
Ein Wort sollten die Anwärter im Rennen um den Einzug ins Weiße Haus besser vermeiden, riet der frühere demokratische Präsidentschaftskandidat Howard Dean: Kapitalismus. „Dabei denken die Leute eben an die großen Banken, die die Hypothekenkrise verursacht haben, erklärte Dean. „Das ist ein Verlierer-Wort.“ Quer durch die politischen Lager zieht sich der Streit um den "richtigen Kapitalismus" in den USA. Dabei überwerfen sich nicht etwa nur Republikaner und Demokraten. Vor allem innerhalb der Konservativen wird heftig darüber debattiert, was faul ist am amerikanischen Wirtschaftssystem. Gefochten wird dabei mitunter mit harten Bandagen.
So beschimpft Newt Gingrich, der Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei werden möchte, seinen Rivalen Mitt Romney regelmäßig als "unehrlich" und als "Teil der Finanzelite" der Wall Street. In einem Video einer Unterstützergruppe von Gingrich wird Romney als Heuschrecke dämonisiert, der in seiner Zeit als Chef der Investmentfirma Bain Capital Unternehmen finanziell ausgeplündert und tausende von Arbeitnehmern entlassen habe. Der texanische Gouverneur Rick Perry hatte Romney vorgehalten, als Investmentbanker wie ein "Geier" über Betriebe hergefallen und nur noch "Skelette" zurückgelassen zu haben.
Romney selbst indes zeigt sich von den Angriffen weitgehend unbeeindruckt. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts verteidigt seine Tätigkeit als Geschäftsmann, die ihm ein Vermögen von rund 250 Millionen Dollar eingebracht hat. In einem Interview mit dem Fernsehsender NBC im Januar sagte Romney, er glaube, dass diese Kritik vor allem mit Neid und mit Klassenkampf zu tun habe.
Dabei warf Romney Präsident Barack Obama vor, dass dieser absichtlich einen Keil in die Gesellschaft treibe. Obama habe das Motto der Occupy-Bewegung übernommen und spreche von dem einen Prozent der Superreichen gegen den Rest der 99 Prozent anderen. "Das ist völlig unvereinbar mit der Konzept, dass wir eine Nation unter Gott sind", sagte Romney. Kritik am Kapitalismus oder an der Steuergerechtigkeit gehöre ins Hinterzimmer und nicht auf den öffentlichen Markt, sagte Romney.
Kapitalismus wird negativ assoziiert
Tatsächlich aber wird das Wort Kapitalismus, das in den USA zuvor stets positiv besetzt war, derzeit sogar vermieden. "Bei Kapitalismus denken die Leute eben an die großen Banken, die die Hypothekenkrise verursacht haben. Das ist ein Verlierer-Wort", erklärte dies gestern Howard Dean, ehemaliger demokratischer Präsidentschaftskandidat. Statt dessen verlegten sich die Wahlkämpfer darauf, den Mittelstand zu loben und zu hofieren.
Obama hatte die Kapitalismuskritik in seiner Rede zur Lage der Nation letzte Woche pointiert aufgegriffen - und sich erneuten Ärger der Wall Street eingehandelt. Dort gilt die Ansprache bei vielen inzwischen als "Hass-Rede" gegen die Finanzbranche. Die Banker werfen Obama vor, mit zweierlei Maß zu messen. So habe er die Wall Street in seiner Rede immer wieder kritisiert und an den Pranger gestellt mit Worten wie "Banken haben große Wetten und große Boni gemacht - mit dem Geld anderer Leute."
Er habe die Bevölkerung gegen die Banken in Stellung gebracht. "Millionen von Amerikanern die hart arbeiten und sich an die Regeln halten verdienen ein Finanzsystem, das sich auch so verhält", sagte Obama. Es werde daher keine weiteren Bail-Outs mehr geben, kündigte der Präsident an. Dagegen habe er General Motors, die ebenfalls von der Regierung mit Milliarden aus der Krise gerettet wurden, dafür gelobt, dass sie nun wieder die Nummer 1 weltweit seien. "Er hat dabei nicht nur darauf verzichtet zu erwähnen, dass die Banken ihre Schulden mit hohen Zinsen beglichen haben, sondern auch, dass General Motors die Hilfen immer noch nicht zurückgezahlt habt", so Dick Bove, Bankanalyst bei Rochedale Securities.
Gleichzeitig aber stecken die Banken in einem Dilemma. Wenn beide politischen Lager mit den Großinstituten nichts zu tun haben wollen, haben sie niemanden, an den sie sich in Washington wenden können. Analysten befürchten, ein Wettstreit der Parteien darüber, wer die härtere Regulierung befürwortet, könnte die Wirtschaft beschädigen, weil dies die Kreditvergabemöglichkeiten der Institute einschränken werde. "Bis es keine rationale Diskussion über das Bankensystem in diesem Lande gibt, besteht ein Risiko für unsere Wirtschaft. Und es sieht derzeit nicht so aus, als werde es auf absehbare Zeit eine rationale Diskussion geben", sagt Bankenanalyst Bove.













