Währungspolitik: Das irre Comeback des US-Dollars

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Währungspolitik: Das irre Comeback des US-Dollars

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Der US-Dollar ist zurück zu alter Stärke.

von Bert Losse, Malte Fischer und Silke Wettach

Der Euro sinkt, der Dollar steigt: Die Parität der beiden Währungen ist nur noch eine Frage der Zeit. Das wirkt derzeit wie Doping für Anleger und Konjunktur. Mit schwer zu kontrollierenden Spätfolgen.

Es war eine illustre Herrenrunde, die sich im feinen New Yorker Plaza Hotel traf. Die Stimmung war angespannt. Stundenlang diskutierten die Finanzminister und Notenbankchefs von Deutschland, Frankreich, Japan, Großbritannien und den USA über ein einziges Thema – den starken Dollar.

Weltweit hatte der gestiegene Greenback, wie die US-Währung wegen der grünen Rückseite ihrer Dollar-Noten genannt wird, für Verwerfungen zwischen den Volkswirtschaften gesorgt. In den USA forderte die Industrie lautstark protektionistische Maßnahmen der Regierung. Die Minister schritten zur Tat. Im sogenannten Plaza-Abkommen beschlossen sie eine konzertierte Aktion zur Dollar-Abwertung; eine Reihe von Notenbanken warf einen Teil ihrer Dollar-Reserven auf den Markt.

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Das war im September 1985.

Das sind die Gewinner und Verlierer der Währungsschwäche

  • Gewinner Exporteure

    Die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Euro auf Talfahrt geschickt. Nach Einschätzung von Analysten könnte ein Euro schon bald weniger als ein US-Dollar kosten - erstmals seit mehr als zwölf Jahren. Ein schwacher Euro hilft Firmen aus der Eurozone, die Waren außerhalb des Währungsraums verkaufen wollen. Denn ihre Autos oder Maschinen werden auf den Weltmärkten günstiger - etwa in wichtigen Märkten wie Asien oder Amerika. Die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ oder anderen Euro-Staaten dürfte anziehen. Schon 2014 verkaufte Deutschland so viele Waren ins Ausland wie nie zuvor. Allerdings: Immerhin 37 Prozent der deutschen Exporte gehen in die Eurozone. Dort spielt der Wechselkurs keine Rolle.

  • Gewinner Konjunktur

    Mehr Exporte = mehr Produktion = mehr Arbeitsplätze. Ganz so einfach geht es in der Praxis nicht, aber der EZB-Kurs mit Nullzins und Geldschwemme zielt auch in diese Richtung. Allein über den Preis werden Unternehmen aus dem Euroraum dank des niedrigen Eurokurses wettbewerbsfähiger. Somit stehen die Chancen gut, dass sie mehr verkaufen und ihre Fabriken besser ausgelastet sind. Das könnte mittelfristig auch neue Arbeitsplätze schaffen. All das bringt die heimische Wirtschaft voran.

  • Gewinner Dax-Konzerne

    „Das Milliarden-Geschenk“ titelte das „Handelsblatt“ am 22. Januar, als die EZB ihr gigantisches Anleihenkaufprogramm beschloss. Die lockere Geldpolitik der Notenbank könnte exportstarken deutschen Konzernen nach Berechnungen der Commerzbank im laufenden Jahr zwölf Milliarden Euro zusätzlich an Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in die Kassen spülen - allein weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert. Vom Euroverfall profitieren demnach vor allem jene Firmen, die Rechnungen und Löhne in Euro bezahlen, aber in Dollar abrechnen.

  • Verlierer Importeure

    Wer Waren oder Rohstoffe aus dem Ausland bezieht, muss sich auf höhere Kosten einstellen. Denn wichtige Rohstoffe wie etwa Öl werden international in Dollar gehandelt. Wenn der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert, werden solche Importe für Abnehmer im Euroraum tendenziell teurer. Deshalb sei ein schwacher Euro für die Exportnation Deutschland auch nur auf den ersten Blick erfreulich, kommentiert der Außenhandelsverband BGA: „Ohne die niedrigen Rohstoffpreise würde der schwache Euro tiefe Spuren in unserer Importrechnung hinterlassen und somit auch die Verkaufspreise im Export erhöhen.“ In Deutschland wäre der Preisrückgang bei Benzin und Heizöl in den vergangenen Monaten noch deutlicher ausgefallen, wenn der Eurokurs nicht so stark nachgegeben hätte.

  • Verlierer Urlauber

    Urlaube in der Schweiz oder in die USA werden teurer, wenn der Euro gegenüber anderen wichtigen Währungen an Wert verliert. Ende Januar rechnete der Bundesverband deutscher Banken (BdB) vor: Die Kaufkraft eines Euro in der Schweiz betrage nur noch etwa 55 Cent. Das heißt: Waren und Dienstleistungen waren dort zu diesem Zeitpunkt im Schnitt fast doppelt so teuer wie in Deutschland. Auch für Reisen in andere Nicht-Euroländer wie Großbritannien oder die Türkei müssen Verbraucher aus Euroländern tiefer in die Tasche greifen. Auf der anderen Seite wird für Amerikaner oder Chinesen ein Trip nach Berlin, Athen oder an die Côte d'Azur attraktiver.

  • Verlierer Unternehmen

    Für den Ausbau ihrer Geschäfte außerhalb des Euroraums müssen Unternehmen aus dem Euroraum tendenziell mehr Geld in die Hand nehmen. Wer etwa eine Fabrik in China oder in den USA errichten will und dies in der jeweiligen Landeswährung bezahlt, legt in Euro gerechnet künftig drauf.

  • Verlierer Nicht-Eurostaaten

    Während die US-Notenbank Fed ihre Geldschleusen absehbar wieder schließen will, fährt die EZB einen genau entgegengesetzten Kurs. Das erhöht die Gefahr, dass es zu einem „Währungskrieg“ kommt. Mit ihren milliardenschweren Anleihenkäufen habe die EZB „eine Tür geöffnet, hinter der die Gefahr eines Abwertungswettlaufes lauert“, kritisierte BGA-Präsident Anton F. Börner. Die Erfahrung zeigt, dass es in solchen Fällen nur Verlierer gibt.

30 Jahre später könnte sich die Geschichte wiederholen, wenn auch unter gänzlich anderen Vorzeichen. Nicht, dass die USA derzeit eine Hochzinspolitik wie Anfang der Achtzigerjahre betrieben, als sie versuchten, die Inflation einzudämmen. Im Gegenteil. Seit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers vor gut sieben Jahre kleben die Leitzinsen in den USA an der Null-Prozent-Marke. Die Finanzbranche hat sich an das Billiggeld der US-Notenbank Fed gewöhnt. Daher hat schon die vage Aussicht auf eine geldpolitische Kehrtwende die Devisenmärkte in den vergangenen Monaten in Bewegung versetzt – und den Dollar in luftige Höhen katapultiert.

Weiter steigender Dollar?

Binnen eines Jahres hat sich die US-Devise gegenüber den wichtigsten Handelspartnerwährungen um acht Prozent verteuert. Gegenüber dem Euro legte sie mehr als 20 Prozent zu. Musste man vor einem Jahr noch 1,39 Dollar für einen Euro bezahlen, sind es derzeit nur noch rund 1,06 Dollar. „Spätestens bis Ende des Jahres dürfte die Parität erreicht sein“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Es wäre die stärkste Aufwertung des Dollar seit 1982. Ende 2017 könnten sogar 80 US-Cent reichen, um einen Euro zu kaufen, erwarten die Ökonomen der Investmentbank Goldman Sachs.

Am Mittwochabend vergangener Woche gab die Fed den Spekulationen auf einen weiter steigenden Dollar neue Nahrung. In ihrem Statement zur Geldpolitik verzichtete Notenbankchefin Janet Yellen auf den Hinweis, die Fed werde sich bei der avisierten Straffung der Geldpolitik „geduldig“ zeigen. Damit signalisierte sie den Finanzmärkten, dass mit einer Zinserhöhung immer noch zu rechnen sei, auch wenn sie mit dem Hinweis auf die konjunkturdämpfenden Wirkungen des starken Dollar die Aussicht auf eine schnelle Zinswende gedämpft hat.

Dollar-Schulden der Schwellenländer, Anstieg des Dollar-Kurses gegenüber wichtigen Schwellenländer-Währungen in den vergangenen zwölf Monaten

Dollar-Schulden der Schwellenländer, Anstieg des Dollar-Kurses gegenüber wichtigen Schwellenländer-Währungen in den vergangenen zwölf Monaten (Für eine vergrößerte Ansicht bitte klicken).

Niedrigere Zinsen

Während sich die Fed anschickt, den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal zu nehmen, treten es die Währungshüter in anderen Ländern weiter durch. Seit Dezember vergangenen Jahres haben weltweit mehr als 20 Zentralbanken ihre Geldpolitik gelockert, darunter auch die von China, Indien, einer Reihe europäischer Nicht-Euro-Länder sowie Australien und Kanada. Durch niedrigere Zinsen versuchen sie, ihre Währungen abzuwerten, um die Konjunktur oder auch die Inflation anzukurbeln.

Letzteres gilt vor allem für die Europäische Zentralbank (EZB), die derzeit mit Anleihekäufen eine neue Geldschwemme lostritt und den Euro auf Talfahrt schickt. Mitte vergangener Woche drückte auch die schwedische Zentralbank ihren Leitzins weiter in den negativen Bereich. Der Wechselkurs der Krone gegenüber dem Dollar fiel daraufhin auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Auch die Wechselkurse der Schwellenländer sind gegenüber dem Dollar unter Druck (siehe Grafik). Selbst der wackere Schweizer Franken hat in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber der globalen Leitwährung Dollar knapp 15 Prozent an Wert verloren.

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