„Vollständiger Blackout“: Stromversorgung der Krim aus der Ukraine unterbrochen

„Vollständiger Blackout“: Stromversorgung der Krim aus der Ukraine unterbrochen

, aktualisiert 22. November 2015, 15:28 Uhr
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Die russische Regierung hat den Notstand für die annektierte Krim ausgerufen, wo nach der Sprengung mehrerer Strommasten 1,6 Millionen Menschen ohne Elektrizität sind.

Wegen eines Stromausfalls ist auf der Krim der Notstand ausgerufen worden. Grund für den Zwischenfall ist die Sprengung mehrerer Strommasten in der Ukraine.

Der zerstörte Strommast liegt auf einem Acker in der Südukraine. Durch die Kabel, die von hier aus auf die Halbinsel Krim führen, fließt keine Energie mehr. Mit Sprengsätzen haben Unbekannte den mächtigen Mast zu Fall gebracht. Ein russischer Senator sprach am Sonntag von einem "Terrorakt". Auf der vom Stromnetz abgeschnittenen Schwarzmeer-Halbinsel wird der Notstand ausgerufen. 1,6 Millionen Menschen sollen ohne Elektrizität sein.

Die Führung der Krim erklärt den Montag wegen des Energiemangels zum arbeitsfreien Tag. Zuletzt war es bei internationalen Verhandlungen still geworden um das von Russland annektierte Gebiet. Die Sabotage könnte die Krim wieder stärker ins Bewusstsein rücken.

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Strom aus der Ukraine

Schlagartig sei der Strom weg gewesen, so schildern russische Medien den „Blackout“. Internet, Fernsehen, Heizung: Nichts geht mehr unmittelbar nach dem Anschlag in der Nacht zum Sonntag. Rund zwei Millionen Menschen auf der Krim sitzen im Dunkeln. Auch die mit rund 70 Kilometer längste Trolleybus-Linie der Welt von Simferopol nach Jalta, sonst ein beliebtes Ziel für den Sonntagsausflug, steht still.

Zwar springen etwa in Kliniken und Flughäfen Notstromaggregate an. Auch Radiostationen sind für wichtige Durchsagen mit Strom versorgt. Dieselgeneratoren und mobile Gasturbinen bringen zudem in den Morgenstunden einen Teil der Elektrizität zurück. Das kann aber nicht die 70 Prozent Energie ersetzen, die normalerweise durch vier Leitungen vom ukrainischen Festland auf die Halbinsel fließen.

Der Sabotageakt kommt nicht aus heiterem Himmel. Im Oktober hatte es einen ersten Anschlag gegeben. Ganz deutlich wurde die Gefahr am vergangenen Freitag, als unweit der Grenze zur Halbinsel zwei Strommasten nach Explosionen stürzten - zu Fall gebracht vermutlich durch Antipanzerminen. In zwei anderen Masten bei Tschaplynka klafften Löcher im Metall, ebenfalls von Detonationen. Aktivisten befestigten, fast wie an einer Trophäe, ukrainische Flaggen und eine Krimtataren-Fahne daran und behindern die Reparaturtrupps.

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Quelle: dpa


Seit mehr als zwei Monaten blockieren Angehörige der Minderheit der Krimtataren und auch ukrainische Nationalisten Warentransporte auf die Halbinsel. Sie fordern von der prowestlichen Führung in Kiew auch das Kappen der Stromversorgung. Damit soll die Freilassung gefangener Ukrainer in Russland und das Ende von Einreiseverboten gegen krimtatarische Politiker auf die Halbinsel erreicht werden.

In einer Umfrage sprechen sich 48 Prozent der Ukrainer für eine Energieblockade der Region aus. Dies lehnt die Regierung in Kiew aber ab. Sie kritisiert zwar Russland für die 2014 erfolgte Annexion der Krim, die auch Kanzlerin Angela Merkel als „verbrecherisch“ geißelt. Sonst meidet die ukrainische Führung aber das unbequeme Thema.

Am Samstag dann rückt die Polizei bei den Strommasten an, die hier auf freiem Feld zwischen abgeernteten Feldern und ein paar Büschen stehen. Sicherheitskräfte fordern die Demonstranten zum Abzug auf - die sturzgefährdeten Stromleitungen seien gefährlich. Die Atmosphäre ist geladen, an diesem zweiten Jahrestag des Beginns der prowestlichen Proteste auf dem Maidan (Unabhängigkeitsplatz) in Kiew. Es gibt Wortgefechte und Rangeleien, dann angeblich eine Einigung: Reparaturteams sollen durchgelassen werden, heißt es.

Doch wenig später stürzen die Masten. „Gerade eben war bei Tschaplynka eine Explosion zu hören. Die beschädigten Masten wurden gesprengt“, schreibt der Journalist Osman Paschajew in der Nacht zu Sonntag bei Facebook. Ilja Kiwa von der Polizei bestätigt den Schaden. Die Verantwortung für die Sprengung übernimmt aber niemand. Und die Polizei weist Vorwürfe zurück, sie habe die Stromleitungen nur halbherzig bewacht und damit den Anschlag begünstigt. Nur eins ist zunächst sicher: Die Krim steht ohne Strom da.

Der Kreml arbeitet derweil mit Hochdruck an der Errichtung einer Stromleitung vom russischen Festland zur Krim. Dem ukrainischen Abgeordneten Igor Luzenko zufolge soll bereits seit Wochen ein chinesisches Spezialschiff mit der Verlegung eines Kabels beschäftigt sein. Nach dem „Blackout“ dürfte Moskau die Arbeiten beschleunigen.

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