Währungskrieg: Spekulationsblasen in Fernost dank Dollar-Schwemme

Währungskrieg: Spekulationsblasen in Fernost dank Dollar-Schwemme

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Skyline von Hongkong

von Matthias Kamp

Die Länder in Fernost glänzen mit kräftigem Wachstum, fürchten aber wegen der Dollar-Schwemme um ihre Stabilität. Experten fürchten neue Blasen an den Aktien- und Immobilienmärkten.

Fast ununterbrochen rollen die Lkws an die Kaimauer von Tanjong Pagar an der Südküste Singapurs. Die schweren Trucks haben Container geladen. Computergesteuerte Kräne befördern die Stahlboxen im Minutentakt auf die Frachter. Unterhaltungselektronik, Chemieprodukte und Arzneien werden von hier in alle Welt verschifft. Auch nachts kehrt keine Ruhe ein.

Nur kurz hatte die Finanzkrise die Ausfuhren des Stadtstaates am Südzipfel der malaysischen Halbinsel einbrechen lassen. Seit Anfang des Jahres brummt das Geschäft wieder – und das nicht nur in Singapur. Ob China, Südkorea, Taiwan oder Thailand: Die Schwellenländer in Fernost freuten sich zuletzt wieder über zweistellige Zuwachsraten bei den Ausfuhren – ganz so wie vor der Krise. Auch die Zuwachsraten beim Bruttoinlandsprodukt kletterten wieder in Größenordnungen von sieben bis zehn Prozent.

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Asiaten fürchten neue Blasen

Doch seit einigen Wochen mischen sich warnende Stimmen in den asiatischen Jubel. Die Länder der Region fürchten, mit dem neuerlichen Exportwunder könnte es schon bald wieder vorbei sein. Grund ist die lockere Geldpolitik der USA. Seit die amerikanische Notenbank Anfang November beschloss, die Schleusen weiter zu öffnen und 600 Milliarden Dollar zusätzlich in den Geldkreislauf zu pumpen, verzeichnen die asiatischen Schwellenländer rasch steigende Kapitalzuflüsse. Das sorgt für Aufwertungsdruck bei ihren Währungen und dämpft die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportwirtschaft. Gleichzeitig warnen Experten vor neuen Blasen an den Aktien- und Immobilienmärkten Asiens.

Asiatische Regierungen leiten Kontrollen ein

Thailand etwa konnte sich im Sommer noch über Zuwächse bei den Ausfuhren von mehr als 40 Prozent freuen. Zuletzt sackte das Plus bei den Exporten jedoch auf gut 20 Prozent. Für das kommende Jahr rechnet die Regierung nur noch mit einem Anstieg von zehn Prozent. Die Währung des Landes, der Baht, hat in diesem Jahr bereits um elf Prozent gegenüber dem Dollar aufgewertet. Nicht unproblematisch für Thailand, dessen Wirtschaft zu rund zwei Dritteln vom Export abhängt. Nach rund sieben Prozent in diesem Jahr dürfte das Wirtschaftswachstum darum 2011 deutlich schwächer ausfallen, erwarten Analysten. "Wir fühlen uns unfair behandelt", sagt Thailands Finanzminister Korn Chatikavanij in Richtung Washington.

Die thailändische Notenbank hat bereits mehrfach am Devisenmarkt interveniert, um sich gegen den stärkeren Baht zu stemmen. Doch die Länder in der Region gehen noch weiter. Indonesien etwa hat die Haltefristen für Anleger aus dem Ausland verlängert. Bangkok hat eine Steuer für ausländische Investoren eingeführt; ein Schritt, über den auch Korea nachdenkt. Auch China hat bei seinen Banken zusätzliche Dämme eingezogen, um den Zustrom von spekulativem Kapital aus dem Ausland aufzuhalten. Multilaterale Organisationen wie der Internationale Währungsfonds, die Asiatische Entwicklungsbank und die Weltbank ermuntern die asiatischen Schwellenländer geradezu zu Kapitalverkehrskontrollen. Wenn sie gezielt und vorübergehend eingesetzt würden, seien solche Kontrollen durchaus sinnvoll, sagt Sri Mulyani, Weltbank-Direktorin für Asien und Lateinamerika.

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