Vincent Chen im Interview: "Zypern steht hoch im Kurs"

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InterviewVincent Chen im Interview: "Zypern steht hoch im Kurs"

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Vincent Chen hilft reichen Chinesen auszuwandern

von Philipp Mattheis

Wie ein privates Unternehmen reichen Chinesen dabei hilft, ihr Land zu verlassen.

WirtschaftsWoche: Herr Chen, in welche Länder wollen die meisten Ihrer Kunden auswandern?

Chen: Wir haben uns auf Kanada spezialisiert. In letzter Zeit ist das aber schwieriger geworden. Mittlerweile müssen Auswanderer mindestens 800.000 kanadische Dollar investieren und das Geld fünf Jahre zinsfrei der Regierung leihen, um emigrieren zu dürfen. Dafür aber ist Europa, besonders südeuropäische Länder, stark im Kommen. Vor allem Zypern steht gerade hoch im Kurs bei den Chinesen. Kunden aus Nordchina schätzen das milde Klima dort. Auch Portugal zieht gerade viele Kunden an.

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Und wer sind Ihre Kunden?

In der Regel sind es Geschäftsleute um die 40 mit Kindern. In letzter Zeit werden die Kunden allerdings jünger. In China sind in den vergangenen Jahren auch viele junge Leute zu Geld gekommen. Im Schnitt organisieren wir für mehrere Hundert Familien im Jahr die Ausreise.

Ist das ein hart umkämpfter Markt?

Ja. Allein in Shanghai gibt es mehr als 50 entsprechende Agenturen. Die Regierung hat allerdings die Anforderungen für diese Geschäfte erhöht. Auch Werbung ist verboten.

Warum wollen die Menschen raus aus China?

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen. Viele möchten ihr Vermögen besser diversifizieren. Eltern geht es aber vielfach auch um die Ausbildung ihrer Kinder: Das Schulsystem in China ist sehr hart. Besonders vor den Abschlussprüfungen müssen Jugendliche 14 Stunden am Tag lernen. Gleichzeitig hat das Bildungssystem keinen besonders guten Ruf. Viele Eltern wollen deswegen ihre Kinder lieber auf ausländische Schulen schicken. Ein weiterer Grund ist die Lebensqualität in China: Ständig gibt es Skandale wegen verunreinigter Lebensmittel. Die Luftqualität ist extrem schlecht, besonders kleine Kinder leiden unter Atemwegserkrankungen.

Bleiben die Auswanderer dauerhaft im Ausland, oder kehren sie irgendwann wieder in ihre Heimat zurück?

Oft bringt ein Geschäftsmann seine Frau und die Kinder ins Ausland. Er selbst pendelt dann zwischen der neuen Heimat und China, um seine Geschäfte weiterzuführen.

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Chinesen dürfen im Jahr nicht mehr als umgerechnet 40.000 Euro ausführen. Wie können die Leute überhaupt sechsstellige Summen ins Ausland schaffen?

Oft legen einfach mehrere Familienmitglieder zusammen. Wenn Onkel, Tanten und Cousins zusammenlegen, dann reicht das oft. Andere haben Geschäftspartner im Ausland, die finanziell aushelfen.

Warum ist das Thema Auswanderung für viele Chinesen so sensibel?

Ich glaube, es hat etwas mit einer nationalistischen Grundstimmung zu tun. Als zum Beispiel bekannt wurde, dass die Milliardärin Zhang Lan einen Pass von den Cayman Islands gekauft hatte, gab es viele negative Schlagzeilen. Davor haben viele Chinesen Angst.

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