Währungskrieg: Gold als neue Referenz

KommentarWährungskrieg: Gold als neue Referenz

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ARCHIV - Eine Hand greift am 14.11.2008 in München (Oberbayern) nach einem 1000 Gramm Feingoldbarren, der im Safe eines privaten Edelmetallhändlers zwischen anderen Goldbarren liegt. Es ist aus Gold, es glänzt - ich will es haben. So denken in wirtschaftlichen schlechten Zeiten viele Privatanleger. Sie kaufen kleine und große Goldbarren, Anteile an Goldminen, besondere Goldmünzen und investieren in börsennotierte Goldfonds. Immer, wenn Finanzsysteme in die Knie gehen, steigt die Nachfrage nach Gold. So auch seit Beginn der Wirtschaftskrise - und der Boom ist aufgrund der Griechenlandkrise ungebrochen. Foto: Peter Kneffel dpa (c) dpa - Bildfunk

von Elke Pickartz

Weltbankchef Robert Zoellick fordert ein neues internationales Währungssystem, in dem die Staaten eng miteinander kooperieren und Gold ein „Referenzpunkt“ sein soll. Die G-20-Staaten dürften daran kaum Interesse haben, meint WirtschaftsWoche-Redakteurin Elke Pickartz.

Rechtzeitig vor dem G-20 Gipfel  gewinnt die Diskussion wieder an Fahrt: Internationale Institutionen und Experten präsentieren Vorschläge, wie der Währungsstreit beigelegt werden und eine neue Kooperation geschaffen werden könne.

Weltbank-Chef Robert Zoellick etwa fordert ein neues internationales Währungssystem, das „den Dollar, den Euro, den Yen, das Pfund und den Renminbi umfasst und sich in Richtung Internationalisierung bewegt“. Gold soll dabei als Referenzpunkt für Inflation, Deflation und Wechselkurs dienen.

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Zoellicks Ideen sind gleichsam vage und unrealistisch

Die Forderung nach mehr Kooperation auf Währungsebene klingt auf den ersten Blick sinnvoll. Doch Zoellicks Ideen sind gleichsam vage und unrealistisch.

Erstens: Niemand will zu einem System fixer Wechselkurse mit einem Dollar-Gold-Standard à la Bretton Woods zurück, wie es die westliche Welt von 1944 bis 1971 praktizierte. Denn in diesem Fixkurssystem ist die Abhängigkeit von dem Hauptwährungsland (damals die USA) und seiner Politik noch deutlich größer als in einem System flexibler Wechselkurse. China ist noch längst nicht so weit, diese Rolle zu übernehmen. Und mehrere Ankerwährungsländer sind schwierig zu realisieren.

Zweitens: Auch temporäre Absprachen, die Wechselkurse einzelner Währungen zu stützen (wie in den 1980er Jahren im Plaza- und Louvre-Accord der G5)  wird es zwischen den G-20 erst einmal nicht geben, denn dazu sind die Interessen der Geld- und Währungspolitiken der Staaten heute viel zu unterschiedlich.

China, das seinen Renminbi auf einem künstlich niedrigen Kurs an den Dollar gekoppelt hat, will diesen Kurs halten, um sein exportbasiertes Wachstum nicht zu gefährden. Die USA hingegen pumpen immer mehr Dollar in den Markt, um ihr Wachstum anzukurbeln und schwächen so den Greenback. Japan und viele Schwellenländern ächzen unter der Last ihrer zu starken Währungen.

Von dem G-20-Gipfel in Seoul am 11. November ist also in Sachen Währungsstreit über die übliche Rhetorik hinaus wenig zu erwarten.

Die Staaten werden noch einmal betonen, dass sie alle ein Interesse daran haben, die globalen Ungleichgewichte zwischen Handelsüberschüssen und Defiziten zu beseitigen.

Doch konkreter wird es kaum werden. Echte Kooperation wird es erst dann geben, wenn der Leidensdruck und die Gefahr von Währungskrieg und weltweitem Protektionismus so groß geworden sind, dass alle Staaten nur noch verlieren können.

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