Währungsunion: Der verzweifelte Kampf um den Euro

Währungsunion: Der verzweifelte Kampf um den Euro

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Georgios Karatzaferis (vorne): Dreiste Forderungen von Deutschland

Steigende Schulden, fehlender Reformwille, schwindende Wettbewerbsfähigkeit – die Finanzkrise legt die Schwächen der Währungsunion schonungslos offen. Wie lange hält der Euro das noch aus?

Geht es um Dreistigkeit, gepaart mit Erfindungsreichtum, sind griechische Politiker nicht zu schlagen. In der vergangenen Woche sorgte Georgios Karatzaferis, Mitglied des griechischen Parlaments und Vorsitzender der rechtskonservativen Partei LAOS, mit einem besonders kecken Vorschlag für Aufsehen. "Deutschland", so Karatzaferis, "schuldet uns noch 10,5 Milliarden Euro an Reparationszahlungen aus dem Zweiten Weltkrieg." Jetzt, wo die griechischen Staatsfinanzen kurz vor dem Kollaps stünden, sollten die Deutschen das Geld endlich überweisen. "Damit könnten wir unsere staatliche Kreditaufnahme auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts senken."

Einfälle wie dieser treiben die Finanzminister der Euro-Zone zur Verzweiflung. Seit Monaten sorgt Griechenland mit seiner chaotischen Haushaltslage und statistischen Betrügereien für schlechte Stimmung in Brüssel. Die Neuverschuldung der Hellenen sprang im vergangenen Jahr auf knapp 13 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP), der Schuldenstand auf 113 Prozent. Gut möglich, dass die Zahlen noch nach oben korrigiert werden müssen – wenn den Griechen auffällt, dass sie mal wieder falsch gerechnet haben.

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Griechen an Chuzpe kaum zu überbieten

Alle guten Worte und Mahnungen der Euro-Finanzminister in Richtung Athen, die Staatsfinanzen endlich zu sanieren, sind bisher verhallt. Statt durchdachter Konsolidierungsprogramme kommen aus Athen nur luftige Versprechungen – und freche Sprüche.

An Chuzpe sind die Griechen kaum zu überbieten – doch was die aussichtslose Lage der Staatsfinanzen betrifft, haben sie Gesellschaft. Vergangene Woche nahm die Ratingagentur Moody’s Portugal ins Visier – und drohte, die Kreditwürdigkeit des westlichsten Landes der Euro-Zone herabzustufen, wenn die Regierung in Lissabon nicht „bedeutsame und glaubwürdige Maßnahmen zur Kontrolle des Haushaltsdefizits ergreift“. Einige Wochen zuvor hatte die Ratingagentur Standard & Poor’s den Ausblick für Spanien auf negativ gesenkt.

In beiden Südländern hat sich der Fehlbetrag im Staatshaushalt im vergangenen Jahr gegenüber 2008 fast verdreifacht. In Portugal schoss das Defizit auf acht Prozent, in Spanien auf 11,2 Prozent vom BIP in die Höhe. Auch in anderen Ländern hat die Rezession die Haushalte tief in die roten Zahlen getrieben.

Europäische Staaten driften auseinander

Grafik: Lohnstückkosten in ausgesuchten Euro-Ländern

Grafik: Lohnstückkosten in ausgesuchten Euro-Ländern

So erschreckend die Schuldenexplosion auch sein mag – sie ist nur die Spitze des Eisbergs. In den vergangenen Jahren haben sich die Länder des Euro-Clubs wirtschaftlich weit auseinandergelebt. Vor allem in den sogenannten PIGS-Ländern (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien) ist die Wirtschaft stark zurückgefallen. Überzogene Lohnerhöhungen und mickrige Produktivitätszuwächse ließen dort die Lohnstückkosten kräftig steigen. Im vergangenen Jahr überschritten sie ihr Niveau aus dem Jahr 2000 im Schnitt um 30 Prozent.

Der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit hat die Exporte ausgebremst und die Leistungsbilanzen der PIGS-Staaten tief in die roten Zahlen gedrückt. Dagegen konnte Deutschland dank zurückhaltender Lohnabschlüsse in den vergangenen Jahren seine Wettbewerbsfähigkeit steigern und immer höhere Überschüsse im Außenhandel erzielen. „Der Druck im Kessel der Währungsunion steigt“, schreiben die Ökonomen der Commerzbank. Nehmen die wirtschaftlichen Divergenzen im EuroClub weiter zu, werden auch die wirtschaftspolitischen Interessen der Regierungen immer stärker auseinanderlaufen. „Die Währungsunion droht unregierbar zu werden, der Euro gerät in Gefahr“, warnt Manfred Neumann, Währungsexperte von der Universität Bonn.

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