ThemaUSA

alles zum Thema
_

USA nach der Wahl: Geteiltes Amerika

von Tim Rahmann

Barack Obama wurde wiedergewählt – doch fast die Hälfte der Bürger stimmte gegen ihn. Die USA sind gespaltener denn je und verschärfen die angespannte Lage der Supermacht.

Four more years: Präsident Barack Obama bedankt sich bei seinen Wähler. Es ist die erste Ansprache nach der Wiederwahl.

Bild: REUTERS

Der Empfang ist frostig. „Geschlossen. Nur Mitarbeiter-Treffen heute“, ruft Brian Delle aus dem verschlossenen Wahlkampf-Büro der Republikaner in Alexandria, Virginia. Seit gut zwölf Stunden steht fest, dass Mitt Romney, der Mann, für den Delle und seine Kollegen monatelang gekämpft haben, die Präsidentschaftswahl gegen Barack Obama verloren hat. Schwer- und widerwillig trabt der 29-Jährige zu der gläsernen Eingangstür. „Was für ein Scheiß-Tag“, sagt Delle zur Begrüßung.

Anzeige

57,4 Millionen US-Amerikaner sind mit einem ähnlichen Gefühl am Mittwochmorgen aufgestanden. So viele Bürger nämlich haben für den Machtwechsel gestimmt und gegen Amtsinhaber Barack Obama votiert. Der Präsident holte US-weit 50 Prozent der Stimmen, Romney kam auf 48 Prozent. Fast im ganzen Land verlor der Amtsinhaber an Rückhaltung, selbst in demokratischen Hochburgen wie Kalifornien oder Connecticut haben weniger Menschen für Obama gestimmt als vor vier Jahren.

Das sagen die Analysten

  • Roger Peeter, MARKTANALYST DES BANKHAUSES CLOSE BROTHERS SEYDLER

    "Anleger werden ihre Aufmerksamkeit sofort auf die anstehenden Themen wie die sogenannte 'Fiskalklippe' richten. Die Wahl-Entscheidung selbst sollte keinen allzu großen Einfluss haben. Die Differenzen zwischen den beiden Kandidaten waren gering und beide standen vor denselben Problemen wie der hohen Verschuldung."

  • Fred Irwin, Präsident der AMERICAN CHAMBER OF COMMERCE IN DEUTSCHLAND

    "Ich hoffe sehr, dass Obama ab Anfang kommenden Jahres mit der EU über ein Freihandelsabkommen verhandelt. In seiner ersten Amtszeit hat er nur mit Panama, Kolumbien und Südkorea ein Freihandelsabkommen vereinbart. Das sind nicht gerade die führenden Wirtschaftsmächte der Welt. Kommt es zu einem Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU, würde dies das Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks binnen 18 Monaten um drei Prozent ankurbeln. Ich hoffe sehr, dass sich beide Seiten auf einheitliche wirtschaftliche Standards einigen werden. Sonst machen das die Chinesen."

  • Investement-Team der Societe Generale

    "Die Auswirkungen auf die Märkte sollten gering sein. Wenigstens kann nun die Jahresendrally beginnen, vor allem angesichts der stabilen Wirtschaftsdaten. An der Politik wird sich nicht viel ändern. Obama wird in seiner zweiten Amtszeit nur wenig Bewegungsspielraum haben."

  • Tobias Reichert, IG MARKETS

    "Die Entscheidung über das amerikanische Oberhaupt für die nächsten vier Jahre ist gefallen und die Kapitalmärkte scheinen mit dem neuen 'alten' US-Präsidenten Barack Obama zufrieden zu sein."

  • Folker Hellmeyer, Chefsvolkswirt BREMER LANDESBANK

    "Die erste 'Kuh' ist vom Eis. Der martialische Unterton und auch der Klientelansatz Romneys wären für die Weltwirtschaft und notwendige evolutionäre Anpassungen in den globalen Machtstrukturen riskant gewesen. Es ist zwingend erforderlich, dass die USA ihre offene Flanke in den öffentlichen Haushalten angehen, um die mittel- und langfristige Bedeutung und Potenz der USA zu erhalten. Die konsumtive Verschwendung mangels Reformpolitik hat in den letzten Jahren seit 2007 die Basis der USA merklich unterhöhlt."

  • Christian Schmidt, Anaylste der HELABA
  • Iaon Smith, Anlage-Stratege be KNIGHT CAPITAL

    "Die Aussichten für Investoren werden von denselben Themen bestimmt wie vor der Wahl: Die eigentliche Sorge ist, wie die Politik mit der Frage der 'Fiskalklippe' umgehen wird."

  • Lutz Karpowitz, Analyste der COMMERZBANK

    "Größeren Rückenwind für den Euro/Dollar dürfte das Wahlergebnis nicht mit sich bringen, da Obama bereits nach den Umfragen als Favorit galt. Obama wird weiterhin mit Gegenwind aus dem Kongress rechnen müssen, da die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigten und in den nächsten Jahren ein politische Blockade nicht auszuschließen ist. Eine längere Hängepartie, in der ein sehr knappes Ergebnis von der unterlegenen Partei angefochten wird, ist aber zumindest vermieden worden."

„Wir sind nicht so geteilt, wie unsere Politik das glauben machen will“, sagte der 51-Jährige in der Nacht zum Mittwoch nach seinem Sieg über den Republikaner Mitt Romney – offenbar geblendet von seinen Glücksgefühlen. Denn wahr ist, dass das Land tief gespalten ist, in allen wichtigen politischen Fragen. Die Gesundheitsreform wird von 48 Prozent der Bürger befürwortet, 44 Prozent lehnen sie ab. 43 Prozent der Wähler vom Dienstag finden, der Staat müsse sich mehr in die Wirtschaft einmischen, knapp 50 Prozent sagen, Washington solle den Unternehmen freie Fahrt gewähren. Auch in Steuerfragen und sozialpolitischen Themen ist die Stimmungslage ähnlich, eine kompakte Mehrheit gibt es auf kaum einem Politikfeld.

Liberales Umfeld an der Ost- und Westküste

Fast vier Jahre haben die Konservativen darauf gewartet, sich mit ihrer Meinung durchzusetzen und Barack Obama wieder aus dem Amt zu jagen. „Ich freue mich darauf, am Mittwoch aufzuwachen und einen neuen Präsidenten im Amt zu wissen“, freute sich Rentner Robert Donnell noch am Montag bei einer Wahlveranstaltung der Republikaner in Fairfax, Virginia. Die Eignung von Romney für das Präsidentenamt? Zweitrangig. Hauptsache Obama verschwindet. Daraus wurde bekanntlich nichts. „Es ist eine Schande“, sagt Wahlhelfer Brian Delle in Alexandria. Dann nickt er entschuldigend und drückt die Tür zum Wahlkampf-Büro zu.

Amerika ist einen Tag nach der Wahl gespaltener denn je. Auf der einen Seite gibt es die liberalen Bundesstaaten an der Ost- und Westküste. Rund um Seattle, San Francisco, New York und Washington, D.C siegte Obama haushoch. In Maryland und Maine haben sich die Wähler für die Einführung der Homo-Ehe ausgesprochen. In Colorado darf ab sofort legal Marihuana geraucht werden und Wisconsin stellt mit Tammy Baldwin die erste offen lesbische Senatorin.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.11.2012, 18:51 UhrSteigenberger

    Komisch, dasss die Republikaner südlich der Mason-dixon-Linie
    immer noch die Mehrheit stellen, denn gerade in Texas z.Bsp. der
    bevölkerungsreichste "Südstaat" sind nur noch 34% der Schüler
    europäide Kinder (educationweekly), auch in
    Georgia, u. Florida sind über 50% der Schüler
    Minority; diese zukünftigen Wähler werden die Politik
    in Zukunft gewaltig aufmischen u. die GOP
    marginalisieren! - Der mittlere Westen stellt zu wenige Wahlmänner
    um in der Union noch
    eine Rolle zu spielen.
    Good bye GOP , ihr werdet bald als Tea-party Sektierer
    in der Prärie verschwinden!

    Die Demokraten sind aber nicht mit europäischen Sozialdemokraten zu vergleichen !
    Der Vietnamkrieg wurde vom Demokraten Kennedy gestartet
    u. erst vom Republikaner Nixon 73 beendet!

    B. Clinton als Demokrat hat die Finanzmarktderegulierung
    eingeführt u. seinen Freunden an der Wall-Street den Freibrief
    für zerstörerische Megaspekulationen gegeben, die letztendlich
    zum Kollaps der US-Wirtschaft 2007/2008 führten; auch
    Obama ist kein Waisenknabe, gerade seine 1. Wahl wurde massiv von
    Wallstreet finanziert

    Die Haupt wirtschaftsberater Rubin u. Summers kamen von GoldmanSachs, Finanz-#
    minister Geithner ist auch ein Ex-Wallsteet-Mann.
    Mit solchen Key-people konnte Obama natürlich keinen "change"
    für die mainstreet u. Mittelklasse erreichen; seine 5000 Milliarden
    US$ Neuverschuldung = 50% der Staatsschulden bei Amtsantritt !
    sind doch realiter wirkungslos verpufft, weil sie im Spekulations-
    kreislauf der Grossbanken u. anderer Finanzakteure verblieben
    sind ! - Landesweit lag 2009 die Armutsgrenze bei Schülern bei 44%,
    in Californien aber bei 52,7 u. Georgia bei 53& u. Missisippi bei
    68,4% ! - in der Breite sind die USA auf das Niveau eines
    Schwellenlandes angerutscht mit zunehmender Tendenz !
    Nur starke Rüstungskürzungen,Abkehr vom Öl durch erneuerbare
    Energien u. verstärkter Breitenbildung für Zukunftsjobs bringen
    die USA wieder nach vorne - Obama hat hier noch nichts geleistet!

  • 08.11.2012, 15:07 Uhrxxxx

    Muss die Wiwo denn unbedingt immer so republikanisch angehaucht sein? - Der gleiche Artikel haette auch bei der Wahl George W. Bush's Wahl in umgekehrter Weise geschrieben werden koennen. Auch damals ging die haelfte der Amerikaner enteauscht nach hause und auch Bush hat das Geld rauschmeissen nicht geaendert (und auch Romney kann das nicht - dass sind naemhlich alles einnahmen von Firmen deren Lobbyisten im Kongress sitzen).
    Mein Gott, kommt doch mal von eurer Ideologie los.
    Schreibt lieber mal was ueber Automatisierung und dadurch bedingte Arbeitsplatzvernichtung (mit einer quantitativen Abschaetzung wie stark der Effekt die naechsten Dekaden sein wird).

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Flattern auf der Stelle
Flattern auf der Stelle

Die SPD feiert pompös 150 Jahre Vergangenheit – und hat keine Zukunft, weil sie sich erst vergessen und dann selbst...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.