Verteidigungsausgaben steigen: Die Welt rüstet auf

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Verteidigungsausgaben steigen: Die Welt rüstet auf

von Tim Rahmann

Die Nationalstaaten geben wieder deutlich mehr Geld für ihre Verteidigung aus. Während Europa seine Wehretats kürzt, rüsten vor allem Asien und die USA auf.

Europa kürzt, Asien, der Nahe Osten und Amerika prassen: Die Ausgaben für Militär und Verteidigung sind im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Insgesamt erhöhten die 171 untersuchten Länder im Jahresbericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London ihre Wehretats um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

In Westeuropa sind die Militärbudgets im Vergleich zu 2010 um über acht Prozent zurückgegangen. Die Kürzungen aber machen die Asiaten alleine wett. Im vergangenen Jahr hat China dem Bericht zufolge seine Militärausgaben um 12,2 Prozent hochgefahren. Der Verteidigungshaushalt des Riesenreichs mache inzwischen 38 Prozent der gesamten asiatischen Verteidigungsausgaben aus; im Jahr 2010 habe der Anteil noch bei 28 Prozent gelegen. Der regionale Kontrahent Japan habe 2014 nach langer Stagnation seine Verteidigungsausgaben um 2,2 Prozent erhöht. 

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China hat inzwischen den zweithöchsten Verteidigungsetat der Welt. Peking gab zuletzt knapp 130 Milliarden US-Dollar für die Finanzierung von Armee und Rüstungsprojekten aus. Unangefochtene Nummer eins bleiben die USA. Ihr Budget betrug im vergangenen Jahr 581 Milliarden US-Dollar – und lag damit 13 Mal höher als der deutsche Wehretat.

Die Rüstungsweltmeister

  • 10. Südkorea

    Immerhin 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gibt Südkorea - ein Verbündeter der USA für seine Verteidigung aus. Konkret waren das im vergangenen Jahr 34,4 Milliarden US-Dollar (30,4 Milliarden Euro). Quelle: Internationales Institut für Strategische Studien.

  • 9. Deutschland

    Rund 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gab Deutschland zuletzt für die Bundeswehr aus. Der Verteidigungsetat lag 2014 nach IISS-Schätzung bei 43,9 Milliarden Dollar (38,8 Milliarden Euro).

  • 8. Indien

    Indien befindet sich in einer Dauerfehde mit seinem Nachbarn Pakistan. Ein Wettrüsten findet statt und treibt die Verteidigungskosten in die Höhe. Der Wehretat lag im vergangenen Jahr bei 45,2 Milliarden US-Dollar '(knapp 40 Milliarden Euro).

  • 7. Japan

    Japan gibt nur knapp einen Prozent seines Gesamthaushalts für die Verteidigung aus - das sind aber in absoluten Zahlen immerhin noch 47,7 Milliarden US-Dollar und damit der siebtgrößte Wert weltweit.

  • 6. Frankreich

    Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone stemmt den größten Verteidigungshaushalt innerhalb der Währungsunion. Mit einem Wehretat von 53,1 Milliarden US-Dollar (46,9 Milliarden Euro) liegt Paris deutlich vor den Deutschen.

  • 5. Großbritannien

    Knapp 62 Milliarden US-Dollar (54,6 Milliarden Euro) nahmen die Briten im vergangenen Jahr in die Hand, um ihre Armee auszurüsten und zu bezahlen - kein europäischer Staat hatte einen höheren Verteidigungsetat.

  • 4. Russland

    Russland rüstet auf. Im vergangenen Jahr investierte Moskau 70 Milliarden US-Dollar in seine Truppen (= 61,9 Milliarden Euro).

  • 3. Saudi-Arabien

    Das ölreiche Land hatte im vergangenen Jahr einen Wehretat in Höhe von 80,8 Milliarden US-Dollar (das entspricht beim derzeitigen Umrechnungskurs rund 71,5 Milliarden Euro). Es ist der drittgrößte Militärhaushalt weltweit.

  • 2. China

    Dass sich die USA und China ein Duell um die neue Supermacht liefern, lässt sich auch an den Rüstungsausgaben ablesen. Direkt hinter den USA rangieren inzwischen die Chinesen. Ihr Wehretat betrug 2014 129,4 Milliarden US-Dollar (= 114,2 Milliarden Euro)

  • 1. USA

    Meilenweit vorne bei den Militärausgaben liegen die Vereinigten Staaten von Amerika. Dem Verteidigungsministerium stand im vergangenen Jahr ein Budget von 581 Milliarden US-Dollar zur Verfügung (= 513,8 Milliarden Euro) - mehr als das Viereinhalbfache der Chinesen und mehr als das Dreizehnfache Deutschlands.

Trotz der enormen Ausgaben der USA ist das westliche Verteidigungsbündnis NATO nach Ansicht des IISS nur unzureichend auf Konflikte wie in der Ukraine vorbereitet. Es sei noch nicht gelungen, Antworten auf die „hybride Kriegsführung“ zu finden, wie sie etwa von den pro-russischen Kräften in der Ostukraine praktiziert werde, so die Studienautoren.

Als hybride Kriegsführung bezeichnen Militärexperten die Kombination von konventionellen Angriffen und verdeckten, kriminellen oder auch terroristischen Aktionen. Derartige Bedrohungen hätten das Potenzial, westliche Staaten „schnell zu destabilisieren“ und müssten „dringend“ gelöst werden.

Auch der militärische Erfolg im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist nach Einschätzung des Londoner Instituts für Strategische Studien keineswegs gesichert. Die US-geführten Luftschläge und die regionalen Bodentruppen hätten bisher nur etwa ein Prozent der Fläche zurückgewinnen können, die zuvor von IS-Kämpfern eingenommen wurde, sagte der Generalsekretär der weltweit beachteten Denkfabrik, John Chipman. „Es ist klar, dass die kurdischen Peschmerga, die irakische Armee und die Freie Syrische Armee (FSA) trotz der US-Unterstützung mit Waffen, Ausbildung und Luftschlägen noch nicht stark genug sind, um nachhaltige Erfolge gegen den IS zu erzielen.“

Die Konzentration auf militärische Gewinne reiche nicht aus, um die Taktik des IS zu durchbrechen. Es brauche eine Strategie, um das Vertrauen der sunnitischen Minderheit im Irak zurückzugewinnen.

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Der Konflikt mit dem IS in Verbindung mit den Folgen des Arabischen Frühlings habe auch dazu beigetragen, dass die Verteidigungsausgaben in den Ländern des Nahen Ostens sprunghaft nach oben geschossen sind. Die Militärbudgets in der Region seien bis zum Jahr 2011 jährlich um 3,5 Prozent gestiegen.

Nun rechnen die Londoner Militärexperten mit einer Steigerung um zehn Prozent pro Jahr. Mit 80,8 Milliarden US-Dollar (71,5 Milliarden Euro) war Saudi-Arabien im vergangenen Jahr das Land mit dem drittgrößten Verteidigungsetat weltweit, hinter den USA und China. (mit Material von dpa)

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