Wahlen in Russland: Die Metamorphosen des Präsidenten Putin

Wahlen in Russland: Die Metamorphosen des Präsidenten Putin

von Florian Willershausen

Zuhause wie im Ausland markiert Wladimir Putin gern den starken Mann – denn nur so glaubt er, dem russischen Wähler zu gefallen. Die Wahlen am Sonntag könnten erstmals zeigen, dass dies ein Trugschluss ist.

Eigentlich begann der Aufstieg des Wladimir Putin am 12. August des Jahres 2000 – einem stickig-heißen Sommertag, an dem Russland mal wieder unter Schock stand. An jenem Morgen sank das Atom-U-Boot Kursk auf den Grund des eisigen Nordmeers, der Stolz der russischen Marine. Viele der 118 Seeleute hatten hatten noch für Stunden Luft zum Atmen, bevor sie starben, weil die Rettung des Schiffs zu lange dauerte.

Wladimir Putin war damals schon mehr als ein halbes Jahr als Präsident im Amt. Ein Jahr zuvor hatte er als Regierungschef den zweiten Tschetschenien-Krieg beendet, was die Russen schätzten. All die Lorbeeren verspielte er aber an jenem 12 August: Der neue Präsident urlaubte ganz cool am Schwarzen Meer, anstatt die dramatische Kursk-Rettung vor Ort zu koordinieren.

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Als Politiker war Putin damals noch unerfahren. Aber er hat damals schnell verstanden, wie man sich in Russland im Sattel hält: Mit einfühlsamer Volksnähe, entschlossenem Handeln und der passenden Intonation auf allen medialen Kanälen. Heute stützt sich Putins Macht im Wesentlichen auf einen mächtigen PR-Apparat: Russlands Regisseure für politische Kommunikation inszenieren „WWP“ – Wladimir Wladimirowitsch Putin – jeden Tag aufs Neue so, dass ihn das Volk liebt und wählt.

Die Milliardäre dachten, Putin sei kontrollierbar

Im Jahr 1999, als der Geheimdienstler Wladimir Putin mit Unterstützung einer Handvoll Oligarchen auf die politische Bühne geschickt wurde, war die russische Bevölkerung noch recht kalkulierbar: In der Alterskohorte von Putin trauerte man dem Verlust imperialer Größe nach, auf die man zu Sowjetzeiten stolz gewesen war. Verschärft wurde der gefühlte politische Abstieg Russlands durch die ökonomische Krise: Korruption, Missmanagement und eine überstürzte Privatisierung hatten die Russen in den neunziger Jahre in Armut gestürzt.

Zahlen und Fakten zu Russland

  • Fläche

    Russland ist mit einer Fläche von 17.075.400 km² das größte Land der Erde.

  • Einwohner

    Mit 141,85 Millionen Einwohnern liegt Russland auf Rang 9. Durch die Größe des Landes ergibt sich allerdings eine sehr dünne Besiedlung. Auf einem Quadratkilometer leben umgerechnet nur 8,3 Menschen.

  • Hauptstadt

    Die Hauptstadt Russlands ist Moskau (Moskwa). Mit 11.514.300 Einwohnern ist Moskau die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt Russlands.

  • Bruttoinlandsprodukt

    Das Bruttoinlandsprodukt lag im Jahr 2010 bei 1.480 Milliarden US-$. 59 Prozent der Leistung erwirtschaftet der Dienstleistungs-Sektor, 37 Prozent die Industrie, vier Prozent am BIP steuert die Landwirtschaft bei. Der reale Zuwachs lag im vergangenen Jahr bei 4,0 Prozent.

  • Import und Export

    Russland importierte 2010 Waren im Wert von 229 Milliarden US-Dollar. Den größten Anteil haben die chemische Erzeugnisse (14 Prozent). Der Export lag bei 396 Milliarden US-Dollar. Größter Exportschlager sind Erdöl und -produkte, Erdgas und Kohle.

  • Verwaltung

    Russland ist in acht Föderationsgebiete mit insgesamt 83 Territorialeinheiten eingeteilt. Diese gliedern sich auf in 21 Republiken, neun Regionen, 46 Gebieten, einem autonomen Gebiet, vier autonomen Kreisen sowie zwei Städten mit Subjekt-Status (Moskau und St. Petersburg).

  • Religion

    Russland ist größtenteils christlich geprägt, über 70 Prozent der Einwohner sind orthodoxe Christen, 14 Prozent Muslime, 1,4 Prozent Protestanten, 0,6 Prozent Katholiken sowie 0,5 Prozent Juden.

Putin war jener unverbrauchte junge Mann, der Ordnung schaffen sollte – so hatten sich das zumindest die Multimilliardäre um Medienzar Boris Beresowski vorgestellt, die ihn als kontrollierbaren Präsidenten aufs Trapez schickten. Das PR-Projekt Putin glückt so lange, bis sich „WWP“ erfolgreich zur politischen Marke entwickelte: Putin, sensibilisiert durch das Image-Debakel beim Kursk-Unglück, setzte sich nicht nur als „Stabilisator“ in Szene, sondern parlierte auch als bodenständiger Macher mit Sinn für Humor, zuweilen mit durchaus groben Zügen.

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