W20: "Auch als Frau kann man in jungen Jahren sehr viel erreichen"

InterviewW20: "Auch als Frau kann man in jungen Jahren sehr viel erreichen"

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TLGG-Geschäftsführerin Fränzi Kühne.

Foto: Max Threlfall

Fränzi Kühne ist 34 Jahre alt und Geschäftsführerin der Berliner Digital-Agentur TLGG. Im Juni wird sie beim Telekom-Unternehmen Freenet als Deutschlands jüngste Aufsichtsrätin in das Kontrollgremium ziehen. Im Interview erklärt sie, warum Personaler in den falschen Netzwerken suchen und wo es weibliche Top-Talente zu finden gibt.

WirtschaftsWoche: Sie haben erst Jura studiert, waren Bloggerin und haben redaktionell gearbeitet. Dann haben Sie die Digitalagentur TLGG mitgegründet. Als nächstes soll es in den Aufsichtsrat von Freenet gehen. Sind Sie bereit für den Job?
Frau Fränzi Kühne: Ich denke schon. Ich berate schon seit geraumer Zeit als Geschäftsführerin von TLGG Kunden bei der Digitalisierung, auch aus der Telekommunikationsbranche. Die Aufgabe als Aufsichtsrätin ist neu für mich und ich freue mich darauf.

Wie kam es dazu, dass Sie als Kandidatin für den Aufsichtsratsposten angesprochen wurden?
Ich wurde direkt durch den Aufsichtsrat vorgeschlagen. Es gab ein Auswahlverfahren und ich habe mich vorgestellt. Freenet suchte nach Expertise im Digitalen, die bringe ich mit. Und ich habe langjährige Führungserfahrung und bin ja auch noch eine Frau. Diese Komponenten zusammen finden Konzerne in Deutschland offenbar selten.

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Machen Sie sich Gedanken darüber, ob Sie nur gewählt wurden, weil Sie eine Frau sind?
Nein, denn wie ich schon erwähnte, bringe ich genau die Erfahrung mit, die gesucht wurde.  Die Frage erübrigt sich.

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WirtschaftsWoche: Wie wollen Sie konkret Freenet weiterhelfen?
Ich werde damit anfangen, Fragen zu stellen, die noch keiner gestellt hat.

In deutschen Aufsichtsräten gibt es trotz Frauenquoten immer noch wenig weibliche Mitglieder. Heute findet in Berlin mit Angela Merkel sogar ein großer Gipfel statt, der W20, bei dem es darum geht, wie der Frauenanteil in der Wirtschaft erhöht werden kann. Was würden Sie persönlich vorschlagen, damit sich etwas ändert?
Ich finde die Quote gut, sonst würde sich wahrscheinlich gar nichts bewegen in diesem Land. Und als nächstes muss das Mittelmanagement aufgebaut werden, da sollte am besten auch eine Quote gelten. Wenn keine weiblichen Führungskräfte systematisch aufgebaut werden, wird sich jedenfalls nachhaltig nichts verändern.

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WirtschaftsWoche: Aber warum gibt es im Jahr 2017 noch so wenige weibliche Führungskräfte, dass es sogar einen Gipfel wie den W20 braucht?
Es gibt da eine einfache Logik: Wenn Männer an der Spitze sind, ziehen sie Männer nach. Gleich und gleich gesellt sich gern. Vielleicht ist es anstrengender, nach einer guten Frau zu suchen. Ich muss aber sagen, dass sich selbst noch nie benachteiligt wurde, weil ich eine Frau bin. Das mag aber auch daran liegen, dass ich nie in einem Konzern gearbeitet habe.

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WirtschaftsWoche: Suchen die großen Unternehmen überhaupt richtig?
Es wäre gut, wenn sich Headhunter oder die Entscheider in den Recruitingabteilungen von Konzernen in neue Netzwerke vorwagten, anstatt in den alten erfolglos zu fischen. Es gibt wahnsinnig viele neue Frauennetzwerke, wo sich Gründerinnen und Managerinnen aus Start-ups und der Digitalbranche treffen. Dort sollten sich die Personaler umschauen, wenn sie kompetente Frauen aus der Digitalbranche suchen. Die gibt es nämlich. Ich habe in der Vergangenheit viele davon kennengelernt. Aber einen Personaler aus einem Konzern habe ich auf so einer Veranstaltung noch nie getroffen.

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WirtschaftsWoche: Bedeutet es Ihnen etwas, dass Sie bald Deutschlands jüngste Aufsichtsrätin eines börsennotierten Konzerns sein werden?
Das klingt schon mal ganz toll. (lacht) Im Ernst: Ich will Vorbild sein. Ich möchte den ambitionierten Frauen da draußen zeigen, dass wir schon in einem jungen Alter viel erreichen können. Und je mehr davon sichtbar werden, umso besser.

WirtschaftsWoche: Haben Sie einen Tipp für jungen Frauen, die genauso weit kommen möchten wie Sie?
Immer mit einer gewissen Leichtigkeit an die Dinge herangehen. Andere machen einem das Leben schon schwer genug, da sollten wir uns mit einem positiven Blick auf die Welt belohnen.

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