
Deutschland schuldet Griechenland nach Ansicht eines prominenten Widerstandskämpfers Milliarden von Euro und nicht umgekehrt. Die noch fälligen Entschädigungszahlungen aus der Kriegszeit beliefen sich auf 162 Milliarden Euro und überstiegen damit das gesamte EU-Rettungspaket von 130 Milliarden Euro bei weitem, erklärte der von vielen Griechen verehrte Manolis Glezos.
Der heute 89-Jährige kletterte im Mai 1941 auf die Akropolis und entfernte eine Hakenkreuz-Fahne. "Wenn man drei Prozent Zinsen hinzurechnet, kommt man auf über eine Billion Euro. Aber wir können einen 'Haircut' auf die Zinsen akzeptieren", sagte Glezos in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.
Glezos wurde von den Nazis inhaftiert, gefoltert und in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Seine Stimme hat in Griechenland wegen seines berühmten Widerstands-Aktes besonderes Gewicht. Er ist noch heute ein prominenter Parlamentarier und kandidierte bei der Wahl am vergangenen Sonntag für die radikale Linke Syriza. Allein in der vergangenen Woche gab er nach eigener Aussage ausländischen Medien 80 Interviews - darunter Journalisten aus Japan und Venezuela.
Glezos erklärte, Deutschland habe die Griechen nie für die Nazi-Besatzung und Ausplünderung des Landes zwischen 1941 und 1944 entschädigt. Das lange aus den Schlagzeilen verschwundene Thema Reparationszahlungen hat in Griechenland eine Wiedergeburt erlebt, weil die Bevölkerung in den Auflagen der Geldgeber ein Spardiktat aus Berlin sieht. Die neue griechische Regierung hat sich vorgenommen, der deutschen Bundesregierung eine Abmilderung der Reformprogramms abzuringen.
Bild: dpaSinkendes BIP, steigende Exporte
Das griechische Bruttoinlandprodukt sank 2011 laut Internationalem Währungsfonds zum dritten Jahr in Folge – und jedes Mal wird der Rückgang größer. 2009 sank die Wirtschaftsleistung erstmals um 2,34 Prozent, vergangenes Jahr waren es schon fünf Prozent. Insgesamt trägt die Industrie nur ein Zehntel zur Wirtschaftsleistung bei.
Immerhin steigen die Exporte. Lag das Saldo der griechischen Handelsbilanz laut der Welthandelsorganisation vor vier Jahren noch bei -66,2 Milliarden US-Dollar, waren es 2010 nur noch -41,76 Milliarden.
Nun veröffentlichte das griechische Statistikamt, das vergangenes Jahr die Exporte um 9,4 Prozent gestiegen seien – ausgelassen haben die Statistiker dabei Mineralölprodukte und Schiffe.
Doch was macht die griechische Industrie eigentlich aus? WirtschaftsWoche Online wirft anhand von kürzlich veröffentlichten Zahlen des Deutschen Instituts für Weltwirtschaft (DIW) einen Blick auf die zehn größten verarbeitenden Gewerbe Griechenlands.
Bild: AP10. Maschinen
Maschinen haben für die griechische Produktion nicht die gleiche Bedeutung, wie in Deutschland. Sie liegen laut DIW lediglich an zehnter Stelle der griechischen Industrien. Ihr Anteil macht gerade mal zwei Prozent an der Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe aus. In der gesamten Europäischen Union beträgt der Anteil 10,9 Prozent.
2010 betrugen die Exporte griechischer Maschinen 1,9 Millionen Euro, gleichzeitig wurden Maschinen im Wert von 11,5 Millionen Euro importiert. Das macht ein Saldo von -9,6 Millionen Euro.
Das Bild zeigt einen BMW auf der Automesse in Athen.
Bild: dpa9. Elektrische Ausrüstungen
Elektrische Ausrüstungen liegen für die griechische Industrie an neunter Stelle. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes in Griechenland macht 2,5 Prozent aus – in der EU sind es insgesamt 5,4 Prozent.
Bild: dapd8. Chemie
4,3 Prozent der griechischen Produktion sind chemische Erzeugnisse – ausgenommen ist dabei Mineralöl. In der EU beträgt der Produktionsanteil chemischer Waren generell 6,9 Prozent.
Die griechischen Chemie-Ausfuhren sind 2010 laut DIW auf 2,4 Milliarden Euro gestiegen. 2009 waren es noch 2,1 Milliarden Euro. Das Handelsbilanzsaldo chemischer Erzeugnisse aus Griechenland sank somit auf -4,9 Milliarden.
Bild: dpa7. Textilien und Lederwaren
Bei Stoffen, Leder und Bekleidung ist der Anteil an der griechischen Produktion größer als in der Gesamt-EU. Sie stellen 4,7 Prozent der Bruttowertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes, der Anteil ist generell in der EU nur 4,1 Prozent.
Bild: dpa6. Medizin
Der einzige griechische High-Tech-Zweig, der international mithalten kann, ist die griechische Pharmaindustrie, die sich hauptsächlich rund um Athen befindet und auf Generika spezialisiert ist. Pharmazeutika stellen 5,6 Prozent an der griechischen Produktion, in der EU sind es insgesamt nur 4,6 Prozent.
Bild: dpa/dpaweb5. Gummi- und Kunststoffwaren, Glas, Keramik, Steine und Erden
Acht Prozent am verarbeitenden Gewerbe in Griechenland macht die Produktgruppe rund um Gummi-, Glas- und Steinprodukte aus. In der EU sind es allgemein neun Prozent.
Bild: gms4. Holz, Papier und Druckerzeugnisse
Bei Waren aus Holz liegt Griechenland vorm EU-Durchschnitt. Während diese Erzeugnisse 10,3 Prozent an der griechischen Produktion ausmachen, sind es in der Gesamt-EU 7,3 Prozent.
Bild: REUTERS3. Mineralöl
Eine griechische Stärke ist das Mineralöl. Sein Anteil beträgt 10,5 Prozent an der Bruttowertschöpfung der griechischen Produktion, allgemein sind es in der EU gerade mal 1,2 Prozent.
Mit Öl können die Griechen auch im Ausland Geld verdienen. 1,8 Milliarden Euro waren es 2010 – das sind 446 Millionen mehr als im Vorjahr. Importiert wird trotzdem mehr: 11,5 Milliarden Euro an Mineralöl haben die Griechen 2010 aus dem Ausland gekauft.
Das Unternehmen mit dem höchsten Umsatz in Griechenland ist Hellenic Petroleum mit 8,9 Milliarden Euro. Diese Zahl ist jedoch kein Vergleich zum umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands. Das ist der 159 Milliarden Euro starke Volkswagen-Konzern.
Bild: dpa2. Metall
Am Ende des Balkans gelegen, besitzt Griechenland mit knapp 78 Prozent einen hohen Gebirgsanteil. Und darin verbergen sich einige Rohstoffe, vor allem Bauxit, aus denen die Hellenen Profit schlagen können. 12,5 Prozent an der Bruttowertschöpfung der griechischen Industrie machen Metalle aus. Metalle machen. Trotz der Bodenschätze liegt dieser Wert hinter dem EU-Durchschnitt von 14,2 Prozent.
1,2 Milliarden Euro an Grundstoffen, wie Stahl und Aluminium, verklauften die Griechen 2010 ins Ausland – ein Jahr zuvor waren es 224 Millionen Euro weniger. Im Gegenzug führte Griechenland Vorprodukte im Wert 1,4 Milliarden Euro ein. Das führt auch zu einem Minus in der Handelsbilanz, aber mit -184 Millionen Euro, ist es deutlich niedriger als bei den anderen Branchen.
Sinkendes BIP, steigende Exporte
Das griechische Bruttoinlandprodukt sank 2011 laut Internationalem Währungsfonds zum dritten Jahr in Folge – und jedes Mal wird der Rückgang größer. 2009 sank die Wirtschaftsleistung erstmals um 2,34 Prozent, vergangenes Jahr waren es schon fünf Prozent. Insgesamt trägt die Industrie nur ein Zehntel zur Wirtschaftsleistung bei.
Immerhin steigen die Exporte. Lag das Saldo der griechischen Handelsbilanz laut der Welthandelsorganisation vor vier Jahren noch bei -66,2 Milliarden US-Dollar, waren es 2010 nur noch -41,76 Milliarden.
Nun veröffentlichte das griechische Statistikamt, das vergangenes Jahr die Exporte um 9,4 Prozent gestiegen seien – ausgelassen haben die Statistiker dabei Mineralölprodukte und Schiffe.
Doch was macht die griechische Industrie eigentlich aus? WirtschaftsWoche Online wirft anhand von kürzlich veröffentlichten Zahlen des Deutschen Instituts für Weltwirtschaft (DIW) einen Blick auf die zehn größten verarbeitenden Gewerbe Griechenlands.
Deutschland sei bei einer internationalen Konferenz in Paris 1946 zu einer Entschädigungszahlung von sieben Milliarden Dollar verurteilt worden, erklärte Glezos - dies entspräche unter Berücksichtigung der Inflation heute 108 Milliarden Euro. Außerdem sei Griechenland ein Zwangsdarlehen von 3,5 Milliarden auferlegt worden, was heute einen Wert von 54 Milliarden Euro hätte. Daraus ergebe sich die Summe von 162 Milliarden Euro, rechnete Glezos vor.
Im Februar wollten 28 griechische Parlamentarier das Thema Reparationen in der Volksvertretung debattieren. Die deutsche Bundesregierung erklärte im April, die historische Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg anzuerkennen, aber alle fälligen Entschädigungen an Griechenland beglichen zu haben und dabei sogar über rechtliche Verpflichtungen hinausgegangen zu sein.
Auf die Deutschen und Kanzlerin Angela Merkel ist Glezos noch heute nicht gut zu sprechen. Er vermutet, Merkel wolle sich bei den Griechen für den Widerstand gegen das Dritte Reich rächen. Diese Thesen mögen zwar gewagt sein, fallen aber bei der durch hohe Arbeitslosigkeit und Rezession frustrierten griechischen Bevölkerung auf fruchtbaren Boden.















