Wahlen in Russland : Ein Lebemann fordert Putin heraus

Wahlen in Russland : Ein Lebemann fordert Putin heraus

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Der Oligarch Michael Prochorow fordert mit Nachdruck eine Modernisierung der russischen Rohstoffwirtschaft und tritt auch gerne mal im Fernsehen auf. Wie lange Putin ihm das noch durchgehen lässt?

von Florian Willershausen

Der Oligarch Michail Prochorow will russischer Präsident werden. Die Politik ist nicht das natürliche Terrain des begehrten Jungengessellen - bis vor einiger Zeit fiel Prochorow vor allem durch wilde Partys auf.

Es ist noch gar nicht lange her, dass der russische Milliardär Michael Prochorow alle Klischees des protzigen neureichen Russen erfüllte: Im Januar 2007 nahm ihn die französische Polizei im Nobel-Skiort Courchevel fest, drei Tage verbrachte er wegen angeblicher Zuhälterei in Haft. Der heute 46-Jährige, der damals wie heute als Russlands begehrtester Junggeselle gilt, hatte zu einer wilden wie dekadenten Champagner-Party leichte Damen aus Moskau einfliegen lassen.

Heute ist Prochorow ein anderer Mensch: Der Oligarch, laut „Forbes“ rund 18,5 Milliarden Dollar reich, fordert mit Nachdruck eine Modernisierung der russischen Rohstoffwirtschaft und macht selbst vor, wie das geht: Er investiert in Elektroautos und Energiesparlampen, fördert Kultur und Management-Ausbildung. Doch richtig vernünftig scheint Prochorow dennoch nicht geworden zu sein – sonst würde er nicht gegen Wladimir Putin bei den Präsidentschaftswahlen im März 2012 antreten.

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Putins Götterdämmerung bricht an

Die Wahl von Putin, zurzeit im Amt des Ministerpräsidenten geparkt, gilt als sicher. Der 59-Jährige mit Hang zu Populismus und Selbstdarstellung ist nicht zuletzt dank der medial unterstützten Eigenwerbung als Stabilitätsgarant der populärste Politiker Russlands. Selbst wenn Prochorow und andere Herausforderer wie Kommunistenführer Gennadi Sjuganow ein paar Stimmen bekommen – Putin wäre die Mehrheit sicher, da ein Großteil der Russen nur ihm zutraut, das Land in die Zukunft zu führen.

Trotzdem bringt Prochorows Kandidatur, für die er gerade 200.000 Unterschriften sammelt, Bewegung ins festgefahrene „System Putin“. Seit am vorigen Samstag im ganzen Land fast 100.000 Menschen auf die Straße gingen, um für ehrliche Wahlen und eine bessere Politik zu demonstrieren, ist klar: Selbst die lange Zeit apolitischen, fast lethargischen Russen, sind die Selbstinszenierungen des Wladimir Putin leid, dessen Nomenklatur, die Bürokratie, Korruption, Vetternwirtschaft. Putins Götterdämmung hat begonnen. Die Menschen, die in Moskau auf die Straße gingen, haben ein ordentliches Auskommen, prima Jobs, sie reisen viel und wissen um die Risiken, die es mit sich bringt, wenn Putins Russland einzig die (schwankenden) Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport an Rentner und marode Sowjet-Betriebe umverteilt.

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