Vorwürfe gegen Trump: Wenn Schweigen großen Mut erfordert

Vorwürfe gegen Trump: Wenn Schweigen großen Mut erfordert

, aktualisiert 11. Januar 2017, 13:13 Uhr
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Die US-Öffentlichkeit soll sich selbst ihre Meinung zu den Vorwürfen gegen den zukünftigen US-Präsidenten bilden. Ja wie denn bitte?

von Nicole BastianQuelle:Handelsblatt Online

Donald Trump hantiert gerne mit nicht bestätigten Vorwürfen. Das ist verlockend, wenn die Details so brisant sind wie jetzt gegen ihn. Wir sollten uns seinem Stil aber nicht anpassen. Ein Kommentar.

DüsseldorfPolitisch mögen wir Donald Trump kritisieren – aber seien wir ehrlich: Wir Medien lieben ihn auch irgendwie. Und wenn es auch eine Hassliebe ist. So viele Storys hat er uns schon beschert – spannende, unterhaltsame, abstoßende, alles war dabei. Bei manchen Geschichten aber ist journalistische Zurückhaltung geboten. Und solch eine kursiert gerade.

Es ist eine brisante Geschichte: Angeblich hat Russland eine ganze Reihe kompromittierender privater und finanzieller Informationen über den künftigen US-Präsidenten gesammelt. Und angeblich unterstützen die russischen Behörden Trump seit mindestens fünf Jahren. Ein ehemaliger britischer Geheimagent hat dies unter Berufung auf russische Quellen aufgeschrieben und an das FBI weitergeleitet.

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Diese Dokumente aus den Monaten Juni bis Dezember vergangenen Jahres kursieren in Washington seit Wochen, teilweise wohl seit Monaten. Und zig Journalisten haben versucht, eine Bestätigung für sie zu bekommen. Da aber noch immer völlig unklar ist, ob die Vorwürfe stimmen, hat bisher kein Journalist wirklich darüber geschrieben. Bis Dienstag.

Da verbreitete der Fernsehsender CNN die Nachricht, die US-Geheimdienste hätten in einem Briefing US-Präsident Barack Obama und seinem Nachfolger Donald Trump eine zweiseitige Zusammenfassung der Vorwürfe als Anhang von Unterlagen überreicht. Ob darüber diskutiert worden ist – unklar. Ob die peinlichen und kompromittierenden Informationen wahr sind – erst recht unklar.

Das Internetportal Buzzfeed veröffentlichte daraufhin 35 Seiten auf seiner Webseite – mit dem Hinweis, dass der Inhalt unbestätigt sei und vielleicht auch gar nicht zu bestätigen, dass einige sachliche oder orthografische Fehler in den Berichten auffielen – aber dass sich die US-Öffentlichkeit nun einfach selbst ihre Meinung bilden sollte. Ja wie denn bitte?

Trump dementierte die Vorwürfe als „Fake News – eine totale politische Hexenjagd“. Auch der Kreml dementiert. Ein Dementi der einen Seite, keine Bestätigung der anderen Seite: Eigentlich journalistisch Grund genug, die Story erst einmal ruhen zu lassen, so frustrierend das sein mag, wenn man all die schönen anzüglichen Details schwarz auf weiß vor sich liegen hat. Dennoch sind die Vorwürfe derzeit mehr oder weniger ausführlich auf jeder Nachrichtenseite zu finden. Der Geist ist aus der Flasche – in zweifacher Hinsicht.

Die Vorwürfe sind so brisant, dass kein Medium sich traut, sie nicht zu thematisieren – auch nicht das Handelsblatt. Schließlich könnten sie jetzt – bestätigt oder nicht – die inneramerikanische politische Debatte und auch das russisch-amerikanische Verhältnis beeinflussen. Es geht schließlich um niemand Geringeren als den mächtigsten Mann der immer noch mächtigsten Nation der Welt. Und sein Verhältnis zu einem der international wichtigsten Gegenspieler der USA. Einfach ignorieren geht da auch irgendwie nicht.

Zum anderen hat Trump selbst während des US-Wahlkampfs mit teilweise unhaltbaren Vorwürfen kreativ gearbeitet, um die öffentliche Meinung einfach erst einmal zu beeinflussen. Richtigstellen kann man ja später immer noch. Postfaktisch heißt das Wort des Jahres, das diesen Politikstil beschreibt. Darf sich so jemand beschweren, wenn er auf gleiche Weise Opfer dieser Diskussion ohne bestätigte Fakten wird? Vielleicht nicht.

Aber wir sollten uns seinem Stil nicht anpassen, schon gar nicht, indem wir die unbestätigten Vorwürfe im Einzelnen widergeben. Auch mit einem unfair agierenden Politiker sollten wir fair umgehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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