Verbraucher: Der Zorn von Chinas Konsumenten

Verbraucher: Der Zorn von Chinas Konsumenten

von Philipp Mattheis

Der Zorn chinesischer Verbraucher ist berüchtigt. Aus einer kleinen Verfehlung eines Unternehmens braut sich im Internet schnell ein Shitstorm zusammen. Jetzt trifft es mit Coca Cola und Unilever zwei ausländische Unternehmen.

Tee, insbesondere grüner, ist für Chinesen was für Bayern Bier oder Amerikaner Coca Cola ist: ein flüssiges Lebensmittel, das in seiner Wichtigkeit knapp hinter Wasser rangiert. Die jüngsten Lebensmittelskandale in China betreffen ausgerechnet Tee und Coca Cola. Wieder einmal stehen zwei ausländische Unternehmen im Zentrum der Kritik.

Ausgerechnet im Tee hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace vor kurzem Pestizide nachgewiesen. Zwischen Dezember 2011 und Januar 2012 kaufte die NGO 18 verschiedene Tee-Produkte (grüner Tee, Oolong, Jasmin) von insgesamt neun Herstellern. Die Läden befanden sich in Peking, Chengdu und Haikou, die Preise schwankten zwischen 120 RMB (rund 15 Euro) und 2000 RMB (rund 250 Euro) pro Kilogramm. Die Ergebnisse der Tests sind beunruhigend: Zwölf der 18 Proben enthielten Spuren von verbotenen Pestiziden. Im Februar testete die Organisation Teebeutel der Marke Lipton: Auch hier fanden sich in drei von vier Teesorten Spuren von insgesamt 17 verschiedenen in der EU verbotenen Pestiziden. Im Fokus steht besonders das für den Menschen toxische Methomyl.

Anzeige

Chinas laxe Vorschriften

"Als der weltgrößte Teeproduzent zieht Lipton Vorteile aus den laxen Pestizid-Vorschriften Chinas", wirft Wang Jing, Nahrungs- und Landwirtschafts-Aktivist von Greenpeace dem Unternehmen vor.

China ist sowohl der weltgrößte Teeproduzent als auch der größte Verbraucher von Pestiziden. Erst im vergangenen Jahr verbot die Regierung zehn von 22 giftigen Pflanzenschutzmitteln. Viele der 400 in der EU verbotenen Mittel dürfen in China allerdings verwendet werden. "Das bedeutet, dass Lipton seine Produkte an unzählige nicht-informierte chinesische Konsumenten verkauft, die nicht EU-Standards entsprechen", sagt Wang.

Dass die Standards für den Gebrauch von Pestiziden nicht angemessen seien, streitet die Regierung ab. "Chinas Standards für Pestizid-Rückstände entsprechen den Prinzipien der Codex Alimentarius Kommission und den Ernährungsgewohnheiten des chinesischen Volkes", sagt Jian Qu, vom Landwirtschaftsministerium. Da Klima, Schädlingsarten und Pflanzenkrankheiten von Land zu Land unterschiedlich seien, könne man die Vorschriften für den Gebrauch von Pestiziden nicht einfach übertragen.

Auch Unilever China weist die Vorwürfe zurück. "Als multinationales Unternehmen hat Unilever stets auf hohe Qualität und den Schutz der Konsumentenrechte Wert gelegt", schreibt das Unternehmen auf Weibo, dem chinesischen Kurznachrichtendienst, in etwa mit dem westlichen Twitter vergleichbar. Alle Lipton-Tee-Produkte seien absolut in Übereinstimmung mit nationalen Pestizid-Richtlinien, sicher und entsprächen höchsten Standards.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%