Von wegen Verschwörungstheorie: Krieg ums Öl

ThemaNaher Osten

Von wegen Verschwörungstheorie: Krieg ums Öl

von Tim Rahmann

Beeinflussen die Erdölvorkommen eines Landes, ob sich ausländische Mächte in Konflikte einmischen? Eine Studie kommt zu erstaunlichen Ergebnissen.

Colin Powell hatte Satellitenbilder und 3D-Computeranimationen dabei. Darauf zu sehen: Lastwagen, die angeblich Chemiewaffen transportierten.

Mit seinen Ausführungen versuchte der damalige US-Außenminister im Februar 2003, den UN-Sicherheitsrat von der Gefährlichkeit des Irak zu überzeugen. Eineinhalb Monate später begann die „Koalition der Willigen“ mit der Bombardierung ausgewählter Ziele in Bagdad.

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Kritiker mutmaßten schon damals, den USA ginge es bei der Irak-Invasion nicht um den Kampf gegen Massenvernichtungswaffen und Terrorismus - sondern um die Sicherung der Erdöllieferungen aus dem Irak in die USA.

Ist da was dran oder sind solche Einwände nicht mehr als wirre Verschwörungstheorien? Führen Staaten wirklich Krieg, um an Ölreserven zu kommen?

Was den Ölpreis bestimmt

  • Nachfrage

    Der Ölbedarf hängt stark von der Konjunktur ab. Mit zunehmenden Wirtschaftswachstum steigt auch der Ölverbrauch. So ist der Bedarf nach Öl in den boomenden Schwellenländern China, Indien und Russland in den vergangenen Jahren massiv gestiegen und hat diese Länder zu den größten Ölverbrauchern der Welt gemacht. Hinzu kommen saisonale Einflüsse, etwa vor dem Winter mit steigendem Heizölbedarf oder der so genannten „Driving Season“ in den USA, weil dann der Benzinverbrauch sprunghaft steigt.

  • Preiselastizität

    Der Ölpreis hat kaum Auswirkungen auf die Nachfrage, da der Ölverbrauch bei steigendem Ölpreis nicht einfach so eingeschränkt werden kann – man spricht von einer preisunelastischen Nachfrage.

  • OPEC

    Der Verbund der Erdöl fördernden Länder spricht sich regelmäßig bezüglich der Fördermenge ab, was natürlich Auswirkungen auf den Ölpreis hat. Sollten sich vor allem die arabischen Länder auf ein Senkung der Fördermenge einigen, verknappt dies das Angebot und treibt den Preis für Rohöl.

  • Erdölreserven

    Erdöl ist grundsätzlich ein knappes Gut, aber es herrscht auch viel Unsicherheit darüber, wie lange die Vorkommen reichen. Hinzu kommt, dass mit steigendem Ölpreis auch der Abbau nur zu höheren Produktionskosten abbaubarer Ölvorkommen eher lohnt, z.B. die Ölgewinnung aus Ölschiefer, Ölsand oder durch Tiefsee-Bohrungen. Außerdem neigen die großen Raffinerien ebenso wie Staaten dazu, ihre Lagerhaltung auszuweiten, wenn der Ölpreis starken Schwankungen unterliegt. Stocken diese Marktteilnehmer ihre Lagerbestände massiv auf, sorgt die erhöhte Nachfrage kurzfristig für neue Preishochs.

  • Finanzmarkt

    An den Börsen wird Öl in Form von Terminkontrakten gehandelt. Die Marktteilnehmer kaufen also Öl, das erst zu einem späteren Zeitpunkt zum vereinbarten Preis geliefert wird. Vom Spotpreis wird gesprochen, wenn es sich um kurzfristige Terminkontrakte handelt, bei denen das Öl innerhalb von zwei Wochen geliefert wird. Längerfristige Terminkontrakte können auch für Spekulanten attraktiv sein.

  • Wechselkurse

    Der US-Dollar ist die Standardwährung im Rohstoffmarkt. Eine Änderung des Dollar-Kurse hat somit Einfluss auf die Ertragslage des Erdölexporteurs. Auf Staatenebene spielt dabei eine Rolle, wie viele Güter in der Handelsbilanz stehen, die in Dollar bezahlt werden. Die erdölexportierenden Länder haben daher Interesse daran, bei einem fallenden Dollarkurs die Exportpreise für Erdöl etwa durch Angebotsverknappung anzuheben.

Das Bedürfnis nach Öl ist "dominant"

Dieser Frage wollten jetzt die Hochschuldozenten Petros Sekeris (Universität von Portsmouth) und Vincenzo Bove (Universität von Warwick) nachgehen. Deshalb untersuchten sie für eine Studie 69 Länder, in denen zwischen 1945 und 1999 Bürgerkriege wüteten. In rund zwei Drittel der Konflikte griffen ausländische Mächte ein. Zum Beispiel die Sowjetunion 1958 in Indonesien, Großbritannien in Nigeria (1967 bis 1970) oder die USA im Irak 1992.

Alle drei Beispiele dienen zugleich als Beleg, dass Länder, die über hohe Erdölreserven und eine gewisse Marktmacht verfügen, auf militärische Unterstützung aus dem Ausland hoffen können. „Militärinterventionen sind teuer und riskant“, schreiben die Studienautoren in einem Beitrag, „kein Land greift in einen Bürgerkrieg ei, ohne die Kosten und Nutzen gegeneinander abzuwägen“.

Besonders engagiert sind demzufolge Länder, die auf Ölimporte angewiesen sind. Etwa die USA oder Großbritannien, das Ende der Sechzigerjahre der größte Erdölimporteur der Welt war. Natürlich spielten bei Militärinterventionen auch immer historische Verbindungen und Sicherheitsinteressen eine Rolle, so die Studienautoren. Das Bedürfnis nach Öl aber sei „dominant“.

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Mehr noch: Länder, die mindestens 20 Prozent mehr Erdöl exportieren als importieren und signifikante Ölreserven haben, sind demnach besonders gefährdet für eine Einmischung von außen. Syrien oder auch Ruanda (1994) erfüllen diese Faktoren nicht. Eine Erklärung dafür, warum die Menschen vor Ort in den jeweiligen Bürgerkriegen keine Hilfe bekamen.

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