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Wachstumsmärkte: Die Türkei lockt mit fantastischen Möglichkeiten

von Nele Hansen

Das Land am Bosporus wird für deutsche Unternehmen immer interessanter. Es bietet ein ideales Sprungbrett für Geschäfte weiter im Osten – und viele konsumfreudige Käufer vor der Haustür.

Platz 10: Saudi Arabien

Saudi-Arabien ist die größte Volkswirtschaft im arabischen Raum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im Jahr 2010 622 Milliarden US-Dollar. 2010 bezifferte sich das BIP pro Kopf auf 24.200 US-Dollar.

Das Land ist als weltgrößter Erdölproduzent einerseits von der Entwicklung auf dem Erdölmarkt stark abhängig, kann aber durch seine riesigen Reserven äußere Abflüsse abmildern. So ist es Saudi-Arabien möglich, Ausschläge des Ölpreises durch Erhöhung oder Verminderung seiner aktuellen Fördermenge zu dämpfen oder – wie im Falle Iraks oder Libyens – Produktionsausfälle anderer Lieferanten aufzufangen.

Saudi-Arabien erwirtschaftete in den letzten Jahren regelmäßig Überschüsse. 2010 konnte das Land den Rekordbetrag von über 300 Milliarden Euro verbuchen. Saudi-Arabien finanziert damit einen aufgeblähten öffentlichen Sektor, der die hohe Arbeitslosigkeit (derzeit rund 15 Prozent) bekämpfen soll.

Das reale Wirtschaftswachstum dürfte laut dem Auswärtigen Amt im Jahr 2011 bei 6,8 Prozent gelegen haben. Die Privatwirtschaft spielt im Verhältnis zum staatlichen Öl- und Petrochemiesektor eine kleine Rolle, wuchs vergangenes Jahr aber immerhin um 8,3 Prozent.

Die britische Bank HSBC hat in einer Zukunftsprognose berechnet, wie die Welt im Jahr 2050 aussehen könnte. Demnach wird Saudi-Arabien in den kommenden vierzig Jahren im Durchschnitt um 3,775 Prozent wachsen. Das ist der zehnbeste Wert in dem Ranking. 2050 wäre Saudi-Arabien die 21. größte Volkswirtschaft der Welt (derzeit Rang 23).

Bild: AP

Wenn Serra Sayman hinter dem 3,5 Tonnen schweren Getriebemotor steht, verschwindet sie fast. Auch ihre High Heels ändern daran wenig. Der riesige Motor von SEW-Eurodrive, der transportfertig eine Autostunde von Istanbul steht, soll bald einen Kran auf einer türkischen Baustelle antreiben.

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Die 41-Jährige ist Landeschefin des deutschen Maschinenbauers aus dem badischen Bruchsal in der Türkei. Hier in Gebze, unweit des Bosporus, fertigt SEW-Eurodrive in einem neuen Werk Getriebemotoren für Fließbänder in Autofabriken, für Gepäckförderbänder in Flughäfen oder für Getränkeabfüllanlagen. Die gebürtige Türkin und gelernte Maschinenbauerin, die fließend Englisch spricht, leitet das Werk mit 50 Mitarbeitern. Im schwarzen Kostüm schreitet sie durch die Fabrik und grüßt ihre Landsleute, die gerade Gehäuse um die Motoren schrauben. Von dem Werk, das vor allem für den türkischen Markt produziert, verspricht sich die SEW-Eurodrive-Zentrale in Deutschland beste Geschäfte.

Länderprofil Türkei

  • Junge Bevölkerung

    Die 75 Millionen Einwohner der Türkei sind im Schnitt unter 30 Jahre alt und konsumfreudig. Die Einkommen steigen kontinuierlich und mit ihnen der Absatz der Unternehmen.

  • Abhängigkeit von Energie

    Die Türkei hat kaum eigene Energiequellen. Energie muss teuer importiert werden. Das treibt das Handelsbilanzdefizit weiter in die Höhe.

  • Stabiler Bankensektor

    Nach der großen Bankenkrise 2001, die zu Zinsen von über 4000 Prozent und einer Abwertung der
    Lira um rund 50 Prozent führte, hat die Türkei ihren Bankensektor gründlich reformiert – so gut, dass die Kreditinstitute 2009 das beste Ergebnis in der Geschichte einfuhren.

  • Hohe Inflation

    Zwar hat sich die Inflation von teilweise über 100 Prozent in früheren Jahren deutlich verringert. Mit Raten zwischen sieben und zehn Prozent ist sie aber immer noch hoch.

  • Zentrale Lage

    Die Türkei liegt geografisch günstig: In drei Flugstunden lassen sich in alle Himmelsrichtungen über 1,5 Milliarden Menschen erreichen.

Weltgewandte Produktmanagerinnen

Ein paar Kilometer weiter, in Tuzla, einem Vorort im Süden Istanbuls, kontrolliert die 32-jährige Produktmanagerin Ipek Cevikel die Fliesenfertigung der Firma Vitra. Das Unternehmen ist Teil der Eczacibasi-Gruppe und größter türkischer Hersteller von Fliesen und Badmöbeln. Zu diesem gehören neben Vitra auch der Fliesenhersteller Engers in Neuwied bei Koblenz und die Fliesensparte von Villeroy und Boch in Mettlach südlich von Trier sowie der Badmöbelhersteller Burgbad in Schmallenberg im Sauerland. Diese Firmen machen zusammen mit 5700 Mitarbeitern einen Umsatz von 613 Millionen Euro.

Märkte von morgen

Die zwei Türkinnen stehen für die beiden Seiten, die das Land zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer für deutsche Unternehmen so attraktiv macht. Studiert und weltgewandt, sind sie ideale Arbeitskräfte, die Firmen wie SEW-Eurodrive erlauben, im ehemaligen Reich der Osmanen auch eine anspruchsvolle Fertigung hochzuziehen. Zugleich sind die beiden potenzielle Käuferinnen westlicher Waren.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 25.11.2012, 19:07 UhrChlodwig

    Für eine Firam mags wohl interessant sein, aber
    für mich als Arbeitnehmer nicht.
    Da gibts bessere Destinations, wo man nicht derart
    eingeschränkt ist.

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