Vor nahendem Winter: Oettinger vermittelt im Gasstreit zwischen Moskau und Kiew

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Vor nahendem Winter: Oettinger vermittelt im Gasstreit zwischen Moskau und Kiew

Der Winter naht, die Ukraine benötigt dringend Gas. Aber vor gut drei Monaten hat Moskau die Lieferungen wegen eines Preisstreits eingestellt. Jetzt machte EU-Energiekommissar Oettinger einen Vermittlungsvorschlag.

In der Ukraine-Krise stehen die Zeichen weiter auf Annäherung. Kurz vor Beginn der kalten Jahreszeit legte EU-Energiekommissar Günther Oettinger im Gasstreit zwischen Moskau und Kiew einen Kompromissvorschlag vor. Die Ukraine solle den größten Teil seiner Schulden bezahlen und Moskau die Gaslieferungen wieder aufnehmen, sagte Oettinger am Freitag in Berlin. In New York sah der russische Außenminister Sergej Lawrow Spielraum für eine Lösung der Krise in der Ostukraine. Grund sei die kürzliche Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Kiew, das jedoch erst 2016 nach Dreiparteien-Konsultationen zwischen Russland, der Ukraine und Brüssel greifen soll.

Mit der Verschiebung, dem Versprechen von mehr Autonomie für den Osten der Ukraine und dem Ablaufen der Kämpfe habe er Hoffnung auf eine Einigung, sagte Lawrow. Er hoffe, dass dieser Prozess nachhaltig sei. Dazu müssten jedoch alle externen Akteure in der gleichen Tonart spielen. Der russische Chefdiplomat äußerte sich einen Tag vor seiner Rede vor der UN-Vollversammlung. Auch in den Gasstreit könnte nun Bewegung kommen. Russland hatte Mitte Juni seine Gaslieferungen an die Ukraine eingestellt, weil sich beide Länder - auch wegen der Ostukraine-Krise - nicht über unbezahlte Rechnungen einigen konnten. Die Ukraine steht bei Gazprom nach Angaben des Konzerns mit fast 4,5 Milliarden Dollar in der Kreide.

Deutschland im Gasstreit gewappnet

  • Speichermöglichkeiten

    Die Bundesrepublik verfügt mit einer Kapazität von etwa 23 Milliarden Kubikmetern über die weltweit viertgrößten Speichermöglichkeiten. Dies entspricht rechnerisch mehr als einem Viertel des deutschen Jahresbedarfs an Gas.

  • Füllstand der Speicher

    Der Energiestreit zwischen Russland und der Ukraine hat für deutsche Verbraucher zunächst nichts Bedrohliches. Die 51 deutschen Gasspeicher sind aktuell zu knapp 75 Prozent gefüllt, wie aus einer Übersicht europäischer Behörden hervorgeht. Das dürfte bei milder Witterung für mehrere Monate reichen. In den 28 EU-Mitgliedsstaaten sind die Gasspeicher derzeit im Schnitt zu mehr als 64 Prozent gefüllt.

  • Deutsche Erdgasförderung

    Die inländische Erdgasförderung der Bundesrepublik erreichte von Januar bis März 2014 ein Energie-Äquivalent von rund 84.400 Terajoule (TJ). Das liegt acht Prozent unter dem Niveau der ersten drei Monate des vorigen Jahres.

  • Löwenanteil aus ausländischen Quellen

    Das gesamte deutsche Erdgas-Aufkommen (Importe, inländische Gewinnung und Speichermenge) entsprach in den ersten drei Monaten dieses Jahres einem Energiegehalt von rund 1,179 Millionen Terajoule (TJ). Das waren etwa 17,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Mehr als vier Fünftel dieser Menge stammte aus Importen (rund 979.000 TJ) - das sind 2,9 Prozent mehr als zwischen Januar und März 2013.

  • Woher stammen die Gasimporte?

    2013 kamen über 38 Prozent der deutschen Gasimporte aus Russland, EU-weit rund 30 Prozent. Die Baltenstaaten, Finnland, Slowakei und Bulgarien kommen auf bis zu 100 Prozent. Die Hälfte der russischen Gasexporte nach Europa wird über Leitungen (Pipelines) durch die Ukraine abgewickelt. Das übrige russische Gas nimmt den Weg über Weißrussland sowie den direkten Weg durch die Ostsee über die Nordstream-Pipeline.

Oettinger schlug jetzt vor, Kiew solle bis Ende Oktober zwei Milliarden Dollar an Moskau zahlen und bis Ende Dezember weitere 1,1 Milliarden Dollar. Im Gegenzug solle der russische Energiekonzern Gazprom in den kommenden Monaten mindestens fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas liefern und zwar zu einem Preis von 385 Dollar (etwa 303 Euro) pro 1000 Kubikmeter. In der kommenden Woche sollten beide Seiten erklären, ob sie den Vorschlag annehmen. Dann werde es neue Gespräche in Berlin geben.

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