Wachstum, Ukraine, Ebola: G20 wollen Wirtschaftswachstum von zwei Billionen Dollar

Wachstum, Ukraine, Ebola: G20 wollen Wirtschaftswachstum von zwei Billionen Dollar

, aktualisiert 16. November 2014, 09:09 Uhr
Bild vergrößern

Beim G20-Gipfel soll es vordergründig um Wirtschaftsthemen gehen. Das hält Europa und die USA nicht davon ab, am Rande über die Krise in der Ukraine zu sprechen.

Die G20-Chefs wollen das globale Bruttoinlandsprodukt in den kommenden fünf Jahren um mehr als zwei Billionen Dollar anheben. Überschattet wird das Treffen von Spannungen mit Russland wegen der Ukraine.

Die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer haben sich auf einen Plan zur Ankurbelung der Weltwirtschaft verständigt. Dieser sieht vor, das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den kommenden fünf Jahren um mehr als zwei Billionen Dollar (1,6 Billionen Euro) anzuheben. Gelingen soll dies mit Investitionen in die Infrastruktur und verstärktem Handel, wie aus der Abschlusserklärung des G20-Gipfels in Brisbane hervorgeht. Das Treffen wurde von Spannungen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und westlichen Vertretern wegen des Ukraine-Konflikts überschattet.

Das internationale BIP soll bis zum Jahr 2018 um 2,1 Prozent höher sein als erwartet, heißt es in der Abschlusserklärung des Gipfels. Dadurch sollen Millionen Jobs entstehen. Die G20-Mitgliedsstaaten hätten sich mit mehr als 800 Maßnahmen einverstanden erklärt, die die lahmende Weltwirtschaft wieder auf Trab bringen sollen, sagte der Gastgeber des Gipfels, der australische Premierminister Tony Abbott.

Anzeige

Zehn Fragen und Antworten zu G20

  • G20 - was ist das?

    Die Gruppe der G20: Das sind 19 Länder und eine Organisation, die Europäische Union. Sie repräsentiert zwei Drittel der Weltbevölkerung und 75% des weltweiten Handels. Die G20 entstand 1999 als Reaktion auf die Finanzkrise in Asien. Zunächst trafen sich die Finanzminister und Vertreter der Zentralbanken. 2008 änderte sich das mit der globalen Finanzkrise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Seither gibt es ein jährliches Treffen auch auf Gipfelebene. Begründung: international enger abgestimmtes Vorgehen zum Wohl der Weltwirtschaft.

  • Warum so weit weg und was bedeutet der Gipfel für Australien?

    Der Vorsitz der G20 rolliert, Australien war einfach dran. Der Gipfel in Brisbane ist nun eines der größten Ereignisse, das Australien jemals organisiert hat. Australien empfängt die G20 erhobenen Hauptes, wächst doch seine Wirtschaft seit 23 Jahren kontinuierlich. Das können aus dem Kreis der G20 nicht wirklich alle von sich sagen.

  • Wer ist der Gastgeber?

    Der australische Premier Tony Abbott. Im Amt seit September 2013. Anthony John Abbott zeichnen eine gewisse Schneidigkeit und ein betont männlich-kraftvolles Auftreten aus. Findet, dass die Natur dem Menschen zu dienen habe (nicht umgekehrt), und bezeichnet Belege für den Klimawandel auch mal als „Mist“. Abbott ist glücklich über den G20-Ort Brisbanes (statt Sydney oder Melbourne). Abbott stammt aus Queensland. Hauptstadt von Queensland: Brisbane.

  • Wie ist denn Brisbane so?

    Brisbane ist eine junge Stadt. Früher eine Strafkolonie, ist der Ort am gleichnamigen Fluss heute das Industrie- und Finanzzentrum von Queensland. Man ist stolz auf seine zahlreichen Universitäten. Der Ballungsraum zählt zwei Millionen Menschen. Heiß und feucht ist es im November, der noch zum australischen Frühling zählt. Wer hier trotz des subtropischen Klimas Radeln will (und es gibt viele Radwege), muss laut Gesetz einen Helm tragen.

  • Worüber wird in Brisbane auf dem Gipfel geredet?

    Gedacht sind die G20 als reines Wirtschaftsforum. Weltwirtschaft stärken, Reformen in den Mitgliedsländern anstoßen, Finanzmärkte überwachen, internationale Finanzinstitutionen zu reformieren - solche Ziele. Aber wo dermaßen viel politische Macht versammelt ist, geht es natürlich auch zum Beispiel um das Klima und um die politische Lage der Welt sowie ihre Krisen. An letzterem ist 2014 kein Mangel. Besondere Aufmerksamkeit wird Russlands Präsident Wladimir Putin erfahren, der - aus den G8 ausgeschlossen - in diesem Jahr noch nicht auf vielen internationalen Treffen mit den Kollegen aus dem Westen zusammenkam.

  • Was wird in Brisbane herauskommen?

    Die G20-Präsidentschaft hätte gerne verbindliche Maßnahmen zur Stärkung der Weltwirtschaft und für mehr Wachstum, das natürlich „nachhaltig“ sein muss. Herauskommen wird am Sonntag aller Voraussicht nach ein (von den Sherpas monatelang vorverhandeltes) Abschlussdokument, das wie immer eine Quersumme vollendeter Diplomatie, mehrfach abgesicherter Unverbindlichkeit und Ziel geharnischter Kritik einer Reihe von NGO sein wird. Die G20 werden sich zum Kampf gegen den Islamischen Staat und Ebola bekennen, das Klima schützen wollen sowie Wachstum und Beschäftigung steigern.

  • Welche Polit-Prominenz reist an?

    US-Präsident Barack Obama, Putin, Chinas Staatschef Xi Jingping, Kanzlerin Angela Merkel - das sind nur einige der prominentesten Namen aus dem breiten Reigen von Staats- und Regierungschefs. Gefragt, wie sinnvoll solche Megatreffen noch sind („globaler Politzirkus“?), legen die Gipfelteilnehmer auf diese persönlichen Treffen stets großen Wert. Es sei absolut unverzichtbar, dass man auch mal direkt miteinander rede und sich austausche.

  • Wie sieht es mit der Teilnehmerzahl insgesamt aus?

    Ein G20-Gipfel ist eine riesige Maschine, ein Apparat mit vielen Tausend Beteiligten und monatelanger Vorbereitung. Auch in Brisbane wird der Auftrieb beträchtlich sein. Allein 5300 Delegierte werden erwartet, dazu etwa 2300 Journalisten.

  • Sind die Sorgen um die Sicherheit groß?

    Ja, allerdings. Gipfel sind für die Sicherheitsleute immer besondere Herausforderungen, das ist in Brisbane nicht anders. Dazu kommt nun eine besonders erhöhte Wachsamkeit, weil Australien in der internationalen Koalition gegen den Islamischen Staat mitmacht. In Brisbane gibt es bekannterweise muslimische Extremisten. Dort und in Sydney fand am 18. September die größte Anti-Terror-Razzia in der Geschichte der australischen Polizei statt. Zwei Verdächtige aus Brisbane sind in Haft, darunter der Bruder des ersten australischen Selbstmordattentäters, der im September 2013 in Syrien 35 Menschen in den Tod riss.

  • Wo ist der nächste G20-Gipfel?

    Im nächsten Jahr geht es in die Türkei, nach Istanbul. Vor Brisbane war Russland an der Reihe (St. Petersburg). Brisbane ist der neunte Gipfel der G20: Washington (2008), London (2009), Pittsburg (2009), Toronto (2010), Seoul (2010), Cannes (2011), Los Cabos (2012).

In der Abschlusserklärung setzten sich die G20-Chefs zudem das Ziel, die Kluft zwischen dem Anteil von Männern und dem von Frauen unter der erwerbstätigen Bevölkerung bis zum Jahr 2025 um 25 Prozent zu reduzieren.

Die Staats- und Regierungschefs der G20 standen unter dem Druck, bei dem Gipfel greifbare Ergebnisse hervorzubringen anstatt wie zuletzt ein paar vage Ziele bekanntzugeben. Der Internationale Währungsfonds warnte zuvor, der Weltwirtschaft drohe ein „neues Mittelmaß“. Die G20-Staaten sind für rund 85 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung verantwortlich.

Bei dem Gipfel in Brisbane machten sich die Spannungen zwischen Russland und dem Westen wegen des Ukraine-Konflikts bemerkbar. Australien, Japan und die USA veröffentlichten eine Erklärung, in der sie Russland für dessen Vorgehen in der Ukraine verurteilten.

US-Präsident Barack Obama warf Putin am Sonntag vor, sich nicht an das Waffenstillstandsabkommen für die Ostukraine zu halten. Der amerikanische Staatschef war in Brisbane mit Vertretern der Europäischen Union zusammengekommen, um über den Ukraine-Konflikt zu reden. Zu einer möglichen Verschärfung der Sanktionen gegen Russland sagte Obama, zwar zögen die USA und ihre europäischen Verbündeten immer zusätzliche Strafmaßnahmen in Erwägung. Doch die derzeitigen Sanktionen „beißen sehr gut“, sagte er.

Ungeachtet einer seit Anfang September geltenden Waffenruhe zwischen der Ukraine und prorussischen Separatisten gehen die Kämpfe im Osten des Landes weiter. Die ukrainische Regierung und der Westen haben Russland vorgeworfen, den prorussischen Aufstand mit Soldaten und Waffen zu unterstützen. Moskau bestreitet das.

Weitere Artikel

Obama sagte, Russland werde weiterhin internationale Isolation zu spüren bekommen, wenn Moskau keinen anderen Pfad wähle. „Es ist nicht unsere Präferenz, Russland auf diese Weise isoliert zu sehen“, sagte Obama.

Putin hatte Australien kurz vor Beginn der Gespräche zwischen Obama und den Repräsentanten der EU verlassen. An dem Treffen nahmen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident François Hollande und der britische Premierminister David Cameron teil.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%