Waffenruhe in Aleppo: Verwirrung um Start der Feuerpause

Waffenruhe in Aleppo: Verwirrung um Start der Feuerpause

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Syrien: Verwirrung um Start der Feuerpause

Wenn sich Russland und die USA einig sind, haben in Syrien die Waffen zu schweigen. Mit der Kommunikation hapert es aber doch, denn beim genauen Termin widersprechen sich die Angaben.

In der zuletzt schwer umkämpften nordsyrischen Stadt und gleichnamigen Provinz Aleppo herrscht Waffenruhe. Allerdings sorgten unterschiedliche Angaben über den Zeitpunkt des Inkrafttretens der zwischen Russland und den USA ausgehandelten Feuerpause für Verwirrung - denn diese gingen um genau einen Tag auseinander.

Während die Feuerpause russischen Medien zufolge erst um Mitternacht in der Nacht auf Donnerstag (Ortszeit) begann, war dies nach Darstellung des US-Außenministeriums schon 24 Stunden vorher der Fall. Auch die syrische Armee sprach vom Beginn der 48-stündigen Waffenruhe in der Nacht auf Donnerstag, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete. Entsprechend ging auch eine Weisung der Armeeführung an die Truppen.

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Moskau und Washington hatten sich darauf geeinigt, die seit Ende Februar in anderen Teilen Syriens geltende Feuerpause auf Aleppo auszuweiten, das von den Kämpfen besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

  • Islamische Front

    Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

  • Nusra-Front

    In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

  • Islamischer Staat

    Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

    Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

    Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

  • Syrische revolutionäre Front

    Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


  • Mudschaheddin-Armee

    Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


  • Höchstes Militärkommando

    Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

In einer Mitteilung des US-Außenministeriums hieß es: „Wir setzen auf Russland als Ko-Vorsitzenden der internationalen Syrien- Unterstützergruppe, seinen Einfluss auf das Assad-Regime geltend zu machen. Die USA werden das ihre tun.“ Nach Darstellung des US-Außenministeriums gab es Verstöße gegen die Feuerpause, aber die Kämpfe seien insgesamt zurückgegangen. Von russischer Seite hieß es, der Schritt könnte der „Prolog zu einer vollwertigen Feuerpause“ sein. „Aber wenn jemand wie die (Terrorgruppe) Al-Nusra-Front bewusst den Frieden nicht will, wird er alle Seiten ständig provozieren und beschießen“, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow. Die Vereinten Nationen drängten die Konfliktparteien in Aleppo zur schnellen und vollständigen Umsetzung der Waffenruhe. Der UN-Sicherheitsrat befasste sich am Mittwoch kurz nach der zwischen den USA und Russland ausgehandelten Vereinbarung in einer Dringlichkeitssitzung mit der Lage in der Stadt.

UN-Untergeneralsekretär Jeffrey Feltman sagte in der Sitzung, die Bombardements der syrischen Regierung in den vergangenen zwei Wochen zählten zu den schlimmsten seit Beginn des Bürgerkriegs. UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien sprach von einem „Gemetzel“ und sagte, das Leben in Aleppo sei wegen der ständigen Gefahr von Attacken, darunter Luftangriffe mit Fassbomben, entsetzlich und habe jeden Sinn verloren.

Bürgerkrieg in Syrien Fluglinien fürchten russische Raketen

Russische Marschflugkörper kreuzen internationale Flugrouten: Luftfahrtbehörden sind beunruhigt. Präsident Putin preist hingegen das militärische Engagement seines Landes im syrischen Bürgerkrieg.

Russische Kampflugzeuge vom Typ Sukhoi Su-27 nehmen an einer Vorführung in Moskau teil. Quelle: dpa

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, der sich am Mittwoch mit seinem französischen Kollege Jean-Marc Ayrault um eine Wiederbelebung der Friedensgespräche bemüht und nachdrücklich eine Waffenruhe in Aleppo gefordert hatte, begrüßte die Einigung. Nunmehr seien alle Konfliktparteien aufgefordert, die Waffenruhe voll einzuhalten und den Menschen in Aleppo „nach Wochen der Angst und Verzweiflung eine Atempause von Krieg und Gewalt zu verschaffen“, sagte der SPD-Politiker. Zudem sei die Einhaltung der Feuerpause „eine wichtige Grundlage“ dafür, dass die Genfer Verhandlungen zwischen Regime und Opposition so schnell wie möglich wiederaufgenommen werden können.

Aus Protest gegen den Anstieg der Gewalt in den vergangenen Wochen hatte die syrische Opposition die Friedensgespräche in Genf verlassen. Insgesamt sind seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren nach UN-Angaben rund 400 000 Menschen ums Leben gekommen. In Berlin soll auch ein neues Treffen der internationalen Syrien-Kontaktgruppe vorbereitet werden, die sich zuletzt im Februar in München getroffen hatte. Dazu findet am kommenden Montag in Paris ein weiteres Vorbereitungstreffen mit zehn Staaten statt, wie Ayrault mitteilte.

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