidat der Republikaner sein, respektiert und geachtet von den Traditionalisten und Evangelikalen – wäre da nicht sein Glaube. Mitt Romney ist Mormone und für viele Erz-Konservative damit ein rotes Tuch.

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Bei den Vorwahlen im konservativen South Carolina hatte Romney keine Chance, der deutliche Erfolg bei der Vorwahl am Samstag im mormonisch geprägten Nevada – Romney holte über 40 Prozent der Stimmen – wird die Akzeptanzprobleme des Kandidaten bei den Evangelikalen im Süden möglicherweise noch weiter verstärken.

Amerika, das auserwählte Land

„Die Mormonen haben eine Entstehungsgeschichte, die sich in wesentlichen Punkten von der christlichen Lehre unterscheidet. Zudem zelebrieren sie eine Totentaufe und halten geheime Tempelrituale ab“, erklärt Michael Utsch, Lehrbeauftragter an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin und wissenschaftlicher Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. „Dass sie damit auf heftige Ablehnung bei den traditionellen Christen stoßen, ist verständlich. Auch ich finde: Die mormonische Lehre ist mit christlicher Theologie nicht vereinbar.“

Grundlage der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, wie die größte mormonische Gemeinschaft heißt, ist das Buch Mormon, das der damals 24-jährige Joseph Smith 1830 veröffentlichte. Darin heißt es, dass Jesus Christus nach seiner Auferstehung nach Amerika gekommen sei und dort gelehrt und eine Kirche gegründet habe. Amerika wird folglich als auserwähltes Land und Ort göttlichen Handels gesehen.

Heute gehören dem Mormonentum mindestens 13 Millionen Menschen an, knapp die Hälfte davon lebt in den USA. Die Glaubensgemeinschaft hat sich seit ihrer Entstehung zu einem Milliarden-Imperium entwickelt.

Spenden in Milliarden-Höhe

Haupteinnahmequelle der mormonischen Glaubensgemeinschaft, der knapp 65 Prozent der Bürger des US-Bundesstaates Utah angehören und die darüber hinaus viele Mitglieder in Nevada, Arizona und Missouri hat, sind Spenden der Mitglieder.

Mindestens zehn Prozent ihres Einkommens müssen die Glaubensangehörigen an ihre Kirche abliefern. Das spült jährlich mehr als sechs Milliarden US-Dollar in die Kassen.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.08.2012, 11:03 UhrTimTaler_005

    Keine Ahnung warum sich alle so über den Zehnten aufregen, schließlich ist es keine Erfindung der "Kirche Jesu Christi [...]".

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zehnt

    Sich einfach mal ein bisschen Mühe machen und dann wissen wovon man redet. Im Übrigen ist es ein Gebot und kein Zwang.

  • 16.05.2012, 17:40 UhrHajo

    6 Milliarden Dollar geteilt durch 15 Millionen Mitglieder sind durchschnittlich 400 Dollar pro Mitglied. Ich wußte gar nicht, das Schulkinder 4000 Dollar Taschengeld bekommen ...

  • 10.04.2012, 00:23 UhrSimonWolfert

    Ein meines Erachtens nach schlecht recherchierter und überspitzter, fast reißerischer Artikel.
    Einige Beispiele hierfür:
    Missionare der Kirche Jesu Christi arbeiten ehrenamtlich und erhalten keine Bezahlung. Die notwendigen Lebenserhaltungskosten trägt der Missionar oder dessen im Regelfall Familie selbst. Auch leben sie in schlichten, zumeist angemieteten Räumlichkeiten ohne besonderen Komfort. Ich selbst war als Missionar für Jesus Christus und meine Mitmenschen unterwegs und ich nicht für einen milliardenschweren Konzern, wie diese Kirche hier dargestellt wird. Das Geld endet ja nicht in Luxusvillen für irgendwelche falschen Propheten, sondern u.a. in humanitären Projekten, Druck und Vertrieb von Schriftmaterial usw.
    Weiterhin positioniert sich die Kirche als politisch neutral und versucht nicht jemanden in das weiße Haus zu "schicken". Mitglieder werden ermuntert, gesellschaftlich aktiv und kulturell engagiert zu sein, insbesondere in der eigenen Kommune. Glaubens- und Gewissensfreiheit werden sehr groß geschrieben, gerade weil in ihrer frühen Geschichte eben das ein ihnen verwehrtes Gut gewesen war.
    Die Tempel sind heilige Orte, und tatsächlich dem Herrn geweiht. Nicht nur der Zehnten gilt als Qualifikation für einen Tempelempfehlungsschein, sondern auch ein ehrlich geführtes Leben, guter Umgang mit den MItmenschen und besonders der Familie usw. Was IM Tempel geschieht, ist nicht geheim sondern heilig. Darin besteht ein Unterschied. Wie bereits beschrieben ist es nicht schwer herauszufinden, was darin geschieht, nur Mitglieder erachten es als heilig. Das hat nichts exklusives, denn jedem, der sich für den Tempelbesuch bereit macht, hat auch ein recht darauf.
    Aus dem materiellen Wohlstand der Kirche, der zweifelsohne existiert, wird schon fast eine Verschwörungstheorie zusammengestrickt.

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