Wachstumsmärkte: Die Türkei lockt mit fantastischen Möglichkeiten

25. November 2012
von Nele Hansen

Das Land am Bosporus wird für deutsche Unternehmen immer interessanter. Es bietet ein ideales Sprungbrett für Geschäfte weiter im Osten – und viele konsumfreudige Käufer vor der Haustür.

Wenn Serra Sayman hinter dem 3,5 Tonnen schweren Getriebemotor steht, verschwindet sie fast. Auch ihre High Heels ändern daran wenig. Der riesige Motor von SEW-Eurodrive, der transportfertig eine Autostunde von Istanbul steht, soll bald einen Kran auf einer türkischen Baustelle antreiben.

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Die 41-Jährige ist Landeschefin des deutschen Maschinenbauers aus dem badischen Bruchsal in der Türkei. Hier in Gebze, unweit des Bosporus, fertigt SEW-Eurodrive in einem neuen Werk Getriebemotoren für Fließbänder in Autofabriken, für Gepäckförderbänder in Flughäfen oder für Getränkeabfüllanlagen. Die gebürtige Türkin und gelernte Maschinenbauerin, die fließend Englisch spricht, leitet das Werk mit 50 Mitarbeitern. Im schwarzen Kostüm schreitet sie durch die Fabrik und grüßt ihre Landsleute, die gerade Gehäuse um die Motoren schrauben. Von dem Werk, das vor allem für den türkischen Markt produziert, verspricht sich die SEW-Eurodrive-Zentrale in Deutschland beste Geschäfte.

Länderprofil Türkei

  • Junge Bevölkerung

    Die 75 Millionen Einwohner der Türkei sind im Schnitt unter 30 Jahre alt und konsumfreudig. Die Einkommen steigen kontinuierlich und mit ihnen der Absatz der Unternehmen.

  • Abhängigkeit von Energie

    Die Türkei hat kaum eigene Energiequellen. Energie muss teuer importiert werden. Das treibt das Handelsbilanzdefizit weiter in die Höhe.

  • Stabiler Bankensektor

    Nach der großen Bankenkrise 2001, die zu Zinsen von über 4000 Prozent und einer Abwertung der
    Lira um rund 50 Prozent führte, hat die Türkei ihren Bankensektor gründlich reformiert – so gut, dass die Kreditinstitute 2009 das beste Ergebnis in der Geschichte einfuhren.

  • Hohe Inflation

    Zwar hat sich die Inflation von teilweise über 100 Prozent in früheren Jahren deutlich verringert. Mit Raten zwischen sieben und zehn Prozent ist sie aber immer noch hoch.

  • Zentrale Lage

    Die Türkei liegt geografisch günstig: In drei Flugstunden lassen sich in alle Himmelsrichtungen über 1,5 Milliarden Menschen erreichen.

Weltgewandte Produktmanagerinnen

Ein paar Kilometer weiter, in Tuzla, einem Vorort im Süden Istanbuls, kontrolliert die 32-jährige Produktmanagerin Ipek Cevikel die Fliesenfertigung der Firma Vitra. Das Unternehmen ist Teil der Eczacibasi-Gruppe und größter türkischer Hersteller von Fliesen und Badmöbeln. Zu diesem gehören neben Vitra auch der Fliesenhersteller Engers in Neuwied bei Koblenz und die Fliesensparte von Villeroy und Boch in Mettlach südlich von Trier sowie der Badmöbelhersteller Burgbad in Schmallenberg im Sauerland. Diese Firmen machen zusammen mit 5700 Mitarbeitern einen Umsatz von 613 Millionen Euro.

Märkte von morgen

Die zwei Türkinnen stehen für die beiden Seiten, die das Land zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer für deutsche Unternehmen so attraktiv macht. Studiert und weltgewandt, sind sie ideale Arbeitskräfte, die Firmen wie SEW-Eurodrive erlauben, im ehemaligen Reich der Osmanen auch eine anspruchsvolle Fertigung hochzuziehen. Zugleich sind die beiden potenzielle Käuferinnen westlicher Waren.

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Kommentar | 1Alle Kommentare
  • 25.11.2012, 19:07 UhrChlodwig

    Für eine Firam mags wohl interessant sein, aber
    für mich als Arbeitnehmer nicht.
    Da gibts bessere Destinations, wo man nicht derart
    eingeschränkt ist.

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