USA und China: Strafzoll-Kampf geht in die zweite Runde

USA und China: Strafzoll-Kampf geht in die zweite Runde

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Die USA belegen chinesische Stahltürme für Windkraftanlagen mit einem Strafzoll.

von Rebecca Eisert

Bisher schützten China und die USA vor allem ihre Autoindustrie mit Strafzöllen vor Importen aus dem jeweils anderen Land. Mit der Energiewende rückt nun eine andere Industrie in den Fokus der Supermächte.

 

Knapp zwei Wochen ist es her, dass das US-Handelsministerium Strafzölle auf chinesisches Solarmodule verhängt hat, da schießt die Behörde schon mit einer neuen Abgabe nach. Jetzt gelten vorläufige Einfuhrzölle auf Stahltürme für Windkraftanlagen aus China. 13,7 bis 26 Prozent sollen es sein. Damit will Washington seinen Markt für erneuerbare Energien gegen chinesischen Billigimporte schützen.

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Solarindustrie Irrsinnige Strafzölle gegen Chinas Solarriesen

Die USA haben Strafzölle gegen chinesische Solarmodule erlassen. Ein erfolgsversprechendes Modell ist das nicht. Im Gegenteil: Es könnte die Krise der Solarbranche noch verstärken - auch in Europa.

Die Vorherrschaft der chinesischen Solarmodulhersteller wird mit Strafzöllen allein nicht aufzuhalten sein. Quelle: Reuters

Der Beschwerde der amerikanischen Wind Tower Trade Coalition wurde damit recht gegeben. Allerdings sind die Zölle nicht so hoch, wie sich die Anführer der Interessengemeinschaft gewünscht hätten. Broadwind Energy und Kollegen hatten Zölle in Höhe von 60 Prozent und mehr verlangt. Doch was nicht ist, kann durchaus noch werden.

Im Fall der Solarzölle hatte das Handelsministerium ebenfalls vorläufig geringe Strafzölle beschlossen, dann aber kräftig nachgelegt und Aufschläge von 31 bis 250 Prozent angekündigt. Der endgültige Beschluss soll im Oktober folgen. Der Entscheidung war eine Klage einer Gruppe amerikanischer  Solarunternehmen vorangegangen - die US-Tochter des deutschen Unternehmen Solarworld hatte sich unter Firmenchef Asbeck gegen die chinesischen Importe aufgelehnt.

Sollte die Behörde diesmal ähnlich handeln, dürfen sich auch die Hersteller der Stahltürme für Windkraftanlagen – die Rotorblätter der Mühlen sind von der Regelung übrigens ausgenommen - noch Hoffnung machen. Das US-Handelsministerium will im September sein endgültiges Urteil fällen. Dann werden chinesische Stahltürme für Windmühlen teurer.

Bisher haben amerikanische Firmen das Material aus Fernost in überschaubarem Umfang eingeführt. Windtürme im Wert von 222 Millionen US-Dollar, kamen 2010 aus China in die USA. Damit ist das Handelsvolumen noch deutlich geringer als das der Solarmodule. Laut US-Handelsministerium exportierte China 2011 Zellen im Wert von 3,1 Milliarden US-Dollar. In beiden Bereichen erwarten die Amerikaner jedoch einen deutlichen Anstieg. Vergangenes Jahr hatte sich der Wert der eingeführten Solarzellen im Vergleich zu 2010 bereits verdoppelt.

Die Protektionsoffensive kommt also nicht von ungefähr. Die USA und China gelten als die größten Wachstumsmärkte für Photovoltaik und Windkraft. Daher stehen nun nach chinesischen Reifen und amerikanischen Autos, neuerdings Windmühlen und Solarmodule auf der schwarzen Liste der Handelsbehörden.

Die Retourkutsche aus Peking wird nicht all zu lange auf sich warten lassen. Seit Jahren liefern sich China und die USA eine Handelskrieg in den verschiedensten Produktgruppen. Und mit etwas Glück wird sich China erfolgreich wehren können.

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2010 mahnte die Welthandelsorganisation WTO die Europäische Kommission wegen eines Strafzolls von 85 Prozent auf chinesische Schrauben und Bolzen und bestätigte damit die chinesische Regierung, die sich unfair behandelt sah. Am Zoll änderte die EU nichts. Denn die WTO darf ihre Mitglieder nur rügen, nicht aber zur Rücknahme der Abgabe zwingen. Peking konterte auf seine Weise: Die Regierung erhob Zölle auf Schrauben aus Europa. So wird es wohl weitergehen - Schraube um Schraube, Modul um Modul, Turm um Turm.

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