Vorwurf der systematischen Folter: Human Rights Watch kritisiert Ägypten

Vorwurf der systematischen Folter: Human Rights Watch kritisiert Ägypten

, aktualisiert 06. September 2017, 11:43 Uhr
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Der ägyptische Staatspräsident habe Folter erlaubt, obwohl die ägyptische Verfassung dies ausdrücklich verbiete.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat schwere Vorwürfe gegen Ägypten erhoben. Demnach soll Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi der systematischen Folter in Haftanstalten zugestimmt haben.

KairoHuman Rights Watch hat dem ägyptischen Staatspräsidenten Abdel Fattah al-Sisi vorgeworfen, systematische Folter in Haftanstalten genehmigt zu haben. Al-Sisi habe Polizei- und Sicherheitsbeamten grünes Licht dafür gegeben, Folter immer dann einzusetzen, wenn es ihnen gefalle, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Mittwoch in einem 63-seitigen Bericht. Die Beamten hätten praktisch nie mit Strafen für ihr Handeln rechnen müssen.

Al-Sisi habe Folter von Gefangenen erlaubt, obwohl die ägyptische Verfassung dies ausdrücklich verbiete, erklärte Human Rights Watch. Zu den Praktiken zählten Schläge, Elektroschocks, das Herausreißen von Fingernägeln, das Ausharren in einem extrem kalten Raum und Vergewaltigungen. In fünf Fällen hätten Beamte Folter genutzt, um vorgefertigte Geständnisse verlesen zu lassen.

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Das Vorgehen komme Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich, schrieb die Organisation. Lokale Menschenrechtsgruppen hätten Dutzende Fälle dokumentiert, in denen Menschen unter Folter in Polizeigewahrsam gestorben seien. In verschiedenen Haftanstalten seien identische Foltermethoden angewendet worden, was einem „Fließband von schwerwiegendem Missbrauch“ gleichkomme.

Die meisten der Gefangenen sind mutmaßliche Unterstützer der Muslimbruderschaft, die nach dem Arabischen Frühling 2011 an Macht gewonnen hatte, seit dem Militärsturz des gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Jahr 2013 aber Ziel eines harten staatlichen Durchgreifens geworden ist.

Ägyptens Innenministerium hat Vorwürfe systematischer Folter in der Vergangenheit abgestritten. Es machte einzelne Beamte für verschiedene Fälle verantwortlich und versicherte, dass diese zur Rechenschaft gezogen würden. Mehrere wurden wegen Folter verurteilt, andere freigesprochen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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