
Während ein Teil der Reichen, aber zunehmend auch die gut verdienende Mittelklasse sich zurückzieht in schwer bewachte Gated Communitys, deren Architektur den Lebensstil von Beverly Hills oder Palo Alto imitiert, werden die überschüssigen Massen an den urbanen Elendsrand verbannt, in Hochwassergebiete, an Abwässerteiche oder erdrutschgefährdete Hanglagen, wo sie für ihre selbst gebauten Häuser auch noch Miete zahlen müssen.
Dass improvisierte Siedlungen in die offizielle Stadt integriert werden, ist eher die Ausnahme. Es kostet daher einige Mühe, den Argumenten von ökologisch bewegten Stadtforschern zu folgen, die der Informalität von Slums durchaus Positives abgewinnen: Ihre Bewohner wohnen in spontan gewachsenen Strukturen, sie sammeln Abfall und recyceln ihn, ihre Wege und Straßen dienen vor allem Fußgängern und Radfahrern; ihr nachbarschaftlicher Zusammenhalt bildet Kommunalität im engeren Sinne aus. -Weniger Energie, weniger Autos, mehr Wiederverwertung – als ob Armut und aus der Not geborene Verhaltensweisen Nairobi und Daressalam den Weg in die städtische Moderne weisen könnten und als ob die neonbeleuchtete Schuhschachtelarchitektur, die täglichen Verkehrsinfarkte und die horrenden Umweltprobleme, die mit dem rasanten Wachstum in Seoul oder Peking einhergehen, nicht Probleme wären, die man in Lagos und Kinshasa gerne hätte.
Frauke Kraas, Leiterin des Schwerpunktprogramms „Megacitys-Megachallenge“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft, rät daher zu einem gleichermaßen punktuellen wie holistischen Ansatz: Jeder Großraum müsse versuchen, einen möglichst umfassenden Begriff für das zu finden, was er sein will, eine übergeordnete Strategie entwickeln, die Stadt- und Verkehrsplanern, Wirtschafts- und Umweltexperten, Politikern und Sozialarbeitern einen verbindlichen Rahmen für ihre konkrete Arbeit vorgibt.
Megastädte sind nur begrenzt regierbar
In einem sechs Jahre dauernden Forschungsprojekt untersuchte Kraas am Beispiel von Dhaka und des Perlflussdeltas, wie solche Strategien konkret aussehen könnten. In Dhaka, so Kraas, stoße man auf ein breites Spektrum informeller ökonomischer Arrangements; die Stadt vertraue restlos auf die Selbstorganisation urbaner Prozesse jenseits staatlicher Kontrolle, mit anderen Worten: auf die Kreativität und Selbsthilfe der Bürger. Im Perlflussdelta hingegen versuche man mit gewaltigem Aufwand, das wilde Wachstum der Fabriken und Häuser zu steuern und nachzubessern: Lohnhungrige Wanderarbeiter würden in Manchester-kapitalistischen Unterkünften mit schichtweise vermieteten Schlafplätzen plus Wasserversorgung und Elektrizität untergebracht.
Welche der beiden neo-urbanen Strategien in eine bessere Zukunft weist, lässt sich heute nicht eindeutig entscheiden. Sicher ist so viel: Ein deutlich höherer Grad an Informalität, ungesicherter Beschäftigung und geduldeter Illegalität hat sich, so Kraas, längst auch in den alten Megastädten breitgemacht: „Megastädte sind immer nur begrenzt regierbar. Wir werden lernen müssen, damit umzugehen.“














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Alle Kommentare lesen26.04.2010, 12:42 UhrAnonymer Benutzer: becdie
Die Menschen werden an ihrer überbordenden Fruchtbarkeit zugrunde gehen. Mitschuldig werden all die Himmelskomiker, die das weiterhin tun, was vor 2000 Jahren geboten erschien. Na, gottseidank werde ich das Elend nicht mehr erleben.
23.04.2010, 20:28 UhrAnonymer Benutzer: Raven17
So groß ist der Unterschied zu Europa doch nicht!
Schaut man sich mal historisch die Zeit der Frühindustrialisierung an, dann hatten sehr viele europäische Städte früher recht ähnliche Slums, in denen z.b. die Cholera wütete. Man lese z.b. mal historische berichte über die blubbernden Fäkalienseen die einst im frühindustriellen Ruhrgebiet entstanden.
Der wesentliche Unterschied zu heutigen 3.-Welt-Städten ist nur, dass das Tempo der Entwicklung und die Volksmassen ganz andere sind. Für den Weg von der Handwerksmanufaktur zum Computerzeitalter brauchte eine typische europäische Stadt vielleicht 250 Jahre - viele Nachzügler machen aber nun das gleiche in nur 25 Jahren durch, und das mit mehr als zehnmal so vielen Einwohnern. Das ist der Unterschied!
Die unregierbaren Megastädte sind somit vielleicht eher nicht die "Zukunft", sondern eher "Noch-in-der-Frühindustrialisierung-befindlich". Viele werden den Weg zur modernen, gut geordneten Stadt schaffen - andere könnten zu dem werden was amerikanische Städteforscher ein "Hyperslum" nennen.
23.04.2010, 12:38 UhrAnonymer Benutzer: Peter Scholz
Damit muß man sich nicht auseinandersetzen. Auf den ersten blick sieht man planerischen Murks.
http://www.bps-niedenstein.de/