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Vize-Kandidat Biden: Obamas sichere Wahl

von Markus Ziener Quelle: Handelsblatt Online

Mit Joseph Biden hat Barack Obama keine überraschende Wahl für das Amt des möglichen Vizepräsidenten in seiner Regierung präsentiert. Für Insider stellt Biden die vernünftigste, nicht schillerndste Alternative unter den verfügbaren Kandidaten dar. Der 65-jährige Senator soll für Obama vor allem eins bewerkstelligen: Absicherung.

Joseph Biden (rechts) ist für Barack Obama vor allem eins - eine sichere Alternative. Foto: dpa Quelle: dpa
Joseph Biden (rechts) ist für Barack Obama vor allem eins - eine sichere Alternative. Quelle: dpa

WASHINGTON. Mit Joe Biden geht Barack Obama in mehrfacher Hinsicht auf Nummer Sicher: Weil er sich mit ihm Kompetenz auf einem Feld verschafft, das als Obamas Schwachstelle gilt - die Außenpolitik. Weil Biden loyal sein dürfte, da er mit 65 Jahren selbst keine ernsthaften Ambitionen mehr haben kann. Und schließlich: Weil Joe Biden gut als Präsident vorstellbar ist, sollte dies eines Tages notwendig sein. Der altgediente Senator aus Delaware mag deshalb vielleicht nicht die Überraschungswahl sein. Aber langfristig ist dies die weise Wahl.

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Weise auch deshalb, weil Barack Obama damit deutlich macht, dass er seine Problemfelder durchaus kennt. Obama hat das politische Geschäft in Washington bislang nur sehr oberflächlich erlebt. Nach kaum vier Jahren im Senat fehlt ihm die Cleverness von einem, der weiß, wie man Gesetzesprojekte durchbringt, Abgeordnete überzeugt und die vielen Fallen umschifft. Als die First Lady Hillary Clinton 1993 und 1994 versuchte, das Gesundheitswesen zu reformieren, scheiterte sie im Kongress an genau diesem Unwissen - und keiner war da, der sie gewarnt und auf den sie gehört hätte. Mit Biden ist jetzt jemand auf dem Ticket, der weiß, was man in Washington tun kann - und was man besser lassen sollte.

Und Biden ist auch: Ein Senator, der nie die Bodenhaftung verloren hat. Der 65-Jährige hat wenig übrig für jene Liberalen, die selbst reich geworden, lautstark eine linke Politik fordern. Wenn man Obama vorhält, er sei elitär und abgehoben, so trifft dieser Vorwurf auf Biden gewiss nicht zu. Das hilft, um eine Angriffsfläche abzusichern, auf die sich Obamas Kontrahent John McCain mehr und mehr einschießt. Denn mit jeder weiteren Wahlkampfwoche wird klarer, dass McCain seine Erfolgschance vor allem darin sieht, sich selbst als bodenständiger, hart arbeitender Politiker zu portraitieren - und Obama als das genaue Gegenteil darzustellen. Und glaubt man den Umfragen, dann hat diese Strategie durchaus Erfolg.

Bidens Minuspunkte: Er ist ebenfalls "nur" Senator, war nie Gouverneur oder Minister. Ihm fehlt damit auch die Erfahrung des Regierens. Biden redet zuweilen recht viel und manches davon macht nicht immer Sinn. Schließlich: Es ist offen, ob Obama mit der Wahl von Joe Biden jene aus der Hillary Clinton-Gefolgschaft auf seine Seite ziehen kann, die sich immer noch nicht für Obama erwärmen können. Das wäre wahrscheinlich nur gelungen, wenn Obama tatsächlich Hillary aufs Schild gehoben hätte. Doch das war schon alleine aus Gründen der Selbstachtung nicht möglich. Obama will diese Wahl alleine gewinnen und vor allem - danach auch alleine regieren. Mit Biden kann dies gelingen. Mit Hillary hätte er nie gewusst, was hinter seinem Rücken geschieht.

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