Währungspolitik: Chinas Zentralbank wertet Yuan deutlich ab

ThemaKonjunktur

Währungspolitik: Chinas Zentralbank wertet Yuan deutlich ab

, aktualisiert 11. August 2015, 14:03 Uhr

Die chinesische Zentralbank hat den Yuan stark abgewertet. Darunter leiden vor allem Wettbewerber und Schwellenländer. Einige Experten befürchten einen Währungskrieg.

Chinas Zentralbank hat die Währung des Landes mit einem Rekordeingriff auf Talfahrt geschickt. Der Mittelkurs des Yuan im Vergleich zum US-Dollar wurde am Dienstag um 1,9 Prozent herabgesetzt - so stark wie noch nie an einem einzelnen Handelstag zuvor.

Die People's Bank of China sprach in einer Mitteilung von einer „einmaligen Anpassung“, der Schritt diene als weitere Annäherung an marktwirtschaftliche Mechanismen. Der chinesische Yuan wird nicht so frei wie andere Währungen gehandelt, weshalb der täglich festgelegte Mittelwert von großer Bedeutung ist. Ausgehend von diesem Fixpunkt lässt die Zentralbank Handelsschwankungen von zwei Prozent nach oben und unten zu. Künftig solle sich der Mittelwert demnach am Marktgeschehen und an den Schlusskursen des Vortages orientieren. Die Bank teilte außerdem mit, den Yuan auf einem „angemessenen“ Niveau stabil zu halten.

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Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

  • Immobilienblase

    Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

  • Schattenbanken

    Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

  • Faule Kredite

    Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

  • Überkapazitäten

    Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

  • Internationale Krisen

    Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Wer sich allerdings die jüngste Exportbilanz der stark von Ausfuhren abhängigen chinesischen Wirtschaft ansieht, zweifelt schnell an den marktwirtschaftlichen Absichten. Denn aktuell leiden Chinas Exporte unter einer extremen Schwäche. Im Juli brachen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,3 Prozent ein. Entwickelt sich der Außenhandel weiterhin so schlecht, könnte auch das von der Regierung für dieses Jahr festgelegte Wachstumsziel der Wirtschaft von sieben Prozent in Gefahr geraten.

Indem der Yuan nun abwertet und billiger wird, werden auch chinesische Waren im Ausland wieder günstiger. Peking verschafft seinen Exporteuren einen nicht unerheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Einige Analysten werten den Schritt der Zentralbank daher auch als Versuch, das für dieses Jahr angepeilte Wachstum von sieben Prozent noch irgendwie zu schaffen. Zuletzt sagten offizielle Daten zwar, dass die chinesische Wirtschaft genau so schnell wächst, viele Beobachter zweifelten allerdings an den Zahlen.  

Währungskrieg befürchtet

Nachteile der Yuan-Abwertung entstehen vor allem für die Wettbewerber. "Die Abwertung hat zu einer Schockwelle auf regionalen asiatischen Devisenmärkten geführt", sagt Clifford Lau, Fixed Income-Vorstand für die Asien-Pazifik-Region bei der Investmentgesellschaft Columbia Threadneedle. Betroffen seien vor allem Länder wie Südkorea, Singapur oder Taiwan, deren Wachstum ebenso exportabhängig ist wie das chinesische. Einige Experten befürchten bereits einen Währungskrieg, also ein Wett-Abwerten der Währungen.

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Insgesamt macht die unsichere Wirtschaftslage immer mehr andere Schwellenländer nervös. Im Zuge der Abwertung verloren auch einige andere Währungen an Wert, unter anderem die indonesische Rupiah. Schon jetzt notiert die Währung auf dem tiefsten Stand seit 1998, gleiches gilt für die Währung Malaysias.

Besonders von einer Schwäche Chinas betroffen sind Länder wie Südafrika, Indien und Brasilien, China ist dort ein wichtiger Handelspartner und Investor. Die Währungen der Länder werten allesamt ab - zugegebenermaßen nicht nur aufgrund von Chinas Problemen, sondern vor allem angesichts der konjunkturellen Erholung in den USA und der bevorstehenden Zinswende durch die US-Notenbank. Das Problem: viele Länder haben Kredite in Dollar aufgenommen. Verlieren ihre Währungen gegenüber dem Greenback, wird es für die Volkswirtschaften immer schwerer, die Zinsen zu bedienen.


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