USA: US-Firmen kämpfen mit Riesen-Rabatten gegen die Rezession - Seite 2

USA: US-Firmen kämpfen mit Riesen-Rabatten gegen die Rezession

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Rabattaktion bei Macy's: Schlussverkauf statt Weihnachtsstimmung Quelle: Bernd Obermann für WirtschaftsWoche
Rabattaktion bei Macy's: Schlussverkauf statt Weihnachtsstimmung Quelle: Bernd Obermann für WirtschaftsWoche

Wem das zu teuer ist, der kann gleich um die Ecke im Casa Havana morgens zwischen sieben und elf Uhr das Recession Breakfast ordern: zwei Eier, Speck, Pommes, Toast und Kaffee für 20 Cent. „Das extremste Rezessions-Spezial aller Zeiten“ schreibt die Szene-Zeitung „Village Voice“, dafür könne man das Geld doch sicher unter den Sofakissen finden.

Die Sängerin Laurel Casey bietet ihre Dienste sogar ganz ohne monetäre Gegenleistung an. „Ich singe für ein Essen“, sagt sie, „nutzen Sie diese Gelegenheit, lokale Musiker auszubeuten.“

Zynismus war schon immer ein natürlicher Reflex auf Geldknappheit. „Ich habe genug Geld für den Rest meines Lebens. Vorausgesetzt ich werde morgen von einem Bus überfahren“, lautet ein zurzeit beliebter Kneipenwitz. „So schlimm wie in Paris ist es aber noch nicht“, sagt eine Mitarbeiterin der Citibank in New York.

Dort soll, so hat sie gehört, ein Taschentuch-Hersteller eine Guerilla-Marketing-Kampagne fahren, mit Tissue-Boxen gleich neben den Geldautomaten, „für die Leute, die nach einem Blick auf den eigenen Kontostand anfangen zu heulen“.

Aus der Not entstehen auch neue Geschäftsideen. So wirbt in Soho die Boutique Ilus mit dem Slogan „Luxury or Lease“: Hier kann man Outfits für glanzvolle Events auch leihen, statt sie für Tausende Dollars zu kaufen und dann im Schrank vermuffen zu lassen. Auf der Web-Site Giltgroupe.com organisieren eine ehemalige Bulgari-Managerin und eine Ex-Mitarbeiterin von EbayCanada mit wachsendem Erfolg Auktionen von Designer-Klamotten.

Bereits im September und Oktober hatte Christine Janssen wegen lauer Geschäftslage ihr eigenes Sonderangebot propagiert. Die Chefin der kleinen, auf Existenzgründungen von Frauen spezialisierten Beratungsgesellschaft Denken Research & Consulting reduzierte mit ihrem Rezessions-Spezial alle Gebühren für neue Projekte um 25 Prozent.

„Es hat nichts gebracht, es war ein Desaster, sehr enttäuschend“, sagt Janssen, „wir müssen uns jetzt ein neues Geschäftsmodell ausdenken, was mit Büchern oder Schulungen.“ Vielleicht ist es für Dienstleistungen rund um Existenzgründungen für gefeuerte Manager aber auch einfach noch ein wenig zu früh.

Viel zu tun haben dagegen Berater, die auf Insolvenzen oder Umstrukturierungen spezialisiert sind. So stuften die Analysten der Deutschen Bank in New York vor wenigen Tagen das Kursziel der Beratungsgesellschaft Watson Wyatt & Company kräftig nach oben. Die Gesellschaft werde von den Marktturbulenzen profitieren, weil sie unter anderem auf die Reorganisation von Pensionsplänen spezialisiert ist.

Downsizing, alles etwas kleiner oder günstiger, lautet das Gebot der Stunde. Das gilt auch für das private Umfeld. So wird bei Haushaltshilfen kräftig gespart. Nanny-Agenturen berichten über heftige Umsatzeinbrüche. Und das Laub im Garten harkte bereits im Herbst oft nicht mehr der freundliche Mexikaner sondern der mürrische Hausherr selbst zusammen.

An der neuen Bescheidenheit verdient vor allem Wal-Mart. Der Einzelhandelsriese mit dem Niedrigpreisanspruch sowie die weltgrößte Fast-Food-Kette McDonald’s sind die einzigen Werte aus dem US-Börsenleitindex Dow Jones Industrial, deren Kurse heute höher stehen als vor einem Jahr. Beim Burgerbrater sieht die erfolgreiche Abspeckstrategie so aus: Der Double Cheeseburger wird in McDouble Burger umgetauft und zwischen den Brötchenhälften steckt nur noch eine Scheibe Käse.

Auch Aldi profitiert vom gesteigerten Preisbewusstsein der Amerikaner. Trader Joe’s, die US-Tochter des deutschen Discounters, gilt unter Smart Shoppern als heißer Tipp. Studenten der New York University stehen am Wochenende vor dem Weinladen der Kette in der Nähe des Union Square Schlange, um ein paar Flaschen „Two Buck Chuck“ zu ergattern, einen kalifornischen Zwei-Dollar-Wein der Marke Charles Shaw.

So günstig gibt es in New York nirgendwo anders einen halbwegs trinkbaren Tropfen. Besserverdienende Kunden kaufen im gleichen Geschäft Marken-Champagner zu deutlich niedrigeren Preisen als im normalen Liquor Store.

Man gönnt sich ja sonst nichts mehr. So meldete der Verband der Bordellbesitzer in Nevada im Sommer einen Rückgang der Einnahmen von fast 50 Prozent. Dennis Hof, Betreiber des durch eine TV-Serie bekannt gewordenen Etablissements Moon-lite Bunny Ranch, hielt mit einem Rezessionsangebot dagegen: Die ersten 100 Kunden, die mit den im Juni an US-Bürger zur Konjunkturstütze verteilten Konsumschecks auftauchten, sollten den doppelten Service zum einfachen Preis erhalten.

Er wolle seinen Kunden den meisten „Bang for the Buck“ geben, kündigte Hof an, „jemand bringt den 600-Dollar-Scheck und wir geben ihm die die 1200-Dollar-George-Bush-Party mit drei Mädels und einer Flasche Schampus“. So kann man natürlich auch (die Wirtschaft) stimulieren.

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