USA: US-Firmen kämpfen mit Riesen-Rabatten gegen die Rezession

USA: US-Firmen kämpfen mit Riesen-Rabatten gegen die Rezession

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Hot-Dog-Stand in New York. Selbst legendäre Imbissbuden wie Gray's Papaya kämpfen mit Billigmenüs um Kundschaft

Amerikanische Verbraucher und Unternehmen stellen um auf Rezessionsmodus. Gegen die neue Kaufunlust hagelt es Sonderangebote wie nie zuvor.

Wie schön wäre es, in Zeiten wie diesen das Geld selbst drucken zu können! Offenbar lassen sich einige kriminell veranlagte Zeitgenossen von der Strafandrohung für Fälscher nicht abschrecken. „Wenn Cash King ist, stell’ sicher, dass es auch echt ist“, warnt Robert Simkavitz, Chef von FreelineUSA, einem auf Sicherheitstechnologie spezialisierten Unternehmen aus Colorado.

Der gute Rat kommt nicht ohne Eigennutz. Simkavitz verkauft einen Infrarotscanner, mit dem Einzelhändler Blüten erkennen können. „Unsere Verkaufzahlen sind gestiegen“, sagt er. Details mag er nicht nennen, aber den Grund: „Die Leute zahlen wieder mehr mit Bargeld, seit viele Kreditkartenanbieter die Kreditlinien gestutzt haben.“

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In einem Fast-Food-Restaurant in Denver seien an einem Tag Falschgeldnoten im Wert von 800 Dollar aufgetaucht. Da rechne sich der kleine Scanner mit dem Namen CatchFraud schnell. Zumal FreelineUSA den Preis von 120 auf 85 Dollar gesenkt hat, eine „Konzession an die Rezession“, sagt Simkavitz.

Gewinner sind eine seltene Spezies in dieser Krise, die ausgehend vom Immobilienmarkt und dem Finanzsektor mittlerweile fast die gesamte US-Wirtschaft erfasst hat. Selbst in Las Vegas bleiben die Zocker weg, die Casino-Umsätze brechen ein.

Vor allem Unternehmen aus der Konsum- und Dienstleistungsbranche bekommen eine bisher in den USA praktisch unbekannte Kaufunlust zu spüren. Sie haben deshalb in Einkaufszentren und Kaufhäusern eine Rabattschlacht noch nie gesehenen Ausmaßes entfacht. Das ruiniert zwar die Margen. Doch wer es, wie die Modemarke Abercrombie & Fitch, ohne reißerische Angebote versucht, dem laufen die Kunden davon.

Der Sparzwang macht auch vor den Begüterten nicht halt. Das Luxuskaufhaus Neiman Marcus meldete einen Gewinneinbruch von 84 Prozent, die Juwelierlegende Tiffany’s kündigte umfangreiche Entlassungen an. Kein Wunder: Wer an der Wall Street gerade Job und/oder Bonus verloren hat, geht das Weihnachts-Shopping vermutlich bescheidener an und schaltet auf Rezessionsmodus um.

Die Frau eines Anwalts aus Stamford in Connecticut, die morgens regelmäßig im Schwimmbad ihre Bahnen zieht, bekommt dort neuerdings ungewohnte Gesellschaft: „Das Bad ist voll mit Vätern, die offenbar zurzeit arbeitslos sind und mit ihren Kleinen schwimmen gehen.“

Macy’s, das berühmte Kaufhaus am New Yorker Herald Square, nimmt potenziellen Ärger mit Designerlabels in Kauf und setzt die Preise vieler Artikel bekannter Hersteller wie Calvin Klein oder Ralph Lauren drastisch herab. „In diesem Jahr ist alles anders“, sagt ein Macy’s-Manager, „ohne deutliche Preisnachlässe bereits vor Weihnachten können wir das Zeug nicht bewegen.“ Mindestens 50 Prozent Rabatt – das scheint der neue Standard zu sein.

Mit Lockangeboten versucht fast jeder größere Händler, die Leute in seinen Laden zu bekommen. Kauf’ ein Teil und du bekommst das zweite 50 Prozent billiger, kauf’ zwei Paar und du bekommst eines geschenkt – ohne solche Deals kommt kein Modehaus oder Schuhgeschäft über die Runden. „Ich bin ein Sonderangebots-Junkie!“, freut sich Rachel Burton von der Upper East Side.

„Der Trick ist, sich online bei seinen Lieblingsläden registrieren zu lassen, dann mailen sie dir Coupons und Infos über Discounts“, erzählt die 30-Jährige, die bei einem Pharmaunternehmen in Manhattan arbeitet.

Den härtesten Kampf um den Kunden liefert sich die New Yorker Restaurantszene. Top-Adressen verzeichnen heftige Umsatzeinbrüche, weil den unter Bonusentzug leidenden Bankern und Hedgefonds-Managern nicht zum Feiern zumute ist. Das Zwei-Sterne-Restaurant The London im Theater District, das vom britischen Star-Fernsehkoch Gordon Ramsey geführt wird, verlor durch ausgefallene Weihnachtsfeiern im Vergleich zum Vorjahr nach eigenen Angaben rund eine Million Dollar.

Sogar der begehrte Chef’s Table, an dem bis zu acht Personen bei einem Probiermenü zum Gesamtpreis von 1900 Dollar – ohne Trinkgeld und Getränke – direkten Einblick in das Treiben der mit 25 Leuten besetzten Küche haben, ist neuerdings relativ kurzfristig zu buchen. Rabattaktionen gibt es im The London zwar noch nicht. „Man kann aber wie überall verhandeln“, sagt ein Gastronomie-Kenner.

Vor einem Jahr galt es unter den notorisch optimistischen Amerikanern noch als verpönt, das böse R-Wort überhaupt in den Mund zu nehmen.

In der Vorweihnachtszeit 2008 ist das Recession Special als Werbeangebot allgegenwärtig geworden – bei dem chinesischen Restaurant Vanessa’s Dumplings auf der 14th Street, bei einem persönlichen Fitnesstrainer namens Castro, der seinen Stundensatz von bisher üblichen 40 bis 50 Dollar auf 25 Dollar reduziert, oder als 15-prozentiger Rabatt für einen Aufenthalt im Hotel Sugar Bay House auf der Karibikinsel St. Croix.

New Yorks berühmteste Hot-Dog-Bude, die Minikette Gray’s Papaya, musste zwar im Oktober wegen der gestiegenen Preise für Fleisch und Brot den Preis für das Recession Special – zwei Hot Dogs und ein Getränk – von 3,50 auf 4,45 Dollar erhöhen. Der Nachfrage habe das aber nicht geschadet, sagt einer der Latino-Verkäufer auf der Ecke von 8. Straße und 9. Avenue.

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