Wahl in Iran: Hoffnung auf iranisches Tauwetter

Wahl in Iran: Hoffnung auf iranisches Tauwetter

, aktualisiert 25. Februar 2016, 14:05 Uhr
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Am Freitag ist Parlamentswahl im Iran.

Quelle:Handelsblatt Online

Die religiösen Minderheiten in Iran blicken gespannt auf die Parlamentswahl am Freitag. Insgeheim hoffen sie auf eine Fortsetzung des Reformkurses von Präsident Ruhani. Offene Worte wagen nur die Juden.

TeheranWenn es um die Parlamentswahl im Iran an diesem Freitag geht, sagen die religiösen Minderheiten lieber gar nichts. Das könnte unnötigen Ärger mit der herrschenden islamischen Geistlichkeit geben, den sie in ihren kleinen Gemeinden gar nicht gebrauchen könnten. Ob Juden, Armenier, Assyrer oder Zoroastrier – alle zeigen sich brav neutral. Aber privat hoffen die meisten von ihnen, dass auch im Parlament der moderate Reformkurs von Präsident Hassan Ruhani weitergeführt wird.

Die Minderheiten haben laut Verfassung fünf der 290 Sitze im iranischen Parlament – und können auch nur diese per Wahl besetzen: zwei für die Armenier und je ein Sitz für die anderen drei. „Die fünf sind aber mehr Dekoration“, scherzt ein armenischer Automechaniker in Teheran. Sie kommen meist nur dann zu Wort, wenn es um Belange der Minderheiten geht. Das ist in einer vierjährigen Legislaturperiode aber nur selten der Fall.

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Die 80.000 armenisch-apostolischen Christen und die 20.000 anderen Christen im Iran haben laut ihrem Erzbischof Sibouh Sarkissian überhaupt keine Probleme in der islamischen Republik. „Unsere Rechte sind laut Verfassung geschützt und wir haben alle religiösen Freiheiten in diesem Land“, sagt Sarkissian. Die westlichen Vorwürfe diesbezüglich seien daher grundlos.

Auch die fast 25.000 bis 35.000 Zoroastrier im Iran – eine der ältesten monotheistischen Religionen, deren Stifter Zarathustra ist – haben nach Angaben einer ihrer Führer keine Schwierigkeiten. „Unsere Rechte sind gesetzlich gesichert. Und für Vorurteile in der Gesellschaft kann der Staat ja nichts“, sagt Ardeshir Khorshidan. Da ihre Rechte unabhängig von den politischen Machtverhältnissen Geltung hätten, spiele auch das Wahlergebnis für sie keine große Rolle.


Die empörte jüdische Gemeinschaft

Die 11.000 Juden im Land sind gesetzlich als religiöse Minderheit auch anerkannt. Sie aber sind weniger politisch korrekt und sprechen ihre Kritik auch offen aus. Seit über drei Jahrzehnten ist Israel einer der Erzfeinde ihres Heimatlandes. Besonders schlimm waren in dieser Hinsicht die acht Präsidentschaftsjahre von Mahmud Ahmadinedschad (2005-2013) und seiner fundamentalistischen Regierung. Der bezeichnete den Holocaust als ein „Märchen“ und veranstalte 2006 sogar eine Konferenz mit Holocaustleugnern sowie bekennenden Antisemiten aus aller Welt in Teheran.

Die gesamte jüdische Gemeinschaft im Iran war empört. „Das hat wehgetan, sehr wehgetan“, sagt Jussef Harunian, Leiter der „Abrischami“-Synagoge in Teheran. Obwohl er ein überzeugter Iraner sei, war er in den acht Jahren von seinem Land sehr enttäuscht. Der Massenmord an den europäischen Juden durch das NS-Regime sei schließlich ein Trauma. Diese durch Bilder und Filme belegte historische Tatsache zu leugnen „hat unser Herz gebrochen“, sagte er. Außerdem, kritisiert Harunian, habe damals ein Thema, das eigentlich nichts mit dem Iran zu tun hat, das Land jahrelang in eine politische Krise gestürzt.

Umso mehr haben sich die Juden gefreut, als Präsident Hassan Ruhani sich von seinem Vorgänger distanzierte und den Holocaust als eine bittere historische Tatsache bezeichnete. „Ruhani und die Reformer sind gebildet und kennen die Geschichte dieses Genozids“, sagt Harunian. Ruhani unterscheidet seiner Meinung nach auch zwischen Kritik an der israelischen Politik und Respektlosigkeit gegenüber Juden. Das sei laut Harunian auch wichtig, denn sonst müssten die Juden im Iran mit dem Gedanken leben, dass sie in einem antisemitischen Land zuhause seien.

Voller Lob für Ruhani und die Reformer ist auch der Leiter der jüdischen Gemeinde in Teheran. Zum ersten Mal in der iranischen Geschichte habe ein Präsident einen Beauftragten für religiöse Minderheiten ernannt, sagt er. „Das ist ein Zeichen von Respekt und hat auch zur Verbesserung unserer Rechte beigetragen“, sagt Homayoun Sameyah. Mit Ahmadinedschad hatten die Juden eine schwierige Zeit, wo sie nur geschwiegen und gelitten haben. Jetzt haben sie, laut Sameyah, „wieder ein Lächeln im Gesicht“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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