Währungskrieg: Abwertungswettlauf verliert seinen Schrecken

Währungskrieg: Abwertungswettlauf verliert seinen Schrecken

von Andreas Toller

Nach Chinas wiederholter Yuan-Abwertung fürchten Experten einen Währungskrieg. Weltbank-Wissenschaftler haben jedoch berechnet, dass schwächere Währungen nicht mehr so stark auf Exporte wirken wie vor 20 Jahren.

Wir leben in einer Ära des billigen Geldes, in der Notenbanken weltweit unverdrossen Geld in den Markt pumpen. Längst sind Schwellenländer wie Brasilien oder Indien den USA, der Euro-Zone oder Japan gefolgt und haben ihre heimischen Währungen durch Senkung der Leitzinsen verbilligt. Doch als China dreimal innerhalb nur einer Woche den Renminbi abwertete, ging mit einem Mal wieder die Angst vor einem Währungskrieg um.

Die Befürchtung: Wenn eine der größten Exportnationen der Erde den Wechselkurs zum Dollar drückt, senkt es die Preise für heimische Exportgüter und bringt andere Länder unter Zugzwang. Gleichzeitig verteuern sich Importe, was den Konsum bremst. Dann drohe ein Abwertungswettlauf zum Schutz der jeweiligen Exportindustrien. Die Gefahr immer weiter fallender Weltmarktpreise könnte in Deflation münden und jegliches Wachstum zunichte machen. Das Szenario ist durchaus realistisch, allerdings auch nicht das einzig Mögliche.

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Chinas Notenbank hat den Yuan den zweiten Tag in Folge abgewertet und damit die internationalen Finanzmärkte kräftig durchgewirbelt. Was die Intervention für die Weltwirtschaft bedeutet.

Börse China Quelle: dpa

Nun hat eine Weltbank-Studie festgestellt, dass ein Währungskrieg die Weltwirtschaft heute weit weniger hart treffen würde als noch vor 20 Jahren. Zwar stimmt es grundsätzlich, dass eine abgewertete Landeswährung die Nachfrage nach heimischen Exportgütern belebt, aber eben weit weniger als viele Beobachter bislang glauben. Insgesamt sei der Effekt auf die Wirtschaft nur noch halb so groß wie in den 90er Jahren.

Den Grund dafür sehen die Forscher vor allem in den globalisierten Produktionsprozessen und Lieferketten. Weil immer mehr Produkte nicht mehr nur einem Land produziert werden, sondern Komponenten aus verschiedenen Währungsräumen enthalten, seien die Folgen für die Handelspreise deutlich abgeschwächt. Auch wenn eine schwache Währung den Endverbraucherpreis senken müsste, stiegen parallel die Kosten für die importierten Bestandteile. Zudem verblieben die Gewinne nicht mehr so häufig im Land der Produktion.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

  • Platz 10

    Während Deutschland im Vorjahr noch auf Rang sechs lag, schafft es die Bundesrepublik in diesem Jahr nur noch auf den zehnten Platz. Der mitteleuropäische Staat steht 2015 vor vielen Herausforderungen. Dazu gehört der Druck, die Energiewende zu meistern, die digitale Transformation der Industrie voranzutreiben und private und öffentliche Investitionen zu fördern.

    Bauen kann Deutschland auf seine hoch qualifizierten Arbeitskräfte und eine Politik der Stabilität und Vorhersehbarkeit.

  • Platz 9

    Schweden fällt im Vergleich zu 2014 um vier Ränge von Platz fünf auf Platz neun. Das nordeuropäische Königreich kann besonders mit qualifizierten Arbeitskräften, den stabilen politischen Verhältnissen, einem wirksamen Rechtssystem und einem starken Fokus auf Forschung und Entwicklung glänzen. Auch das Bildungsniveau ist sehr hoch und die Infrastruktur sehr verlässlich.

  • Platz 8

    Auch Dänemark konnte sich im Vergleich zum Vorjahr verbessern, von Platz neun geht es hoch auf Platz acht. Gut schneidet das nordeuropäische Königreich bei Managementpraktiken, Gesundheit und Umwelt sowie Arbeitsstandards ab. Auf dem ersten Rang landet Dänemark in der Kategorie der Regierungseffizienz gleich fünf Mal, denn es zeichnet sich nicht nur durch eine besonders große Rechtstaatlichkeit aus, sondern auch dadurch, dass Bestechung und Korruption kaum eine Chance haben.

  • Platz 7

    Norwegen kann im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von drei Plätzen verzeichnen und landet damit auf dem siebten Platz. Die skandinavische Halbinsel kann vor allem mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufwarten, mit denen sie im internationalen Vergleich auf Platz eins landet. Weitere Faktoren, mit denen Norwegen punkten kann, sind im Bereich der Regierungseffizienz zu finden. Chancengleichheit, Transparenz sowie Rechtstaatlichkeit sind nur einige der besonders effektiven Maßnahmen der öffentlichen Hand.

  • Platz 6

    Für Luxemburg ging es von Platz elf im Jahr 2014 hoch auf Platz sechs. Sehr gut schneidet das Großherzogtum im Bereich der politischen Stabilität, der wettbewerbsfähigen Besteuerung, des unternehmerfreundlichen Umfeldes und der qualifizierten Arbeitskräfte ab.

  • Platz 5

    Kanada hat es in diesem Jahr auf Platz fünf geschafft. Im Vorjahr landete der nordamerikanische Staat noch auf Platz sieben des IMD World Competitiveness Ranking. Die gute Platzierung hat Kanada vor allem der Stabilität und Vorhersehbarkeit in der Politik, dem hohen Bildungsniveau, qualifizierten Arbeitskräften und einem wirksamen Rechtssystem zu verdanken. Ganz gut schneidet Kanada auch aufgrund einer unternehmerfreundlichen Umgebung und einer offenen und positiven Haltung ab.

  • Platz 4

    Der vierte Platz geht in diesem Jahr an die Schweiz. Unternehmen aus aller Welt wissen vor allem die sehr gute Infrastruktur des kleinen Alpenstaates zu schätzen. Die hohe Bildung und der Umweltschutz landen gar im Vergleich zu 2014 nicht mehr nur auf Platz drei, sondern gleich auf der Eins. Auch die robuste Wirtschaft, Arbeitsstandards, geringe Entlassungs- sowie Kapitalkosten sind im internationalen Vergleich so gut wie unschlagbar.

  • Platz 3

    Unter die ersten drei schafft es in diesem - wie auch schon im vergangenen Jahr - der Insel- und Stadtstaat Singapur. Besonders punkten konnte das asiatische Land bei Unternehmen in diesem Jahr mit seinem institutionellen Rahmen, der im weltweiten Vergleich auf Rang eins landet. Außerdem liegt Singapur bei der technologischen Infrastruktur sowie der Bildung ganz weit vorne.

  • Platz 2

    Platz zwei geht an die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Im Vergleich zum Vorjahr hat die chinesische Metropole zwei Plätze gut gemacht. Unternehmen aus aller Welt schätzen Hongkong insbesondere aufgrund der betriebswirtschaftlichen Gesetzgebung, der Managementpraktiken, der unternehmerischen Einstellungen und Werte und der technologischen Infrastruktur. Ganz gut steht Hongkong auch bei internationalen Investitionen, der Fiskalpolitik und bei den Betriebsfinanzen da.

  • Platz 1

    Die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das hat das IMD World Competitiveness Center in seiner aktuellen Vergleichsstudie bekannt gegeben.

    Besonders attraktiv finden Firmen in den USA - laut Ranking - die dynamische Wirtschaft (66,2 Prozent), den guten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten (55,1 Prozent), den starken Fokus auf Forschung und Entwicklung (49,3 Prozent) sowie das unternehmensfreundliche Umfeld (43,4 Prozent).

    Punkten können die USA zudem als attraktiver Forschungsstandort. Nachholbedarf gibt es im Bereich der Schulbildung.

Die britische Financial Times hat dafür ein populäres Beispiel gefunden: Das iPhone von Apple wird zwar in Taiwan montiert, das Display komme jedoch aus Japan, der Hauptprozessor aus Südkorea, andere Bestandteile kämen wiederum aus anderen Ländern Südostasiens, den USA oder Europa. Diese Teile müssten im Fallbeispiel nach einer Abwertung des Taiwan-Dollar teurer importiert werden. Der Effekt auf den Exportpreis des iPhone hängt somit gleich von mehreren Wechselkursen ab und davon, in welchem Währungsraum der Großteil der Wertschöpfung stattfindet. Und letztlich profitieren von den erzielten Gewinnen auch nicht in erster Linie Taiwan oder die chinesischen Fabrikarbeiter, weil sie größtenteils zurück in den Dollar- oder Euro-Raum fließen, wo Apple seine Gewinne aus steuerlichen Gründen bei seiner Irland-Tochter verbucht.

Die Wirtschaftswissenschaftler der Weltbank betonen deshalb, dass die volkswirtschaftlichen Auswirkungen eines Währungskrieges heutzutage viel komplexer und nur schwer berechenbar seien. Lediglich einfache Export- oder Importprodukte ohne teure Komponenten aus anderen Währungsräumen – beispielsweise Agrargüter oder Rohstoffe – wären weiterhin unmittelbar von Änderungen des Wechselkurses betroffen. Dort sei der Effekt einer Abwertung der heimischen Währung nach wie vor groß. Aber mit zunehmenden globalen Lieferketten schwinde er deutlich.

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So war laut Financial Times zum Beispiel in Japan zu beobachten, dass trotz fallenden Yen-Wechselkurses gegenüber dem US-Dollar um 17 Prozent im vergangenen Jahr die japanischen Exportzahlen im zweiten Quartal so stark gefallen sind wie seit fünf Jahren nicht.

All das trifft auf China in besonderem Maße zu. Zum einen hat in China die Produktion komplexer Produkte wie etwa Elektronikartikel in den vergangenen Jahrzehnten erheblich ausgeweitet. Zum anderen wurde China zur Werkbank der globalisierten Wirtschaft. Aber es gebe einen Grund, warum Chinas Exportwirtschaft von einer Abwertung stärker profitiert als zuvor: Die Importintensität – also der Anteil importierter Vorprodukte der exportierten Waren – hat im vergangenen Jahrzehnt deutlich abgenommen, heimische Zulieferer erlebten einen Aufschwung. Ökonomen sehen darin einen möglichen Grund, für das nachlassende Wachstum im Welthandel.

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