Von Milliardär zu Milliardär: Carlos Slim erteilt Trump Ratschläge

Von Milliardär zu Milliardär: Carlos Slim erteilt Trump Ratschläge

, aktualisiert 28. Januar 2017, 04:00 Uhr
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Der Multimilliardär Carlos Slim liest auf einer Pressekonferenz aus Donald Trumps Buch. Sein Fazit: Trump will zurück in die Vergangenheit, aber das funktioniert nicht mehr.

von Klaus EhringfeldQuelle:Handelsblatt Online

Carlos Slim meldet sich zu Wort und gibt Donald Trump und Mexikos Peña Nieto Ratschläge. Mexikos Großunternehmer wirft dem US-Präsidenten eine rückwärtsgewandte Politik vor, die schief gehen muss.

Mexiko-StadtEs kommt selten vor, dass Carlos Slim öffentlich spricht. Der reichste Mensch Mexikos meidet die Öffentlichkeit und lässt lieber seine Unternehmen und Geschäfte sprechen. Aber in diesem Moment der nationalen Notlage hat Slim etwas mitzuteilen und meldet zum ersten Mal seit drei Jahren öffentlich zu Wort. Der Unternehmer ängstigt sich um sein Land, das er „in der schlimmsten Krise seit mehr als hundert Jahren“ sieht. Und wenn sich Slim um sein Land ängstigt, dann ja auch um seine Geschäfte, auch wenn er das so nicht sagt. Denn irgendwie gehören ihm große Teile Mexikos.

Die Mexikaner führen ihre Telefonate über seine Anbieter. Für das Internet nutzen sie Slims Provider. Sie gehen in den Restaurants seiner Ketten essen. Sie schlafen in Betten aus seinen Kaufhäusern. CDs, Konzertkarten, Flugtickets, Krankenhausaufenthalte - immer verdient Slim. Selbst das Geld dafür kommt aus den Geldautomaten seiner Banken. Slims Einnahmenmaschine ist gut geschmiert, aber sie ist in den vergangenen Jahren ins Stottern geraten. Der einstmals reichste Mensch der Welt mit rund 77 Milliarden Dollar hat rund ein Drittel seines Reichtums eingebüßt. Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ taxiert ihn auf nur noch 50 Milliarden Dollar. Die schlechte Performance der mexikanischen Wirtschaft und der schwächelnde Peso haben seinen Unternehmen zugesetzt. Aber der Sohn libanesischer Einwanderer ist noch immer in einer komfortablen Position in einem Land, in dem 50 Millionen Menschen mit kaum zwei Dollar überleben müssen.

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Aber jetzt, wo sich Mexiko in einer Krise ohne Gleichen mit seinem Nachbarn USA sieht, könnte es bald der Wirtschaft noch viel schlechter gehen. Und damit auch ihm.
Zwei Tage nach dem diplomatischen Showdown zwischen den Präsidenten der USA und Mexikos, Donald Trump und Enrique Peña Nieto, lädt der Mann, den ganz Mexiko nur den „Ingenieur“ nennt, vom einen auf den anderen Tag zu einer Pressekonferenz in sein Imperium in Mexiko-Stadt. Und die nationale und internationale Presse reiht sich schon Stunden vorher vor dem Gebäude seiner Bank Inbursa auf, wo er seine Büros hat. 200 Fotografen und 200 Reporter sind an diesem Freitag gekommen, es werden Kaffee und Häppchen aus der hauseigenen Cafeteria gereicht. Und um 13.04 Uhr, mit einer guten halben Stunde Verspätung, betritt Slim flankiert von Sohn und Schwiegersohn den Saal, graue Haare, grauen Schnurrbart, gedeckter Anzug, himmelblaue Krawatte.


„Trump will zurück in die Vergangenheit“

Vor sich auf dem Podium liegt Trumps Buch „Great again, wie ich Amerika retten werde“ aus dem Slim mehrfach zitieren wird. Seine Rede ist eher ein Vortrag, so etwas wie eine parallele Regierungserklärung auf der einen Seite und Nachhilfeunterricht in Wirtschaftspolitik auf der anderen Seite. Slim gibt Ratschläge, wie man auf die Bedrohungen von US-Präsident Trump reagieren muss, welche Fehler der neue Chef im Weißen Haus macht und warum die Mexikaner ihm eher helfen als schaden können. Slim wirkt an diesem Mittag wie ein Nebenpräsident, so dass ihn irgendwann eine Reporterin fragt, ob er denn bei der Präsidentenwahl im kommenden Jahr kandidieren wolle. Slim verneint - natürlich. Er sei seinem Land als Unternehmer sicher nützlicher.

Der Sohn libanesischer Einwanderer, der am Samstag 77 Jahre alt wird, appelliert an das nationale Pathos, den Zusammenhalt, den Mexiko in den vergangenen Tagen nach den Anwürfen und Beleidigungen von Donald Trump gezeigt hat. „Mich freut es ungemein zu sehen, dass und wie Mexiko zusammensteht. Das habe ich zuletzt beim Erdbeben von 1985 gesehen.“

Es ist ja auch so etwas wie ein Erdbeben, was seit einer Woche über Mexiko hereingebrochen ist: Donald Trump, die Mauer, die Drohungen, die Nafta zu kündigen, der diplomatische Showdown - erst langsam beginnt Mexiko die Trümmer zu sortieren, die dieser Mann, den Slim „Tromff“ ausspricht, hinterlassen hat.

Señor Tromff stellt dabei alles in Frage, was Mexiko und die USA verbindet – vor allem das Handelsabkommen Nafta, das in den vergangenen zwei Jahrzehnten Grundlage des mexikanischen Wachstums war. Und Slim versucht zu widerlegen, dass mit einer Rückkehr der Arbeitsplätze in die USA alles besser werde. „Trump will zurück in die Vergangenheit“, hänge regressiven Utopien an, träume vom Industrieboom des frühen 20. Jahrhunderts, der den USA Wohlstand gebracht habe, doziert Slim. „Aber das ist so, als ginge er in der Zivilisation zurück und nicht nach vorne, das wird nicht klappen“. Auch könne Trump nicht in kürzester Zeit alle Fabriken in Mexiko abbauen lassen und in die USA zurückbeordern. „Das funktioniert nicht.“ Er verkenne dabei, dass dies die Kosten für die Konsumenten in seinem Land explodieren ließe. „Ich hoffe, dass der Präsident sich daran erinnert, dass Globalisierung, Pluralität, Umwelt und Menschenrechte fundamentale Prinzipien sind“. Slim hatte sich im Dezember in Florida mit Trump getroffen und hinterher von einem interessanten Gespräch berichtet.

Aber Slim kritisierte nicht nur sehr eloquent das Regierungsprogramm Trumps, sondern gab auch ganz unverhohlen an Peña Nieto Ratschläge, wie man auf die Herausforderungen reagieren solle: „Mexiko muss wieder mehr auf seinen nationalen Markt schauen“. Der müsse angekurbelt werden, Slim forderte mehr nationale Investitionen, mehr Ausgaben für Infrastruktur. Und er unterstützt, dass die Zentralbank weiter die üppigen Devisenreserven nutzt, um den Peso zu stärken, der seit Trumps Amtsübernahme von einem historischen Tief zum nächsten taumelt.

Am Freitag übrigens erholte sich die mexikanische Währung merklich. Das lag weniger an Slim als mehr an einem Telefongespräch zwischen Trump und Peña Nieto. Die beiden Staatschefs sprachen den Angaben zufolge eine Stunde miteinander, teilten aber keine Details mit. Aber alleine die Tatsache, dass sie nach der Eskalation der vergangenen Tage miteinander sprachen, ist ja schon ein Fortschritt.

So sah das auch Carlos Slim, der seine Lehrstunden für die beiden Politiker nach einer Stunde und 48 Minuten beendete.

Quelle:  Handelsblatt Online
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