
Athen/BerlinNervös schaut Europa auf die Parlamentswahl an diesem Sonntag in Griechenland. Von der Entscheidung der Griechen hängt nach Ansicht vieler Analysten ab, ob das Land in der Eurozone bleibt. Verabschiedet sich Griechenland von der Einheitswährung, könnte eine Währungskrise ganz Europa erschüttern. Angesichts einer drohenden Staatspleite stehen die knapp 9,7 Millionen Wahlberechtigten vor einer Richtungswahl. Nach letzten Umfragen deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der konservativen Nea Dimokratia (ND) und dem Bündnis der radikalen Linken (Syriza) ab.
Die Konservativen sind klar für einen Verbleib im Euroland - das Sparprogramm wollen sie aber lockern. Der Chef der Linken, Alexis Tsipras, meinte dagegen: „Der Euro ist für uns kein Fetisch“. Der Vorsitzende der Konservativen, Antonis Samaras, will daran nicht denken: „Wir werden niemandem erlauben, mit der Zukunft unseres Landes zu spielen und uns aus dem Euroland herauszuführen“, sagte er am späten Freitagabend bei seiner Wahlkampf-Abschlussrede in Athen.
Entsprechend zwiespältig war das Bild in der griechischen Presse am Samstag. Überzeugt von dem Sieg der Linken schrieb das Parteiblatt des Linksbündnisses Syriza, das Volk werde „dem korrupten System ein Ende bereiten“. Eine neue „gerechte und solidarische Gesellschaft sei im Kommen“. Die Zeitung der politischen Mitte, „Ta Nea“ titelte: „Euro oder Drachme“ - dies sei das Dilemma. Darunter druckte das Blatt zwei Münzhälften, eine des Euro und eine der alten Währung, der Drachme.
In einem Kommentar hieß es, es wäre schade, wenn Griechenland ausgerechnet jetzt, wo die Stimmung in Europa sich gegen rigides Sparen wende, die Eurozone verlasse. Die konservative Zeitung „Kathimerini“ meint, es werde am Sonntag ein Wettstreit zwischen den Konservativen und der Linken geben. Boulevardzeitungen machten Panik - am Montag werde es eine „Volksrevolution“ geben.
Die Finanzmärkte waren vor der Wahl nervös, weil der Wahlausgang und die Folgen für die Weltwirtschaft schwer einzuschätzen sind. Auch wenn es offiziell keine Bestätigungen dafür gibt: Notenbanken und Politik stehen wohl bereit, um auf einen möglichen Absturz der Märkte schnell reagieren zu können. Jedoch wollte die Europäische Zentralbank (EZB) Berichte nicht bestätigen, die wichtigsten Notenbanken der Welt planten ein gemeinsames Vorgehen im Falle von Marktturbulenzen. „Kein Kommentar“, hieß es bei der EZB in Frankfurt.
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