ThemaUSA

alles zum Thema
_

USA in der Krise: Verdruss in Virginia

von Tim Rahmann

Die Begeisterung für Barack Obama ist verschwunden. Und damit auch die Hoffnung, dass die USA wieder zu alter Stärke finden können, moralisch wie wirtschaftlich. Nirgendwo ist das so gut zu beobachten wie in Virginia – dem unberechenbarsten aller "Swing States".

Finden die USA moralisch und wirtschaftlich wieder zu alter Stärke zurück? Quelle: dpa
Finden die USA moralisch und wirtschaftlich wieder zu alter Stärke zurück?Quelle: dpa

Sie hat für ihn gekämpft. Stunde um Stunde, Tag für Tag. Kerry Stoner hat ihr Jura-Studium im Sommer 2008 hinten angestellt, um zu helfen, dass Barack Obama zum US-Präsident gewählt wird. Sie klingelte an Türen und telefonierte über 2000 Bürger hinterher, um für den damaligen Senator aus Illinois zu werben. Vier Jahre später ist ihre Begeisterung für Obama erloschen. In der kommenden Woche wird die 24-Jährige aus Richmond, der Hauptstadt des US-Ostküstenstaates Virginia, dem Präsidenten endgültig den Rücken zukehren. Der Republikaner Mitt Romney wird bei der Wahl am 6. November ihre Stimme bekommen.

Anzeige
Kein anderer Staat der USA ist wechselhafter als der "Swing State" Virginia (rot eingefärbt). Quelle: GNU
Kein anderer Staat der USA ist wechselhafter als der "Swing State" Virginia (rot eingefärbt). Quelle: GNU

"Es ist wie in der Liebe. Irgendwann muss man den Schlussstrich ziehen", sagt die langbeinige, schlanke Blondine, der man zutraut, schon so manchen Korb verteilt zu haben. Sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. "Ich bin für die Gesundheitsreform und für die Homo-Ehe. Das sind Themen, die bei Obama in guten Händen sind", sagt Stoner. "Aber die Wirtschaft liegt am Boden. Viele von uns Studenten haben Angst, nach dem Abschluss keinen Job zu kriegen. Jeder aus meinem Freundeskreis kennt Leute, die ihren Job verloren haben, zurück zu ihren Eltern ziehen mussten und hoch verschuldet sind."

Wissenswertes über Virginia

  • "Mother of the Presidents"

    Aus keinem Bundesstaat der USA stammen mehr US-Präsidenten als aus Virginia. Acht ehemalige Staatsmänner sind in Virginia, dem 8-Millionen-Einwohner-Staat an der Ostküste, geboren. Mit dieser Zahl kann nur Ohio mithalten, das ebenfalls Heimat von acht US-Präsidenten ist. George Washington, Thomas Jefferson, James Madison, James Monroe, William Harrison, John Tyler, Zachary Taylor und Woodrow Wilson sind in Virginia geboren.

  • Todesstrafe

    Virginia ist nach Texas der Staat mit den meisten Hinrichtungen in den USA seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976. Bis September 2010 wurden 107 Menschen exekutiert.

  • Pentagon

    Das Pentagon, der Sitz des US-Verteidigungsministeriums, befindet sich in Arlington, Virginia. Mit seinen je 280 Meter langen Außenwänden, einer Grundfläche von rund 135.000 Quadratmetern, einer Bürofläche von etwa 344.280 Quadratmetern und einem Volumen von rund zwei Millionen Kubikmetern gilt es als das größte Bürogebäude der Welt – und das siebtgrößte Gebäude überhaupt.

  • Virginia-Tabak

    Die Tabakindustrie ist einer der größten und wichtigsten privaten Arbeitgeber in Virginia. Bereits im 17. Jahrhundert bauten britische Siedler Tabak an. Der Virginia ist ein sehr milder Tabak, großblättrig und durch seinen hohen Zuckergehalt recht süß.

  • Bürgerkrieg

    Virginia war das Hauptschlachtfeld der Nord- und Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865. 2200 der rund 4000 Kämpfe fanden auf den Gebiet Virginias statt.

  • Wohlstand

    Virginia ist gut durch die Krise gekommen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5,9 Prozent – und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von rund 7,8 Prozent. Die Bürger Virginias sind besser ausgebildet als der Durchschnitts-Amerikaner – und wohlhabender. Das Haushaltseinkommen 2011 lag im Mittel bei 62.616 US-Dollar. Zum Vergleich: Bundesweit hatten die Haushalte im Durchschnitt ein Einkommen von 50.054 US-Dollar vorzuweisen.

  • Im Herzen Amerikas

    Gut die Hälfte aller US-Bürger – also über 150 Millionen – wohnt in einem 800-Kilometer-Radius um Virginia. Die Hauptstadt Washington, D.C., liegt nur etwa 170 Kilometer von der Hauptstadt Virginias, Richmond, entfernt.

  • Umfragewerte

    Barack Obama und Mitt Romney liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Virginia. Glaubt man den neuesten Umfragen kann Romney derzeit bei 47 Prozent der Wähler punkten, Obama kann 50 Prozent der Wahlberechtigten auf seine Seite ziehen.

23 Millionen US-Amerikaner sind derzeit landesweit arbeitslos. Die Quote liegt nur knapp unter acht Prozent. Für amerikanische Verhältnisse ist das eine enorme Zahl. Mitt Romney verspricht, zwölf Millionen Jobs schaffen zu wollen. Doch wie, verrät er nicht. Selbst republikanische Wähler zweifeln an diesem Versprechen, auch Kerry Stoner. Neuen Mut und neue Hoffnung entfacht Romney nicht, doch Obama zu wählen, hieße die Missstände klaglos anzuerkennen. In weiten Teilen des Landes hat sich Verdruss breit gemacht. Bei Studenten wie Stoner, bei Bankern und Managern, bei Angestellten und Arbeitslosen. Im Süden des Landes reagieren die Menschen mit Ausgrenzung. Politische Fragen werden ideologisch und republikanisch beantwortet. In den Arbeiter-Hochburgen wie Michigan und Pennsylvania hoffen die Menschen auf Konjunkturprogramme der Demokraten. Die Wahl entscheidet sich aber woanders. In Staaten wie Virginia, wo die Bürger nüchtern ins Wahlbüro gehen.

weitere Fotostrecken

Blogs

Flattern auf der Stelle
Flattern auf der Stelle

Die SPD feiert pompös 150 Jahre Vergangenheit – und hat keine Zukunft, weil sie sich erst vergessen und dann selbst...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.